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Familie

Ich habe nicht geboren | Über meine Depression nach dem Kaiserschnitt und Gewalt in der Geburtshilfe

Ich weiß noch, wie ich hochschwanger mit meinem ersten Kind im Weihnachtsgottesdienst saß, neun Jahre ist das jetzt her. Und mit den Tränen kämpfte, als ich die alte, mir so vertraute Geschichte hörte, wie die ebenfalls hochschwangere Maria eine weite und vor allem sehr beschwerliche Reise auf sich nehmen musste. Weg von ihrem Zuhause, heraus gerissen aus ihrem vertrauten Umfeld, auf einem Esel quer durchs Land. Ich weiß noch, wieviel Mitgefühl in mir aufkam. Gleichzeitig mit der Dankbarkeit darüber, dass es für mein Kind einen sicheren Platz zum auf die Welt kommen geben würde. Nicht auf dem Feld oder in einem Stall, sondern zu Hause, sicher und geborgen.

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Und dann kam der 06. Januar. Vier Wochen vor errechnetem Termin. Mein Wunsch nach einer Hausgeburt zerplatze genau wie meine Fruchtblase. Vor mir lagen lange Stunden und ein Kaiserschnitt, der mich am Ende mit einer Depression und einem Geburtstrauma zurück lassen sollte.

Aktionstag „Roses Revolution“

Meine Kinder sind mittlerweile alle in der Schule, über Baby-, Schwangerschafts- und Geburtsthemen habe ich bisher eigentlich nicht geschrieben. Und warum sollte ich jetzt damit anfangen?! Außerdem: so richtig (vor)weihnachtlich ist mein Text auch nicht. Oder eben doch?

Als ich Ende November vom Aktionstag „Roses Revolution“ las, bei dem es um Gewalt in der Geburtshilfe ging, über die unter anderem im Deutschlandfunk berichtet wurde, war mir klar: über manche Themen kann man auch Jahre später noch schreiben. Weil ihre Geschichte in der Zwischenzeit nichts an Bedeutung verloren hat. Jedes Jahr um die Weihnachtszeit und zum Geburtstag meines Sohnes fühle ich sie wieder, die alten Gefühle. Nicht mehr als Wunde, aber als Narbengewebe, tiefer und weniger schön geheilt als die Narbe, die ich sichtbar auf meinem Bauch trage.

Geburt, was ist das eigentlich?

Ich hatte schon als Kind vor dem Thema Gebären Angst. Ohne, dass ich weiß, warum eigentlich. Nun hatte ich in meinem Umfeld keinen Kontakt zu Geburten (mein Bruder wurde unter einer sehr schweren Geburt im Krankenhaus entbunden, ohne, dass ich dabei gewesen wäre) und auch meine kleine Schwester sah ich erst gewaschen und in einem Krankenhausbettchen einen Tag später. Zu Hause haben wir nicht über dieses Thema gesprochen und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich meine Mutter danach gefragt hätte, wie ich zur Welt gekommen wäre (etwas, was meine Kinder ständig tun!). Kinder kamen für mich im Krankenhaus zur Welt, wie genau das von statten ging, davon hatte ich keine Ahnung. Und irgendwie wollte ich das auch nicht wissen.

Schon vor meiner Schwangerschaft mit meinem Sohn änderte sich das, da meine Schwiegermutter als freiberufliche Hebamme arbeitet und neben Vor- und Nachsorge auch Hausgeburten betreut. So wurde dieses Thema auf einmal ein latenter Begleiter, wie eine Art leises, stetes Hintergrundgeräusch. Als ich dann mein erstes Kind unterm Herzen trug, war ich innerlich viel offener, mutiger und vor allem um einiges wissender. Mit Verlauf der Schwangerschaft lernte ich meinen Körper auf eine völlig neue Art und Weise kennen, die mir trotz der starken Beschwerden viel Selbstvertrauen gab. Ich wusste, meinem Kind geht es gut, egal, ob ich zu schwach war, um überhaupt aufzustehen.

Dann kam alles anders

Wir entschieden uns von Anfang an für eine Hausgeburt und machten ansonsten eher wenig Pläne. Ich war 24, mein Mann 22. Wir steckten beide im Studium, ich kurz vorm Examen, mein Mann hatte gerade angefangen. Wenn man so jung Eltern wird, ist man einerseits vielleicht um einiges unwissender und weniger gefestigt im Leben (auch, was die wirtschaftliche Seite angeht). Aber man ist definitiv auch flexibler und weniger ängstlich.

Vier Wochen vor dem errechneten Termin verreiste meine Hebamme für ein paar Tage. Wir hatten vorher alles besprochen, auch mit der Vertretung war alles geregelt. Ich machte mir keine Sorgen. Mein Baby war gesund und munter, saß zwar schon in der richtigen Richtung im Becken, aber die Zeichen standen noch nicht auf Sturm. Und dann wachte ich um vier Uhr morgens am Sonntag der Heiligen drei Könige auf und lag auf einer nassen Matratze. Ein wenig panisch rief ich die Vertretungs-Hebamme an. Ich weiß noch, dass ich die ganze Zeit dachte: alles wird gut, kein Problem. Gleich kommt sie vorbei. Aber sie kam nicht. Weil man bei einer Geburt vier Wochen vor Termin (36+0) offiziell ein Frühchen gebärt. Und weil das keine Hebamme zu Hause begleiten darf, wenn sie nicht in Konflikt mit dem Gesetz und ihrer Haftpflichtversicherung kommen will.

Wenn Nein nichts zählt

Also packte ich eine Kliniktasche, die ich nie hatte packen wollen, fuhr in ein Krankenhaus, in dem ich zuvor noch nie war und meldete mich zur Geburt an. Ich hatte Angst, das erste Mal, seit ich schwanger war. Ich wollte in kein Krankenhaus, in keinen Kreissaal. Leider gab es keine Belegbetten, so dass ich mich zunächst einer zwar netten, aber völlig fremden Hebamme gegenüber sah, die zudem kurz vor Ende ihres Schichtdienstes stand.

Die nächsten Stunden waren eine Abfolge an Dingen, die ich nicht wollte. Und die trotzdem getan wurden. An Dingen, zu denen ich nein sagte, bei denen ich weinte und sagte, dass ich Angst davor habe. Was aber keine Rolle spielte. Die Hebamme, die den Großteil der Geburt Dienst hatte, wollte mich jede Stunde untersuchen und meinen Muttermund während der Wehen ertasten. Da das nicht funktionierte, legten sie mir eine PDA. Auch, weil ihnen die Geburt nicht schnell genug voran ging. Ich sagte, dass ich warten will und alles in Ordnung sei. Die Antwort war stets die gleich: sie wollen doch nicht, dass ihr Baby auf die Kinderstation (welche sich in einem anderen Krankenhaus befand) verlegt wird. Der Narkosearzt legte die PDA falsch, so dass er mir nicht nur furchtbar weh tat (und mir befahl, mich zu entspannen, während ich mich weinend an meinen Mann klammerte und unter Schmerzen irgendwie versuchte, meine Wehen zu veratmen), sondern ich ab sofort nichts mehr von meinem Unterleib spürte.

Irgendwann kam nicht nur ein Assistenzarzt, sondern auch ein polnischer Oberarzt vorbei, der knurrend irgendwas zu den Schwestern und zur Hebamme sagte und anschließend wieder verschwand. Der Assistenzarzt bemühte sich um Freundlichkeit und erklärte mir, ich müsse die Erklärung, die er mir hinhielt, unterschreiben, ich bekäme jetzt einen Notkaiserschnitt. Der Wehenhemmer ließ mich am ganzen Körper unkontrolliert zittern, ich malte irgendeinen Kringel aufs Papier, da ich kaum den Stift halten konnte. Niemals hätte man meinen Namen davon ableiten können.

Jetzt stellen Sie sich nicht so an!

Die Hebamme zog mich in der Zwischenzeit aus und kam mit Rasierer und Katheter wieder. Ich weinte wieder und sagte, ich hätte Angst davor. Sie schnauzte mich an, dass so ein lächerlicher Katheter ja gerade mein geringstes Problem sei, ich solle mich nicht so anstellen. Danach habe ich nur noch verschwommene Erinnerungen. Ich weiß noch, dass ich auf ein OP-Bett geschnallt wurde. Ich bekam eine Dosis nach der anderen an Betäubungsmittel, welches nicht wirkte. Der Narkosearzt sagte, dass wir noch einen Versuch hätten, sonst müssten sie mich in Vollnarkose legen. Ich musste mich übergeben, konnte mich aber nicht bewegen und geriet in Panik. Die Narkoseschwester drehte meinen Kopf und hielt mir eine Schale hin. Ich erinnere mich noch, dass sie die einzige war, die mir über den Kopf strich und sagte, dass am Ende alles gut werden würde.

Um 18:17 holten sie meinen Sohn, ein munteres, winziges Kerlchen mit derselben Frisur wie der Papa und langen Fingernägeln wie ein Maulwurf. Er sah perfekt aus – soweit ich das über den Vorhang erkennen konnte. Sie hielten ihn mir kurz hin, dann wurde er untersucht und gewaschen. Während ich zugenäht wurde, nahm mein Mann unseren Sohn mit. Ich wusste schon nicht mal mehr, wie er aussah. Oder wie er roch. Es war, als schwebte ich irgendwo neben dem Krankenbett und schaute zu.

