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Das Leben eben

Das Internet ist ein schöner Ort | Meine Gedanken zur #blogst17

 

Das Internet ist ein schöner Ort – stimmt Ihr dem zu? Oder ist es für Euch einer, vor dem Ihr Angst empfindet, vielleicht auch Ekel oder einfach Unverständnis?

Das große Ziel der Blogst-Konferenz 2017, auf der ich letztes Wochenende in Berlin war, richtete sich genau auf diese Frage. Es ging darum zu zeigen, warum das Internet eigentlich ziemlich toll ist. Und was man aktiv dafür kann, um genau das zu erreichen.

Ich weiß nicht, wo Ihr so steht im ganzen Online-Wahnsinn. Ob Ihr Nutzer vieler Apps seid, Euch das digitale Angebot das Leben leichter macht. Oder ob es Euch wie einem unserer Redner erging – Lutz, der einen beeindruckenden und zu Tränen rührenden „Liebesbrief ans Netz“ geschrieben und vorgetragen hatte – und das Internet in schweren Zeiten der einzige Ort war, an dem Ihr Ihr selbst sein konntet.

Akzeptanz und Nähe

Für mich war dieses Konferenz aus ganz unterschiedlichen Gründen bewegend, motivierend und eine rundherum gute Erfahrung.

Um zunächst beim Thema zu bleiben: ich bin ein ziemlich analoger Mensch. Ich liebe Papier und Stift, ich habe einen Kalender, in den ich etwas schreibe anstatt es zu tippen, die Anzahl der Apps auf meinem Handy ist übersichtlich und generell habe ich meist so ziemlich als letzte Ahnung davon, was im Netz gerade so angesagt ist. Und das, obwohl dieses Internet zu meinem Job gehört. Ich will nicht sagen, dass ich es nicht brauche – mal ehrlich, wie genial ist es eigentlich, dass wir so schnell und einfach auf Informationen zugreifen können, die uns das Leben erleichtern? Das ist mein liebster Aspekt: die schnellen und gleichzeitig so spezifischen Recherchemöglichkeiten. Und ohne Internet wäre ich im Alltag oft ganz schön einsam, hier an meinem Schreibtisch. Meine „Kollegen“ sitzen überall im Land verstreut, ebenfalls hinter ihren Rechnern und ich bin wahnsinnig dankbar dafür, dass ich so tolle, begabte und inspirierende Menschen kennen lernen konnte, die teilweise sogar zu Freunden wurden. Ohne Internet wäre das nicht möglich!

theblogbook.eu | Das Internet ist ein schöner Ort

Fotocredit: Sabine Steffens/heldamherd.de

Gutes hinein geben

Wie gesagt: zu behaupten, dass ich es nicht brauche, wäre also völliger Unsinn. Aber das Internet hat mich nicht gerettet, mir keinen Halt gegeben, wo ich sonst keinen hätte finden können (meinen Halt finde ich generell woanders, aber vielleicht wisst Ihr, wie ich es meine). Mich hat das sehr bewegt, dass es Menschen gibt, die so um ihre Akzeptanz kämpfen müssen, dass sie erst in der Anonymität des Netzes Nähe finden können. Und es hat mir etwas gezeigt, was ich bisher irgendwie als selbstverständlich genommen und dabei gleichzeitig nicht vollkommen deutlich vor Augen hatte. Wenn etwas zu einem guten Ort werden soll, dann muss man auch Gutes hinein geben! Ich weiß das, es war keine neue Erkenntnis. Und gleichzeitig eine, die mich ziemlich nachhaltig getroffen hat.

So unterschiedlich die Vorträge alle waren, aber genau dieser Konsens war allein gemeinsam und zog sich wie ein roter Faden durch. Es geht um echte Menschen und um echte Geschichten, um Respekt und gegenseitige Annahme, um Recht (!) und Fairness, um Teilen statt voneinander fern halten.