Das bin nicht mehr ich

Am Schlimmsten war das, was danach kam. Wir warteten bestimmt zwei Stunden in einer Art Aufwachraum, bis mein Zimmer bezugsfertig wurde. Ich hatte Schüttelkrämpfe, die einfach nicht nachlassen wollten. Mir war schlecht, ich war halb besinnungslos. Als mein Mann mir unseren Sohn gab, konnte ich ihn kaum halten und war beinahe erleichtert als er ihn mir wieder abnahm. Das war der schlimmste Schmerz, den ich bisher in Bezug auf meine Kinder bisher erleben musste. Es ist schwer zu erklären. Ich hatte das Gefühl, mir brach in dem Moment das Herz. Ich wollte nichts mehr als mich über mein Baby freuen, an ihm riechen, es spüren. Aber ich war nicht mehr ich selber. Auch heute noch, während ich das schreibe, muss ich darüber weinen. Weil man mir unwiderruflich etwas weggenommen hatte, gegen meinen Willen, ohne, dass ich es wiederbekäme.

Ich war insgesamt sechs Tage im Krankenhaus. Tage, in denen ich Trombosespritzen und -strümpfe bekam, die ich nicht wollte. In denen man mich zwang, Milch abzupumpen, weil stillen angeblich zu anstrengend für mein Kind gewesen wäre. Ich erinnere mich, wie die Schwestern mich auslachten, als ich die Flasche mit der abgepumpte Milch in den Kühlschrank stellte. Was für eine kleine Menge das doch wäre. Wie sie mir hart an die Brust fassten, genervt, dass ich es nicht alleine auf die Reihe bekam. Um mir anschließend zu sagen, dass ich eh nicht stillen könne. Tage, in denen man mir mein Kind in der Nacht nicht wiederbrachte, nachdem ich die Nachtschwester herbei klingeln musste (ich konnte beinahe drei Tage lang nicht aufstehen) und sie eigentlich nur kurz um Hilfe bat. Tage, in denen ich dachte, so fühlt es sich an, verrückt zu werden, genau so.

Ich sah meinen Sohn nach drei Tagen das erste Mal nackt. Er lag nie nackt auf meiner oder der Brust meines Mannes, erst, als wir wieder zu Hause waren. Als wir das Krankenhaus verließen, hatte ich bereits eine schwere Depression (die ich da aber noch nicht benennen konnte) und mein Sohn wog nur noch lächerliche 2100 Gramm.

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Warum?

Warum erzähle ich das alles? Vielleicht ist der Text für einige von Euch viel zu emotional, zu persönlich, zu viel. Wahrscheinlich sogar. Für mich auch. Ich habe beim Schreiben hier an meinem Schreibtisch gesessen und geweint. Obwohl mein Sohn in wenigen Wochen zehn Jahre alt wird. Und ich glaube, genau das ist der Grund, warum ich das schreibe.

Gewalt in der Geburtshilfe ist vielleicht etwas, was wir von Ländern erwarten, in denen der medizinische Standard sehr gering oder gar keine Versorgung vorhanden ist. Wir denken an Frauen, die wie Maria in einem Stall zwischen Stroh und Nutztieren ihr erstes Kind zur Welt bringen. Dabei ist unser Land in einem so starken Maße industrialisiert, dass wir das Gebären zu einem maschinellen Prozess machen. Frauen sind Ware, ihre Kinder auch. Je weniger Unbekanntem wir uns gegenüber sehen, je höher ist das Maß der Kontrolle. Bis hin zur völligen Entmündigung des anderen. Die Motivation ist Effektivität, Geld, Macht und Dinge, die ich nicht benennen kann. Das Ergebnis sind traumatisierte, depressive Frauen, deren Mutter-Kind-Beziehung von Anfang an gestört, belastet und manchmal sogar zeitweise verhindert wird.

Und das ist nichts, was wir normalisieren, als gegeben hinnehmen oder akzeptieren sollten. Es ist schlichtweg falsch. Genauso falsch wie das, was seit den letzten Jahren im Bereich der Geburtshilfe generell passiert. Geschlossene Stationen, Geburtshäuser und Hebammen, die ihren Beruf aufgeben. Frauen, die stundenlang bis zur nächsten Betreuung fahren müssen oder im Kreissaal wieder weggeschickt werden. Frauen, die so schlimme Geburten erleben, dass sie kein weiteres Kind bekommen können.

Ich habe nicht geboren

Ich verstand erst im Laufe der nachfolgenden Wochen, was da eigentlich passiert war. Im Rückbildungskurs erzählte die Hebamme von den Folgen einer Geburt für den Körper und warum es so wichtig war, ihn bei der Rückbildung zu unterstützen. Ich saß da und weinte. Ich hatte doch gar nicht geboren. Man hatte mich aufgeschnitten, innen wie außen, fertig. Ich wusste nichts von Presswehen, nichts von dem Moment, wenn das Köpfchen austritt und man sein eigenes Kind in Empfang nehmen kann.

Die folgenden Monate veränderte ich mich auch äußerlich so sehr, dass ich mich irgendwann nicht mehr im Spiegel anschaute. Ich nahm drei, fast vier Kleidergrößen zu, ertrug weder meinen Körper noch meine Narbe. Ich kämpfte außerdem noch mit einer Still-Depression (die ich auch bei meinen Mädels hatte, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr). Manchmal hatte ich große Schwierigkeiten, mit meiner neuen Aufgabe und meinen Gefühlen überhaupt richtig klar zu kommen. Ich war nicht selten zerrissen zwischen Herzschmerz vor Liebe und dem beinahe übermächtigen Drang, einfach wegzulaufen, zu hoffen, dass ich aufwachte und eigentlich alles ganz anders als mein tatsächliches Leben war.

Gewalt in der Geburtshilfe und ihre Auswirkungen

Das, was mit mir während der Geburt passiert war, hatte auch Einfluss darauf, wie ich auf körperliche Annäherungsversuche meines Mannes reagierte. Ich hatte Angst. Angst vor Sex, Angst vor Schmerzen, davor, mich irgendwie ergeben zu müssen, dass mein Wille nicht zählte. Nichts davon war rational oder vorher oder generell Teil unserer Beziehung. Aber auf einmal war es Thema. Wie stark mein Mann damals sein musste, ist mir erst über die Jahre klar geworden. Viele sagen ja immer, dass Männer während einer Geburt nichts aushalten müssen. Aber das stimmt nicht, jedenfalls nicht pauschal. Jemanden, den Du liebst, so leiden zu sehen, macht etwas mit dir. Mein Mann hat mir mal erzählt, dass er sich hinterher oft große Vorwürfe gemacht hat, nicht stärker, lauter, selbstbewusster gewesen zu sein. Dass er mich nicht verteidigen, nicht für mich da sein konnte, wie er es wollte. Und zuzusehen, wie sich der Partner äußerlich verändert, so sehr, dass er ein scheinbar anderer Mensch wird, sich vor sich selbst ekelt. Das ist kein Zuckerschlecken.

Und wie ist es jetzt?

Heute habe ich alles in allem einen großen inneren Frieden damit. Ich habe kein Patentrezept, keinen Plan, den irgendjemand anderes anwenden könnte. Bei mir war es eine Mischung aus starkem Willen und der Gabe zur Selbstreflexion, meinem Glauben an Gott und der inneren Heilung durch ihn, einem geduldigen Partner, vielen Gesprächen und den wunderschönen, selbst bestimmten Hausgeburten meiner Töchter. Und Zeit! Zeit, innerlich und äußerlich zu heilen und zu mir selber zu finden. Es ist ja immer so, dass einen schlimme Erfahrungen entweder zerstören oder stärker machen. Einfach ausgedrückt. Bei mir haben sie erst etwas zerstört, aber mich dann vor allem stärker gemacht. Und ich weiß, dass sie mich auch zu der Mutter gemacht haben, die ich heute bin. Eine, die Ruhe und Nerven bewahrt, die ihrer Intuition traut und weiß, dass es ihren Kindern gut geht. Mir würde so etwas nicht mehr passieren, das weiß ich jetzt. Aber anderen Frauen passiert es.

So ein persönlicher Text ist ja immer auch eine Herausforderung für den, der ihn schreibt. Mich begleitet eine Mischung aus Aufregung und Unsicherheit, während ich auf Veröffentlichen klicke. Natürlich wünsche ich mir wie immer den Austausch mit Euch und habe die Hoffnung, den ein oder anderen ermutigen zu können. Ein Kind zu gebären ist für mich nach wie vor das größte Wunder, zu dem wir fähig sind.

Eure Carolin

P.S.: Die Frau auf den Bildern bin übrigens nicht ich, sondern eine wunderschöne Bekannte, die ich während einer Vorsorgeuntersuchung durch meine Schwiegermutter mit der Kamera begleiten durfte. Dabei sind u.a. diese Fotos entstanden.

Das passt dazu...

39 Comments

  • Reply
    Elke Lubitz
    5. Dezember 2017 at 20:32

    Liebe Carolin,ich habe gerade deinen Text gelesen und fühle mich sehr berührt davon.Es ist selten,dass Frauen darüber sprechen wenn Dinge bei einer Geburt schief laufen.ich habe selbst drei Töchter und keine schlimmen Erfahrungen gemacht.Aber ich war schon immer überzeugt,dass Krankenhäuser bei der Geburt oft ihre eigenen Zwischenfälle produzieren.Zuviel Medizin und zu wenig Geduld.Meine erste Tochter ist im Krankenhaus geboren.Die zweite ambulant,da ich keine Lust hatte noch länger als nötig dazubleiben.Meine dritte Tochter war eine Hausgeburt,sogar drei Wochen zu frühDas ist jetzt schon ungefähr 30 Jahre her und ich kann mich immer noch gut an alle Einzelheiten erinnern.Wieviel schwieriger ist es dann für dich .Ich habe gerade das Gefühl dich in den Arm nehmen zu wollen.Fühle dich einfach ganz lieb umarmt.Gott segne dich

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 8:46

      Liebe Elke, vielen Dank für Deine Worte! Ich gebe zu, ich bin Krankenhäusern gegenüber auch grundsätzlich skeptisch, wenn es ums Gebären geht. Aber natürlich weiß ich auch, dass es dort genauso engagierte und liebevolle Hebammen wie Ärzte gibt, die sich gut um die Frauen kümmern. Aber es sind und bleiben eben Krankenhäuser… Und die politische Situation macht das Ganze natürlich nicht besser. Wenn eine Hebamme fünf Geburten gleichzeitig betreuen soll, wie kann sie dann genügend Aufmerksamkeit haben? Das geht gar nicht!

  • Reply
    Ani Lorak
    5. Dezember 2017 at 20:44

    Hm – ich kann es teils nachvollziehen und den Schrecken und Ihr ward recht jung. Ich hatte auch einen Notkaiserschnitt, meine Werte (Niere, Bluthochdruck) waren nicht gut. Ich hatte einen wunderbaren Frauenarzt und eine Klinik, in der nicht so mit mir umgegangen wurde. Traumatisiert war ich auch, aber mehr darüber, dass die ersten 30 Wochen super liefen – naja bis auf den Bandscheibenvorfall, aber dann die Schwangerschaftsdiabetes, der Bluthochdruck und zuletzt dann die Nierenwerte (Präeklampsie) und es war schrecklich, unser Sohn musste leider in die Kinderklinik (35 +3) und er hatte Anpassungsstörungen. Das war schrecklich, dann entzündete sich meine Narbe… Ich war bis heute vor 13 Jahren in der Klinik, geboren wurde er am 23.11.17. Für mich war der Kaiserschnitt nicht schlimm, eine Hausgeburt kam nicht in Frage. Schlimm war, dass meine Probleme richtig Fahrt aufnahmen nach dem Kaiserschnitt: Blutdruck von über 200 ist nicht lustig. Milch hatte ich ohne Ende – Hunger keinen, aber was ich damals nicht wußte, Magenesium zusätzlich intravenös, um den Blutdruck zu senken, senkt auch den Appettit. Schön, dass die 2 anderen Geburten von Dir anders erlebt wurden. Ich war nahc 2 Fehlgeburten, einer Schwangerschaft, die mit Wehen in der 15. Woche zum Glück ohne Bluthochdruck, Diabetes, Präeklampsie verlief. Aber ich lag immer mal wieder kurz im Krankenhaus und dann daheim bis zum Ende der 38. Woche – 23 Wochen lang! Heute für mich unvollstellbar. Dann übertrug ich und sie kam 2 Tage nach dem errechneten Termin natürlich – Zangengeburt – zur Welt. Ich bin so dankbar für den Gynäkologen, der mich begleitet hat, danach ging er in Pension. Er war ruhig und zuversichtlich, aber auch vorsichtig und hat mir alles erklärt. Meine Angst war wieder einen Notkaiserschnitt zu erleben, ich wollte keinen geplanten Kaiserschnitt, wenn nicht notwendig. Meine Angst war, dass es Wochenende mitten in der Nacht ist. Irgendwie wußte ich auch, dass ich übertragen werde und dass es Sonntag wird. Es war so. Die Fruchtblase platzte Samstagnachmittag. Wir wartetetn auf meinen Vater und fuhren gegen 18 Uhr in das Krankenhaus. Ich war immer an den Wochenenden täglich zum CTG dort, sonst beim Gynäkologen über Monate. Ich kannte alle Hebammen bis auf die, die dann Dienst hatte… Sie war zuversichtlich, aber das Kind rutschte mit den Wehen immer wieder zurück. Was für ein Glück, das mit dem Dienstwechsel eine erfahrene Hebamme kam, die dann den Oberarzt holte und ich hatte Angst, Angst davor, dass es jetzt doch ein Kaiserschnitt wird. Die PDA hatte ich schon, die hatte ich erbeten, da ich keine Schmerzen wollte. Tja – PDA bei normaler Geburt knockt nicht die Schmerz vollständig aus, darf es nicht, da Du sonst die Wehen nicht spürst und nicht mitmachen kannst. Schmerzfrei nur beim Kaiserschnitt, aber leider dann die längere Genesung. Es wurde dann die Zange und auch da wollte ich die örtliche Betäubung. Schlimm war, dass unsere Tochter einen Schlüsselbeinbruch hatte. Zu dem Zeitpunkt wußten wir es nicht, es wird nicht geröngt, zu hohe Belastung und nach 1 Woche ist ein Ersatzknochen gewachsen und man weiß es. Wenn ein Nervenschaden vorliegt, kann man leider heute nichts tun und das war eine lange Zeit. Jetzt ist sie 8,5 Jahre und mein Muttertagsgeschenk. Sie wurde sonntags geboren und es war Muttertag. Ich hatte am Nachmittag noch einen Kuchen gebacken und den aßen wir dann (die Familie kam einfach) im Krankenhaus…. Ende gut, alles gut. Auf das Gefühl sollte man vertrauen, auf sein eigenes, sich nicht verunsichern lassen. Für mich wäre eine Hausgeburt nichts, aber es ist gut, die Wahl zu haben. Ohne medizinische Versorgung hätte ich die 1. Geburt nicht überlebt wahrscheinlich nicht mal erlebt sonder wäre einem Nierenversagen erlegen, und mein Sohn auch nicht. Emotionales Thema. Was hat es mich wütend gemacht, die rauchenden Mütter vor dem Krankenhaus zu sehen und ich hatte alles „richtig“ gemacht und dann das. Es war auch für mich eine große Umstellung, läßt mich auch jetzt emotional werden, wo ich den Sonntag heute am 5.12.04, vor Augen habe und erneut erlebe. Ich mag Deine Geschichte, deshalb lese ich Deinen Blog, Du teilst. Ich konnte mir nicht so recht vorstellen, Kinder zu haben – aber ich konnte mir nicht vorstellen, im Alter keine zu haben, folglich. 3 Kinder habe ich mir gewünscht, gegen das 3. habe ich mich dann (glücklich zu sein, gesunde Kinder und Sohn und Tochter zu haben) bewußt entschieden, meine Angst, dass es schiefgeht und die Verantwortung für meine beiden war mir zu groß. Die Nerven eine 3. Schwangerschaft durchzustehen habe ich nicht gehabt. Unser Sohn ist 4,5 Jahre jünger und für ihn hatte ich Rücken und er hat die Verbindung nie hergestellt, meine Angst war, dass er sonst seine Schwester nicht mag. Sie haben ein wunderbares Verhältnis und ich bin dankbar, wirklich dankbar und demütig. So – jetzt muss ich die Nikolausstiefel packen und die Tränen zurückhalten. Irgendwann erzähle ich es den Kindern, aber noch zu früh.

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 8:50

      Puh, Ani, was für eine dramatische Geburtsgeschichte! Vielen Dank fürs Teilen Deiner Erfahrung, Du hast ja wirklich viel mitmachen müssen! Ich kann absolut verstehen, wie dankbar Du dafür bist, dass Du und Dein Kind gerettet werden konntet. Und es ist gut, dass eben auch solche Geschichten erzählt werden, die, bei denen die Frauen trotz widriger Umstände wunderbar unterstützt wurden. Hinzu kommt natürlich, dass jeder anders gestrickt ist. Und ja, wir waren jung (und sahen beide noch wesentlich jünger aus), leider wurde uns da oft mit wenig Respekt begegnet.
      Ich wünsch Dir wirklich alles Gute und Liebe, danke, dass Du so eine treue Leserin bist!