Wir können etwas verändern

Wenn mir eines an diesem Wochenende klar geworden ist, dann, dass wir etwas ändern können. Dass das, was wir tun, zählt! Ich sag es ganz ehrlich: so oft sitze ich hier und frage mich, wer das überhaupt liest, was ich schreibe. Ob das irgendwem nützt, irgendwem das Leben leichter macht. Wie schnell dreht sich alles nur um Zahlen, um den Erfolg, natürlich auch ums Geld (und das meine ich eher wertneutral, denn es ist Quatsch zu behaupten, dass einem diese Dinge egal sind) und dann frage ich mich, ob ich es nicht einfach lassen soll. Meinen Blog, meine Social Media-Kanäle, meinen gesamten Internetauftritt löschen soll. Das dachte ich schon manches Mal – endlich Ruhe. Kein Druck, nichts mehr, gegen was ich mich innerlich zur Wehr setzen muss. Und dann? Mal abgesehen davon, dass ich einen Teil meines Jobs verlieren würde: hilft das?

Das Internet ist ein schöner Ort

Ja, mir vielleicht, das geb ich zu. Zumindest für eine kleine Weile. Bis ich das Internet selbst brauchen würde, für ein Rezept, Infos, eine Adresse, für was auch immer. Bis ich auf Dinge stoßen würde, die ich nicht sehen und lesen will, weil sie eklig, schmutzig und verwerflich sind. Und ich mich fragen müsste: was habe ich dazu beigetragen, damit es ein besserer Ort wird?!

Ich kann gut verstehen – und auch akzeptieren – warum Menschen sich möglichst wenig online bewegen wollen. Jeder hat seine Beweggründe. Aber die, die es tun – und das sind ja nicht gerade wenig – die, die damit ihr Geld verdienen, die aus Leidenschaft dort sind; jeder dieser Menschen sollte sein Möglichstes tun, damit das Internet ein schöner Ort ist, mich eingeschlossen!

Eure Carolin

P.S.: Ich hab leider kein einziges Foto gemacht – so viel zum Thema analog 😉 – dafür die wunderbare Sabine von Held am Herd umso mehr. Geht dort unbedingt kucken!


Zum Schluss möchte ich mich noch einmal von Herzen bei Ricarda und Clara bedanken, die als Organisatorinnen dieser Veranstaltung so einen wichtigen und großartigen Job leisten. Auch für die Gelegenheit, dass ich über mein Herzensthema sprechen konnte, tausendmal Danke. Und natürlich ein ebenso großes Dankeschön an all die wunderbaren Sponsoren, die das Drumherum so kreativ und einladend gestaltet haben!

Das passt dazu...

2 Comments

  • Reply
    julia I mintlametta
    18. November 2017 at 21:23

    ach mensch. jetzt ärgere ich mich schon wieder, dass ich meine teilnahme an der blogst ganz kurzfristig einen tag vorher cancellen musste. so gerne hätte ich live deinen beitrag verfolgt. umso mehr freue ich mich über deine zeilen dazu hier. allein dadurch hast du wieder gutes hinein gegeben ins internet, danke für die worte und das teilen deiner ansichten und erkenntnisse, ich bin da ganz bei dir. beste grüße -julia

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    Tobia | craftaliciousme
    19. November 2017 at 9:26

    Liebe Carolin,
    du hast das Wochenende ganz wunderbar zusammengefasst, besser als ich es konnte aber genau das gesagt, was ich fühlte. Auch mir war es „befremdlich“ wie sehr die Anonymität des Netzes Nähe schaffen kann und auch zum Überleben hilft. Und wie Recht du hast: wenn wir nichts Gutes hineingeben, kann es kein guter Ort sein. Auch mich hat das zutiefst berührt und ich kam abends nach Haus und sagte (weinend) zu meinem Mann: Man kann so viele Dinge bewegen und nachhaltig verändern mit dem Internet und ich sitz hier und schreib nur über unverfängliche Dinge. Mir fehlt oft einfach der Mut mehr zu sagen. Da verstecke ich mich dann vielleicht mehr hinter der Anonymität des Netzes. Ich habe auf alle Fälle noch viele Gedanken, die mich da beschäftigen.
    Lieben Dank auf alle Fälle für deinen Vortrag und schön das wir kurz miteinander gesprochen haben.
    Einen schönen Sonntag dir,
    Tobia

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