  • Reply
    Julia
    5. Dezember 2017 at 22:04

    Hallo Carolin,
    Danke, dass du so offen über dieses Thema schreibst. Ich habe geweint.
    Auch ich hatte bei der ersten Geburt mit Gewalt in der Geburtshilfe zu tun. Ich hatte zwar keinen Notkaiserschnitt, dafür fast eine Sturzgeburt, aber ich hatte eine fürchterliche Ärztin und eine junge, zu ängstliche Hebamme. Glücklicherweise dürfte ich mein Kind selber gebären, aber danach würde ich gegen meinen Willen zugenäht wie ein afrikanisches Buschmädchen. Ebenfalls gegen meinen ausdrücklichen Willen bekam ich ein Wehenmittel, dass meine Gebärmutter schneller zurück ging und wurde trotz ambulanter Geburt da behalten.
    Auch die Gefühle, die dann die Beziehung belasten kenne ich. Erst anderthalb Jahre später konnte ich mich überwinden, mich von meinem Frauenarzt wieder aufschneiden zu lassen. Auch das war keine schöne Erfahrung.
    Da habe ich das letzte vertrauen in Ärzte verloren.
    In der zweiten Schwangerschaft hatte ich nur Hebammenvorsorge und eine wunderschöne Hausgeburt. Bei einem Arzt war ich seither nicht mehr (außer beim Zahnarzt).

    Ja, erst die Erfahrung der ersten Geburt und ihrer Folgen hat mich zur selbstbestimmten Hausgeburt gebracht und das war meine schönste Erfahrung. Aber die Folgen in der Beziehung, die sind noch vorhanden und mein Sohn tut mir jedes Mal unendlich leid, wenn ich ihm nicht erzählen kann, dass ich während seiner Geburt zu Hause in der Badewanne „Die fabelhafte Welt der Amelié“ angeschaut hab, während ich die Wehen veratmet habe.

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 8:55

      Liebe Julia, es tut mir wirklich leid, was für schreckliche Erfahrungen Du machen musstest und ich hoffe von ganzem Herzen, dass auch noch die letzten tiefen Wunden in Deinem Herzen irgendwann ganz heilen können! Ich glaube, die Ängste hat man vor allem selbst, für Deinen Sohn ist es nicht wichtig, wo er geboren wurde. Jona weiß auch, dass es bei ihm anders war als bei seinen Schwestern (bei der Jüngsten hat er ja sogar als Dreijähriger die Nabelschnur getrennt, sie gewogen und gemessen), aber bis auf direkte Folgen des Kaiserschnittes für ihn (mit dem Kopf irgendwo dagegen stoßen und Begrenzung suchen) habe ich da für ihn nie einen Unterschied festgestellt. Aber ich habe immer versucht, die positiven Momente zu erzählen. Beispielsweise, als wir endlich entlassen wurden und wir ihm das Kleinste an Kleidung angezogen haben, was wir da hatten (GR. 50) und es ihm trotzdem viel zu riesig war. Und wir beide deswegen so lachen mussten und er hat dabei einfach geschlafen. Solche Dinge.
      Ich wünsch Dir alles Liebe und eine wunderbare Adventszeit!

  • Reply
    Fee ist mein Name
    5. Dezember 2017 at 22:15

    Ich habe zwar keine Kinder, aber ich finde es nur richtig und wichtig über solche Themen zu sprechen. Es ist wie mit allem: wenn keiner darüber spricht, kann sich nichts ändern. Und mach dir keine Sorgen wegen deiner Leser! Ich glaube, die meisten wissen so viel Offenheit zu schätzen. Ich kenne ehrlich gesagt viele solcher Geschichten (meine Freunde scheinen da sehr offenherzig zu sein), aber das würde mich trotzdem nie davon abhalten, über eine Schwangerschaft nachzudenken. Also kannst du es nur richtig machen, indem du darüber sprichst. Andere Menschen fühlen sich dann nicht so allein ❤️!

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 8:57

      Liebe Fee, Deine Kommentare sind mir echt immer sehr wertvoll, danke dafür! Ich finde es toll, dass Du so offene Freunde hast, ich glaube, das ist wirklich wichtig, gerade auch für Frauen, die (noch) keine eigenen Kinder haben. So hat man einfach mehr Verständnis untereinander! Ich wünsch Dir und Deinem Freund eine ganz wunderbare Adventszeit! <3

  • Reply
    Nicole
    6. Dezember 2017 at 7:43

    Liebe Carolin, danke für deine Offenheit und deine sehr persönlichen und emotionales Worte!!!
    Ich möchte es gern aus einer anderen Sicht kommentieren… Nein Großer war auch ein Notkaiserschnitt (mit Vollnarkose). Ich hatte jedoch das Glück, sehr liebe und verständnisvoll Ärzte, Schwestern und Hebammen im Krankenhaus zu haben. Da nach Blasensprung und ohne eigene Wehen die Herztöne unter dem Wehentropf immer schlechter wurden, war der Kaiserschnitt wohl unumgänglich. Als ich mein Baby das erste Mal im Arm hatte (Gott sei Dank ging es mir viel besser als dir), habe ich geweint vor Glück und war dankbar, dass es uns beiden gut geht. Danach hatte ich oft das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt, weil ich nicht darunter gelitten habe – wie so viele andere. Dann kamen Zwillinge und es gab viele Risiken für eine normale Geburt. Diesmal Kaiserschnitt mit PDA. Bei der 3. Geburt hatte ich dann keine andere Wahl. Ich habe 4 Kinder bei 3 Geburten mit Kaiserschnitt bekommen… und kann nicht mitreden, wie eine normale Geburt ist… was ich in Gesprächen mit anderen Müttern manchmal gespürt habe…natürlich weiß ich trotzdem, wie sich Wehen anfühlen und Schmerzen…
    Alles habe ich gut überstanden. Ich bin froh und dankbar, dass meine Kinder gesund sind und ich jedes Mal sehr liebevoll im Krankenhaus umsorgt wurde.
    Alkes Liebe für dich! Und eine schöne Adventszeit mit deiner Familie!

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 9:00

      Liebe Nicole, ich finde es toll, dass Du hier eine Sichtweise der Geschichte lässt, die von einem ganz anderen Standpunkt kommt! Ich habe neulich eine Freundin mit ihrem ersten Kind besucht, die hatte ebenfalls einen Notkaiserschnitt. Ich fragte sie, wie es ihr ginge und sie erzählte mir auch, dass alles okay sei. Sie wusste um die Gefahren einer Depression (das ist ja nun leider nicht selten nach Kaiserschnitten) und war deswegen besonders aufmerksam. Und ich habe mich sehr gefreut, das zu hören. Meine Schwiegermutter, die ich im Text erwähnte, hat alle ihre vier Kinder per Kaiserschnitt bekommen. Und ist selbst Hausgeburtshebamme. Das Leben geht eben, wie es geht. Und ich finde es wichtig, die guten wie die weniger guten Seiten zu teilen.
      Für Euch auch eine wunderbare Adventszeit!

  • Reply
    Ilse Kuhl
    6. Dezember 2017 at 8:19

    Liebe Carolin,
    Mein ältester Sohn wird am 1.1.18 schon 40 Jahre jung und ich sitze hier, lese deine wunderschön geschriebenen Zeilen und heule und heule. Mir fehlen die Worte um das nieder zu schreiben, was ich gerade empfinde.
    Erinnerungen? Diese Machtlosigkeit? Unwissen? Angst? Aber auch eine wahnsinnige Anerkennung an alle Mütter, egal ob sie auf natürliche oder chirurgischen Weise entbunden haben……
    Ich wünsche dir weiterhin das glückliche Händchen um solche Texte zu schreiben. In diesem Sinne eine wunderschöne Vorweihnachtszeit ….. Ilse

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 9:00

      Oh, wow, Ilse, vielen Dank für Deine Worte und Deinen Kommentar. Es berührt mich sehr, dass selbst nach so einer langen Zeit manche Erfahrungen noch so greifbar sind. Ich wünsch Dir eine wunderschöne und vor allem friedvolle Adventszeit!

  • Reply
    Nicole
    6. Dezember 2017 at 8:20

    Vielen Dank für deine Offenheit. Es ist so wichtig, über solche Erfahrungen zu reden, um sie verarbeiten zu können. Obwohl ich zwei wunderbare Hausgeburten hatte, kann ich deine Gefühle gut nachempfinden und dein Text hat mich sehr berührt. Gerade in dieser Zeit ist man doch besonders verletzlich.

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 9:01

      Ja, da hast Du wohl Recht, Nicole, das ist so. Da liegen die Gefühle noch weiter oben als sonst. Ich hatte auch zwei ganz wundervolle Hausgeburten und bin am Ende dankbar für alles, vor allem für meine drei wahnsinnig tollen, wunderbaren Kinder. Ich wünsch Dir eine wunderbare Adventszeit!

  • Reply
    Daniela
    6. Dezember 2017 at 9:31

    Vielen Dank für Deine offenen Worte und den wiederholten Mut, Dinge anzuprechen, die außerhalb des üblichen Geplänkels liegen. Auch ich habe Tränen in den Augen. Ich hatte keine so traumatischen Geburten wie Du und ich möchte Dir mein großes Mitgefühl ausdrücken. Es ist darüber hinaus Dein gutes Recht, laut auszusprechen, was so schmerzt. Das ist nicht undankbar. Das bist Du, mit Freuden und Leiden.
    Wenn ich überhaupt von „Gewalt“ in der Geburtshilfe sprechen kann, dann weil man mir nicht zugestanden hat, meine Schwangerschaften auszutragen. Nach jeweils 14 und 7 Tagen über Termin wurde ich gedrängt, die Geburten einzuleiten. Und das gegen meine Intuition, dass alles in Ordnung ist, ich musste ja schließlich ab Termin jeden Tag zur Untersuchung ins 40 Minuten entfernte Krankenhaus. Für meine Gemütsruhe, für mein tiefes Vertrauen, dass es meinem Kind gut geht und es einfach noch ein bißchen Zeit braucht, erntete ich im Krankenhaus nur Kritik. Insgesamt hat die willentlich herbei geführte Geburtseinleitung die Geburtsarbeit sicher nicht erleichtert. Während die Hebammen kompetent und schlimmstenfalls „hart aber herzlich“ waren, waren mindestens zwei der Ärzte, an die ich mich erinnern kann, unsensibel. Die Ärztin, die meinen Dammriss nähen musste, riss zu diesem Thema so einige sehr unangebrachte Witze.
    Ich habe ambulant entbunden und bin dann sobald wie möglich nach Hause gefahren. Die Tage und Wochen nach den Geburten, die Ruhe und wie die Zeit für eine Weile stillzustehen scheint… das werde ich nie vergessen.

    Heute wird mein kleines Nikolausmädchen 8. Hätten wir nicht eingeleitet, wäre uns dieses besondere zumindest Datum entgangen 🙂 Mit diesem Gedanken… schließe ich meinen Frieden mit der Geburtshilfe.

    • Reply
      Carolin Schubert
      6. Dezember 2017 at 9:34

      Liebe Daniela, danke für Deine WOrte und Deinen Text, der mich mit einer Gänsehaut zurück lässt. Unangebrachte Witze, ja, die kenne ich auch. Genauso wie dieses Absprechen, das alles in Ordnung ist! Ich freu mich aber sehr, dass Ihr heute Geburtstag feiern könnt und wünsche Euch einen wunderbaren Tag zusammen!

      • Reply
        Daniela
        6. Dezember 2017 at 9:52

        Ich glaube, Du bringst heute reihenweise die Frauen zum Weinen. Geburt ist so ein emotionales, persönliches Thema und wie ich gerade an mir merke, immer wieder abrufbar. Kein Wunder also, dass eine solche Narbe bei Dir nur schlecht verheilt. Und gut zugleich, dass Du Deine Familie und Deinen Glauben hast, Dich zu tragen. Ich wünsche auch Euch einen wundervollen Nikolaustag.

  • Reply
    Yvonne
    6. Dezember 2017 at 9:40

    Ich bin selber Hebamme, hatte drei wunderschöne Geburten und hadere so mit unserem wunderschönen Beruf. Auch wir Hebammen sind traumatisiert, entmündigt, ja ich würde sogar von einer modernen Hexenverbrennung sprechen. Ich habe so geheult, als ich deinen Text gelesen habe. Unglaublich, unwürdig uns so wahr sind solche Erlebnisse. Ich bin es leid, wie viele meiner Kolleginnen gegen Windmühlen zu kämpfen, ich mag nicht mehr Ärzte, Schwestern und neuerdings auch viele Frauen von einer selbstbestimmten natürlichen Geburt überzeugen. Tragt eure Erfahrungen in die Welt hinaus, so schwer es auch ist und schmerzt. Nur so kann man aufwecken und wachrütteln, wir Hebammen werden schon lange nicht mehr gehört. Die Politik ignoriert, die Presse findet es nicht wichtig. Ihre mutigen Frauen könnt helfen, unsere Geburtshilfe wieder zu einer zu machen. Ich schäme mich für Kolleginnen, diese die Würde der Frauen nicht achten. Die Macht ausüben und Frauen nicht auf ihrem Weg unterstützen. Hebamme war mein Traumberuf, meine Berufung….war.

    Danke für deinen Bericht. Ich umarme dich. Alles Gute

  • Reply
    Andrea
    6. Dezember 2017 at 10:14

    Liebe Carolin,
    mir kamen die Tränen als ich deinen Text las. Ich selbst hatte einen Kaiserschnitt, den ich nicht wollte, es aber laut Ärzte nicht anders ging. Die Tatsache nicht normal zu gebären hat mich nach der Geburt zerfressen. Meine Hebamme hat mir Rescuetropfen und eine Therapie empfohlen.
    Nach dem Kaiserschnitt lag ich da, alleine mit meinem Kind. Mein Mann hatte keinen Urlaub. Ich habe oft und viel geweint. Ich wollte nach Hause, raus aus dem Krankenhaus.

    Bei mir war die Geburt an sich nicht so schlimm, wie bei deiner ersten Geburt mit deinem Sohn.
    Ich hatte Wehen, sogar Presswehen. Als die Wehen dann tatsächlich zu Presswehen übergingen war ich euphorisch, denn ich wusste bald meine Tochter in den Armen halten zu dürfen. Mein Wunsch war es eine Wassergeburt durchzuführen. Ich liebe das Element Wasser und fühle mich einfach wohl darin. Die Diensthabende Hebamme hat es mir aber nicht gewährt. Sie meinte, da man nicht erkennen könnte, wie groß und schwer das Baby sei, wäre es ihr zu riskant. Ich habe es hingenommen und ging in den Kreisssaal. Nach einer Stunde pressen und keinem Erfolg wurde ich sauer. Es ging nicht voran und ich fühlte mich nutzlos. Zudem holte die Hebamme einen Assistenzarzt. Okay dachte ich, wird wohl normal sein, kannte mich ja nicht aus. Die Hebamme hat dann die Oberärztin angerufen. Es ging nicht weiter. Ich fragte was los sei. Sie „wir müssen auf die Oberärztin warten“. Herztöne usw war alles normal. Selbst unter den Presswehen war meine Tochter die Ruhe selbst. Ich fragte warum wir warten müssten. Keine Antwort. Somit wurde ich einfach „abgestellt“ und musste warten. Meinem Mann wurde auch nichts gesagt. Irgendwann kam die Ärztin und hat mich untersucht. Aussage „Kaiserschnitt“. Ich dachte ich wäre im falschen Film. Ohne Vorwarnung, Anzeichen oder so. Kaiserschnitt! Direkt danach kam ein anderer Arzt mit ein paar Zetteln die ich unterschrieben sollte. Unterschrift nicht lesbar, da ich ja in kurzen Abständen Wehen hatte.
    Ohne das ich Fragen stellen konnte oder mich mit dem Gedanken „Kaiserschnitt“ anfreuen könnte, als ob man das kann?!, ging es für mich in den OP. Dort wartet bereits ein großes Aufgebot. Der Narkosearzt hatte über eine halbe Stunde versucht mit die Betäubung zu setzen. Fragte andauernd ob es mir gut geht. Ich wurde sauer. Wusste nicht so recht was mit mir geschieht. Habe ihn angeschrien wie es mir denn gehen sollte wenn ich das Gefühl habe auf dem Kopf meines Kindes zu sitzen und ich verdammte Presswehen hätte.
    Ich wurde noch einmal losgebunden und die Hebamme kam. Sie hat mich beruhigt und mir Sicherheit gegeben. Sie hat mir Mut zugesprochen. Genau das brauchte ich auch. Ich brauchte Sicherheit, schließlich wusste ich nicht, was passiert oder passieren würde.
    Nachdem die Betäubung saß durfte mein Mann wieder zu mir. Der Kaiserschnitt verlief gut. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir meine Tochter gezeigt wurde. Die Schwester, die während der OP meinen Kopf hielt und gestreichelt hat, hat mir gesagt, es sei alles gut.
    Nach einigen Minuten bekam ich meine Tochter auf die Brust. Gebondet in einem Tuch. Seitdem lag sie gefühlt die ganzen 5 Tage auf meiner Brust. Das Bonding hat mir geholfen die Nähe zu spüren.
    Das es ein Kaiserschnitt wurde, war mir dann erst einen Tag später wirklich bewusst geworden. Schmerzen hielten sich in den Grenzen, aber es hat mich zerfressen, nicht die erste Windel zu wechseln und und und. So viele Kleinigkeiten die ich als Mama gerne als erstes gemacht hätte.
    Ich fühlte mich unfähig, unfähig ein Kind auf die Welt zu bringen. Natürlich bin ich froh, dass ich eine gesunde Tochter bekommen habe, aber ein so ein Kaiserschnitt reißt eine Wunde auf die man vorher nicht kannte.

    Bei meiner Entlassung wurde mir mitgeteilt, dass ich NIE ein Kind normal auf die Welt bringen könnte. Die Gefahr das ich bei einer weiteren Geburt verbluten würde, wäre zu groß. Bäm. Das saß. Mit so einer tollen Aussage verlässt man doch gerne das Krankenhaus.

    Auch wenn der Gedanke tief sitzt und ich Angst vor eine zweiten Schwangerschaft habe, wünschen wir uns, jetzt nach 2 1/2 Jahren ein weiteres Kind. Ich hoffe irgendwann mit dem Thema komplett abschließen zu können.
    Ehrlich gesagt, macht mir der Gedanken ein Plan-Kaiserschnitt zu bekommen noch mehr Angst als so, wie es jetzt gelaufen ist.
    Wir werden es sehen, Zeit heilt alle Wunden, oder nicht?
    Bei mir war es in dem Sinne nicht „Gewalt in der Geburtshilfe“ dennoch war für mich die Geburt ein einschneidendes Erlebnis – so wie es gelaufen ist.

    Liebste Grüße, Andrea

  • Reply
    Yvonne
    6. Dezember 2017 at 10:27

    Liebe Carolin,
    das ist so eine berührender Bericht. Ich sitze hier und mir laufen Tränen die Wangen herunter. Pure Dankbarkeit erfüllt mich und ich bin froh meine drei Söhne „normal“ auf die Welt gebracht zu haben. Aber der Ton der resoluten Hebamme bei der ersten Geburt sowie auch die Worte des Oberarztes, der meinen Dammriss damals nähen musste, sind mir auch noch heute nach 18 Jahren sehr gut in Erinnerung! Mit Deinem Blogpost leistest Du einen sehr guten Beitrag dazu, die Mißstände in den Krankenhäusern aufzudecken. Erst vor einigen Wochen wurde ich Zeuge der barschen Worte einer Krankenschwester, die die 4 (!) malige Mutter in Bezug auf das Stillen belehren wollte.

  • Reply
    Rebecca
    6. Dezember 2017 at 14:06

    Liebe Carolin,

    Jede deiner Zeilen hat mich berührt. Das Gefühl welches mich überkam als ich las, was du im Kreißsaal und schon davor erlebt hast hat mich sehr traurig gemacht.
    Warum? Ich habe es ähnlich erleben müssen.

    Während meiner Schwangerschaft (bisher die einzige und wahrscheinlich auch die letzte) hatte ich eine Hebamme die für mich nie erreichbar war. Oder sie meldete sich Tage später. Eine Alternative außer gar keine Hebamme hatte ich nicht.
    Während der Schwangerschaft allein gelassen, wurde ich von meinem Gynäkologen ins Krankenhaus eingewiesen weil ich nicht mehr genügend Fruchtwasserreserven hatte um weiter „ab zu warten“.
    Mit der Kliniktasche im Kreißsaal prüfte man die Aussage meines Gynäkologen erneut, ob ich überhaupt eingewiesen werden müsste. Man kam zum gleichen Ergebnis und erklärte mir dann welche Mittel zur Weheneinleitung zur Wahl standen. Entweder eine Salbe die auf und um den Muttermund geschmiert wird oder Tabletten die ich dann erst alle vier und dann alle zwei Stunden einnehmen sollte.
    Man riet mir von der Salbe ab, da die Wehen sofort und heftig einsetzen könnten. Ich habe darauf vertraut und die Tabletten gewählt.
    Ich wollte unbedingt ganz unbedingt eine Spontangeburt.

    Die „Einleitung“ der Wehen hat ganze 4 Tage gedauert, durchzogen von unerholten Nächten, denn auch Nachts musste ich vom Bett in den Kreißsaal meine Tabletten abholen, und es tat sich einfach nichts.
    An Tag 5 hatte man mir dann etwas zur „Beruhigung“ gegeben weil ich das reinste übermüdete und Unterzuckerte Nervenvündel war.
    Dann hatte man mich aufs Bett gesetzt und mir gesagt wir ich mich positionieren sollte um die PDA gesetzt zu bekommen. Ich hatte bis hier hin immer noch keine Wehen und wollte noch warten…

    Man ließ mich nicht, sondern meckerte mit mir ich solle bitte die vorher geübte Position für meine PDA einnehmen. Es gelang mir nicht.
    Man setze die Spritze und es wurde rückabwarts erst eiskalt und dann brennend heiß. Danach glaubte ich nichts mehr zu spüren.
    Und dann setzen die Wehen ein. Ich konnte sie nur rexchtsseitig fühlen, die linke Seite war völlig taub…
    Ich konnte den Schmerz nicht einordnen und er raubte mir buchstäblich den Atmen. Dann setzte die Panik ein.
    Weinen, nicht atmen können und ich konnte nicht sprechen und sagen was ich denn fühlte. Mein Mann stand hilflos daneben und versuchte mich zu verstehen und dem Anesthesisten mit zu teilen was ich denn wollte – und wurde von diesem Mundtot gemacht.
    Wenn ich was wollte könnte ich es selbst mitteilen.

    Wie aus dem Nichts tauchte „meine Hebamme“ auf, half meinem Mann beim Einkleiden für den OP, während ich dort am Tisch festgeschnallt wurde und man mich für den Kaiserschnitt vorbereitete.

    Nach knapp einer Stunde war es dann endlich alles vorbei. Ich habe soviel geweint und war so erleichtert meine kleine Prinzessin endlich zu sehen. Aber ich konnte mein Kind nicht in den Arm nehmen.
    Ich war immer noch festgeschnallt…

    Die Hebamme nahm mein Kind und forderte meinen Mann auf ihr zu folgen. Ich wurde „zu gemacht“ und bin dann wieder in den Kreißsaal gebracht worden wo mein Mann unser Kind anzog.

    Dann hatte man Sie mir angelegt und uns allein gelassen.

    Ich habe dieses Glücksgefühl welches von vielen frischentbundenen Müttern immer erzählt wird nicht empfunden.

    Nach der Geburt hat man uns weitere vier Tage dort behalten weil meine Tochter zu warm war… (ich möchte hier anmerken – meine Püppi kam im Hochsommer zur Welt. Wir hatten Nachts noch Tperaturen von knapp 23 Grad und sie haben mein Kind in Body, Shirt Strumpfhose und Strampler gepackt und sie zu gedeckt…)
    Ich habe geweint und wurde aggressiv. Das Anlegen funktionierte nicht, die Schmerzen in der Brust ließen nicht nach und ich wollte nichts sehnlicher als nach Hause.

    Meine Ruhe haben. Schlafen. Und alles vergessen…

    18 Monate später bin ich zur Therapie gegangen. In diese Zeit hatte mein Kind keine schöne Kindheit. Ich war einfach mit alle überfordert.

    Heute (zwei Jahre nach Abschluss meiner Therapie) tut es mir unendlich leid, was das alles mit mir und meinem Kind gemacht hat.
    Und doch bin ich glücklich und stolz so eine kleine tolle Prinzessin zur Tochter zu haben.

    Ich denke nicht, dass Ich noch mal ein Kind bekommen werde, auch wenn ich es mir wünsche… Weil ich Angst davor habe…

    Ich danke dir liebe Carolin, dass du deine Erfahrung mit uns teilt und somit aufzeigst, dass wir nicht alleine sind. Es gibt mehr Frauen die diese Erfahrung Hambach haben als wir wahrscheinlich ahnen…

  • Reply
    Nika
    6. Dezember 2017 at 15:02

    Liebe Carolin,

    Ich bin (noch nicht) Mama, und doch musste ich deinen Text einfach lesen und mich von ihm berühren lassen. Vielen, vielen Dank, dass du deine Geschichte und Erlebnisse mit uns teilst. Ich kann nur ein wenig nachvollziehen, wie es dir ergangen sein muss. (Ich hatte eine geplante OP am Bein und fühlte mich ebenso hilflos, aufgeregt und allein gelassen als man mich einfach auf einen Gang schob und dann in Narkose legte).
    Es tut mir einfach so, so leid für dich und deinen Mann, dass ihr so eine schlimme Erfahrung (gerade beim ersten Kind) machen musstet. Und ich freue mich umso mehr für euch, dass es bei euren Töchtern ganz anders ablief.

    Liebe Grüße und alles Gute für euch weiterhin.
    Nika

  • Reply
    Antje
    6. Dezember 2017 at 17:20

    Liebe Carolin,
    Dein Text ging mit so nah! Unglaublich was du erleben musstest, ich drück Dich ganz fest. Mir fehlen einfach die Worte….

    LG Antje

  • Reply
    Katrin
    6. Dezember 2017 at 17:59

    Liebe Caroline,
    Da laufen mir die Tränen und es kommen Erinnerungen hoch : beim ersten Kind lief alles normal . Dann sind wir umgezogen und ich bekam ein 2. Kind. Stutzig bin ich schon geworden , als es kein Vorgespräch geben sollte. Sowas kannte man hier nicht…
    Meine Hebamme und Frauenärztin verstanden sich nicht besonders , so dass ich oft widersprüchliche Aussagen bekam. Mein Sohn musste dann per Kaiserschnitt geholt werden, weil er zu schwer war und auch einen großen Kopf hatte (39cm). Dafür bin ich heute noch dankbar und erlebte den Kaiserschnitt selber auch als gut. Aber danach : 2 Stunden auf ein Zimmer warten, die Schwestern waren genervt, wollten nur Unterschriften haben , das war alles. Mein Mann traute sich gar nicht , mal rauszugehen, da auch kein Klingelknopf vorhanden war.
    Mein Sohn wurde ohne Absprache mit uns einfach gebadet, ihm wurden einfach die Augentropfen gegeben.
    In der ersten Nacht hat er im Kinderzimmer alles zusammengeschrieen, aber als ich gefragt habe , ob er es war , wurde es verneint. Andere Mütter erzählten mir das dann.
    Man gab ihm einfach Glucoselösung , da er ja angeblich mehr bräuchte …
    Jetzt nach 15 Jahren überkommt mich wieder dieses Ohnmachtsgefühl und Wut.
    Ich kannte es von der ersten Geburt, das jeder Schritt mit mir abgesprochen worden ist. Aber ich war einfach zu schwach, um etwas zu sagen. Ich fühlte mich einfach nur fremdgesteuert…
    Die Wochen danach funktionierte ich einfach nur. Irgendwann gewann ich die Kontrolle wieder .
    Ich bedanke mich für deine ehrlichen Worte…
    Liebe Grüße Katrin

  • Reply
    Elisabeth
    6. Dezember 2017 at 18:52

    Liebe Carolin,
    ich finde es so berührend, schön und mutig wie offen du über dich, deine Erlebnisse und Gefühle schreibst… das berührt mich und das tut gut.. vielen dank dafür…
    liebste Grüße
    Elisabeth

  • Reply
    Ranelabel
    6. Dezember 2017 at 19:09

    Schluck…. mehr kann ich grad nicht sagen!
    Danke für diesen Einblick! Einige ähnliche Gedanken hatte ich auch!

  • Reply
    Buxsen
    6. Dezember 2017 at 19:20

    Ach, das ist eine schlimme Erfahrung. Einerseits denke ich, dass du eben tatsächlich auch noch ziemlich jung warst damals. Andererseits ist das vielleicht auch zu simpel gedacht. Ich habe meine ersten zwei Geburten nicht in sooooo schlimmer Erinnerung wie du, obwohl wir bei beiden am Ende froh waren, dass unsere Kinder überhaupt lebend und gesund zur Welt gekommen sind. Und das nach zwei völlig komplikationslosen Schwangerschaften. Die erste, ein Notkaiserschnitt nach einer 12 Stunden Wehenphase, in der man sich GAR nicht um uns gekümmert hat, die zweite eine überaus gewalttätige „natürliche“ Geburt mit Ärztin auf dem Bauch, einer Saugglocke und der Aussage, „er muss JETZT raus“. Da war es für einen Kaiserschnitt zu spät und seine Uhr tickte. Ihm ging es danach soweit gut, ich konnte 6 Wochen ohne Schmerzmittel weder sitzen noch stehen. Das dritte Kind wurde ein geplanter Kaiserschnitt, meine entspannteste Geburt. Auch mein drittes Kind ist am ausgeglichensten. Die beiden Großen zeigen schon Auffälligkeiten manchmal. Ich schiebe das auf die schweren Geburten. Keine Ahnung, ob darin die Ursache liegt. Ich hatte zum Glück keinerlei depressive Phasen in der Zeit, es war von Beginn an klar, dass ich nicht stillen kann. Der körperliche Kontakt von Kind zu Eltern wurde bei uns in der Klinik sehr gefördert. Ich wünsche dir, dass du deinen Frieden mit deinen Erlebnissen machen kannst. Und vielleicht ist dein Text hier ein guter Schritt dahin. Alles Liebe, Jenny

  • Reply
    Claudia
    6. Dezember 2017 at 20:39

    Liebe Carolin,
    dein Post hat mich sehr berührt und ich drücke dich herzlich! Es ist schön, dass du trotz allem Schmerz daran gewachsen bist. Bitte schreibe weiter so ehrliche und authentische Texte.
    Eine schöne Adventszeit Euch!
    Deine Claudia

  • Reply
    Corina Miehlich
    6. Dezember 2017 at 21:12

    Hallo liebe Caro, mich hat es auch sehr berührt, was du da geschrieben hast.
    Ich kann es total nachvollziehen, auch wenn ich eine tolle Hebamme und einen noch tolleren Gynäkologen hätte, die mich beide auch während der Schwangerschaft betreuten, habe ich ebenfalls wenig gute Erinnerungen an meine erste Geburt. Neun Tage vor Termin platzte um ca 19.00 Uhr meine Fruchtblase. Ca 20.30 Uhr waren wir dann im KH. Es lief super, der Muttermund öffnete sich pro Stunde um 1-2 cm ich hatte so gut wie keine Schmerzen. Eine PDA wollte ich nicht,davor hatte ich zu viel Angst. Als dann die Presswehen einsetzten begann jedoch der Horror. Da ich vorher nichts gespürt hatte, war das Schmerzempfinden sozusagen von null auf hundert. Mein Sohn blieb dann im Geburtskanal stecken, so das mein Frauenarzt halb auf mir lag um ihn heraus zu drücken. Schließlich bekam ich einen Dammschnitt, bei dem ein Gefäß erwischt wurde und ich sehr viel Blut verlor. Nach einer halben Stunde Presswehen war mein Sohn um halb fünf morgens endlich da. Mir ging es bescheiden. Ich musste mich durch den Druck auf den Magen übergeben, hatte außerdem eine Rippenprellung und der hohe Blutverlust trug den Rest dazu bei. Ich konnte mich die erste Woche auch kaum um meinen Sohn kümmern,weil es mir so schlecht ging. Ich konnte es auch nicht genießen ihn nach der Geburt zu halten und war auch erleichtert,als ihn mir mein Mann abnahm und es dauerte fast ein halbes Jahr,bis es mir wieder richtig gut ging. Vom Dammschnitt will ich gar nicht reden… Stuhlgang die ersten Tage waren der Horror.
    Ich bin aber menschlich sehr gut behandelt worden, Gott sei Dank. Und meine beiden anderen Geburten waren einfach toll,Traumgeburten so zu sagen, auch ohne PDA und Medikamente. Darüber bin ich sehr froh und so konnte ich auch mit meiner ersten Geburt Frieden schließen.
    Ich finde es auf jeden Fall sehr mutig von dir, darüber zu schreiben und ich denke wahrscheinlich passiert so etwas mehr Frauen, als man denkt…was wirklich sehr traurig ist. Eine Geburt ist etwas einzigartiges und wunderbares. Niemand sollte so sein Kind gebären und es tut mir sehr leid für dich. Auch wenn meine erste Geburt für mich schlimm, vielleicht sogar traumatisch war, so fühlte ich mich jederzeit gut aufgehoben und verstanden. Und mein Frauenarzt und meine Hebamme taten ihr Bestes,um mein Baby natürlich auf die Welt zu bringen… Das Gefühl sollte jede Frau haben, egal ob sie im KH, im Geburtshaus oder zu Hause entbindet.
    Sei Genz lieb gegrüßt und gedrückt

  • Reply
    Nadine
    6. Dezember 2017 at 22:23

    Danke, liebe Carolin, für deinen Mut und deine Offenheit, diesen Text zu schreiben und zu veröffentlichen!

    Es ist schon interessant wie beim Lesen dann die eigene Geburt wie ein Parallelfilm dazu läuft, zumal gewisse Sachen gleich waren. Auch ich hatte eine PDA und später einen Kaiserschnitt, weil es nicht anders ging – und der wesentliche Unterschied ist: ich habe mich immer wertgeschätzt und begleitet gefühlt (unter der Geburt, nicht unter der vorherigen über Tage gehenden Einleitung), trotz der heutzutage zum Teil widrigen Umstände in den Krankenhäusern (kurz vor Ende der Geburt gab es dann einen Schichtwechsel – der wurde zwar schnell durchgeführt und die „neue“ Hebamme war zufällig unsere Geburtsvorbereitungskurshebamme – aber trotzdem!!! Da ist man echt am Ende – ganz zum Schluss war ich auch fast besinnungslos, ich habe nur noch gemerkt, dass ich nicht mehr verstehe, was mir gesagt wird) . Wie anders so was laufen kann, und wie wenig wir als Frauen darauf Einfluss haben, und wie sehr wir oft wie eine Ware behandelt werden. Ich finde sehr gut wie klar und deutlich du das schreibst, dass deine Geschichte eine Geschichte von hier aus dem ach so toll entwickeltem Deutschland ist. Was Geburtshilfe angeht, sind wir das leider nicht.

    Der Grund weswegen ich wirklich gut mit dieser ersten nicht so tollen Geburtsgeschichte abschließen konnte, war eben: ich hatte Einfluss. Ich habe nachmittags mit entscheiden dürfen, dass wir noch keinen Kaiserschnitt machen, sondern noch weiter kämpfen und das dann erfolgreich, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat. Aber selbst der Kaiserschnitt und das ganze Drumherum war respektvoll. Das OP-Team war toll, ich musste eine Vollnarkose bekommen, weil es sonst für meinen Sohn nicht mehr gereicht hätte, die waren einfach so nett. Die Oberärztin hat auf meine Bitte einmal ganz kurz über den Vorhang geguckt, weil ich wissen wollte, wer mich operiert. Ich weine gerade, weil es mir so weh tut, dass es Frauen gibt, die das einfach so anders erleben. Weil das so ähnlich bei dir war, und du das so krass anders erleben musstest. So ähnliche Situationen.
    Weil ich die andere Seite erahnen konnte, kann. Mir ging es danach auch nicht gut. Ich hatte schon eine beschwerliche Schwangerschaft und ich war körperlich ziemlich k.o. Ich konnte zwar aufstehen, aber habe mein Kind die ersten Tage nicht wickeln können, auch erst nach 16 oder 17 Stunden das erste Mal gesehen (Kinderklinik). Wir hatten im Krankenhaus nie gestillt.
    Ich habe ein paar Monate gebraucht bis ich angekommen bin, und gebraucht bis ich diese Geburt verarbeitet habe, bis ich das, was gut war nämlich sehen konnte. Zunächst habe ich mich nämlich oft gefragt, wie ich nur irgendwie positiv mit meinem Kind darüber reden kann. Ich wollte nie einen Kaiserschnitt, ich war zwischenzeitlich etwas traumatisiert von der Einleitung, die mir (über mehrere Tage) so viel von meiner sowieso nicht vorhandenen Kraft gekostet hat. Ich konnte schon vor der Geburt kaum stehen, das machte die ganzen Tage natürlich nicht einfacher.
    Danke für deine offenen Worte, in der Hoffnung, dass es vielleicht doch was ändert, dass es zumindest anderen Frauen hilft, die das Lesen und wissen, dass sie nicht alleine sind!
    und ich hoffe, dass du verstehst, dass ich meine ähnlichen (und doch anderen) Erfahrungen nicht in einem Ätzibätschiton schreibe, sondern mit Respekt und Wertschätzung, es hätte auch so leicht ich sein können, statt dir.

    Und: ich glaube nicht, dass es etwas mit dem Alter zu tun hat. Entweder ist man respektvoll und wertschätzend gegenüber seinen Patienten eingestellt oder man ist das nicht. Das ist eher meine Erfahrung,

    Was ich (mittlerweile) bezweifle, ist, dass die Geburtserfahrung so viel Einfluss auf das Wesen des Kindes hat. Auf die Mutter-Kind-Bindung ja, das schon. Witzigerweise hieß es von uns schon immer, wir wären so eng, aber manchmal denke ich, vielleicht brauchten wir das, und eigentlich hat mich/uns das unverhoffte, nicht geplante zweite Jahr Elternzeit geheilt. Vielleicht brauchten wir einfach noch etwas mehr Zeit zusammen. Ich habe mich die ersten zwei Jahre auch viel gefragt, ob das mein Kind beeinflusst, und wenn ich ihn jetzt mit etwas über zwei erlebe und er jetzt spricht, und wir immer mehr von seinem Wesen mitbekommen, dann kann ich ganz klar sagen: Nein. Der ist die absolute Mischung seiner Eltern, mit dem gleichen Humor, mit der Ruhe von Papa und der Lebendigkeit von Mama. Ich glaube nicht, aber das ist vielleicht auch einfach Ansichtsache und eine persönliche Meinung, egal in welche Richtung. Niemand weiß wie es anders wäre, wenn es anders gelaufen wäre. Ich wünsche nur den Kindern, dass Ihnen nicht eventuell ein Etikett übergestüplt wird.
    Danke!
    Nadine

  • Reply
    Ina
    7. Dezember 2017 at 11:56

    Liebe Carolin,

    Danke für deinen wundervollen Blogpost. Auch wenn er thematisch eher schrecklich ist und auch das was du erleben musstest. Ich denke jedoch, dass solche Beiträge wirklich wichtig sind. Das Teilen von Erfahrungen und Gefühlen in emotional schwierigen Situationen kann ja nur dabei helfen, dass sich solch widrigen Umstände zukünftig verbessern. Und auch, dass sich Frauen dessen bewusst sind, was passieren kann und du damit die Möglichkeit schaffst sich auf Unvorhergesehenes vorbereiten zu können.
    Danke dafür!
    LG Ina

  • Reply
    Eva
    7. Dezember 2017 at 12:20

    Danke für deine offenen Worte. Ich hoffe so, dass die aktuelle Entwicklung bei der Geburtshilfe nicht so weiter geht. Und Beiträge wie deine helfen dabei.
    Alles alles Liebe,
    Eva

  • Reply
    Melanie
    7. Dezember 2017 at 12:32

    Liebe Carolin, ohne dich zu kennen fühle ich mich durch dein Erlebtes gerade sehr verbunden mit dir. Ich danke dir von Herzen für deine offenen Worte und ja auch meine Geburt war leider keine schöne und hat tiefe Narben hinterlassen die noch nicht verheilt sind. Es ist so wichtig aber darüber zu sprechen um daran arbeiten und wachsen zu können, doch leider ist es zu oft noch ein Tabuthema. Es Trauma zu nennen hilft mir gerade mir überhaupt auch zuzugestehen, dass ich darüber traurig, wütend und zeitweise auch emotional instabil sein darf. Nach einem schweren Unfall wird einem das schließlich auch zugestanden.
    Es dankt dir von Herzen…
    Melanie

  • Reply
    Anja-Maria
    7. Dezember 2017 at 16:06

    Liebe Carolin,
    bisher war ich nur eine stille Mitleserin und habe sehr gerne deine tollen Fotos angeschaut und die Beiträge gelesen.
    Aber heute möchte ich doch mal einen Kommentar hinterlassen.
    Mich betrifft das Thema Geburt eher indirekt, da ich im Juli leider eine Fehlgeburt hatte. Heute wäre ich in der 33. Schwangerschaftswoche. Ich hatte mir schon ganz am Anfang meiner Schwangerschaft Gedanken gemacht, wie ich die Geburt meines ersten Kindes haben möchte. Ich war mir sicher, dass das Krankenhaus der sicherste Ort sei.
    Nach deinem Artikel habe ich angefangen darüber nachzudenken, ob bei meiner nächsten Schwangerschaft nicht doch ein Geburtshaus für mich in Frage käme ….
    Angst ist schon ziemlich am Anfang ein Thema, gewesen und nach den Erfahrungen jetzt und dem Krankenhausaufenthalt im Juli denke ich anders.
    Dein Artikel gibt mir Mut, mir und meinem Körper wieder zu vertrauen und zuzulassen, was mir gut tut.
    Danke!
    Alles Gute und eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit für dich und deine Familie,
    Anja-Maria

  • Reply
    HAMMAmama
    7. Dezember 2017 at 22:28

    Liebe Carolin,

    ich möchte dir Dank aussprechen für diesen Text, der sehr berührt und gleichzeitig auch sehr wichtig ist, weil über das Thema mehr gesprochen werden MUSS. Er hat mich mitten ins Mark getroffen. Besser gesagt mitten in meine eigene Wunde:
    https://hammamama.blog/2017/04/29/wir-brauchen-unsere-hebammen-ueber-eine-geburt-ohne-hebamme/

    Diese Texte müssen geschrieben und sie müssen gelesen werden. Ich persönlich möchte nie wieder den Satz: „Ach, stell dich nicht so an, hauptsache das Kind ist gesund“ hören. Natürlich ist es wichtig, dass das Kind gesund auf die Welt kommt. Aber dafür muss die Mutter nicht gebrochen werden.

    Aus dem Herzen viele Grüße,
    Barbara

  • Reply
    Nina Schröder
    8. Dezember 2017 at 18:48

    Liebe Carolin,
    Ich habe noch nie auf einem Blog einen Kommentar hinterlassen und bin gerade zufällig über deine Geschichte gestolpert.
    Im März vor 10 Jahren ist mir etwas ganz ähnliches passiert, auch beim ersten Sohn. Bei mir ging es leider danach noch mit einer Infektion der Narbe und einem weiteren Krankenhaus Aufenthalt weiter, zu dem ich meinen Sohn nicht mal mitnehmen durfte. Ich war damals gerade fertig mit dem Medizinstudium und trotzdem sehr hilflos.
    Das einzige, was mir bei deiner Geschichte fehlt, kommt wahrscheinlich von meinem medizinischen Hintergrund. Als ich damals meinen Not Kaiserschnitt bekam, den ich dank schlechter PDA leider gespürt habe, war mir klar, dass es für das Kind jetzt am besten ist.
    Die Depression danach schreibe ich allerdings auch zum Teil der Hebamme im Vorbereitungskurs zu, da ich völlig überzeugt wurde, dass es ohne natürliche Geburt und Stillen keine gute Mutter-Kind-Bindung geben könne. Das sehe ich heute zum Glück anders.
    Mittlerweile bin ich Kinderärztin und stelle hoffentlich bei jeder Vorsorgeuntersuchung die richtigen Fragen (nämlich nach dem Befinden der Eltern) und gebe vor allem den Müttern mit einem schwierigen Start Zuversicht, dass alles gut wird.
    Mir ist auch beim 2. Kind eine natürliche Geburt verwehrt geblieben, da der Dickschädel auch noch ein Sternengucker war. Dennoch konnte ich ihn gleich bei mir behalten und auch stillen, so dass ich zumindest etwas mit dem Thema Geburt versöhnt bin.
    Ich könnte Dir Stunden lang schreiben, ich fühle mit Dir und auch mein Sohn wird bald 10,es ist leichter geworden, wird mich aber immer begleiten.
    In großem Verständnis und Anerkennung für den Mut, das zu schreiben,
    Nina

  • Reply
    Marie
    9. Dezember 2017 at 11:24

    Danke!

  • Reply
    Jessica
    10. Dezember 2017 at 23:12

    Ich bin sprachlos. Mein erstes Baby kam unter Tränen und einer PDA im Krankenhaus zur Welt. Das nächste Baby bekomme ich zuhause. Ich danke dir für deine Offenheit und schicke dir viel Liebe.ä und viele Rosen.

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