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Im Spreewald-Dorf Lehde – Leben am Fließ

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Die Idee, im Herbst den Spreewald zu bereisen, beinhaltete – zumindest in meinem Kopf – jede Menge Bilder bunte belaubter Wälder, einsamer Kähne auf spiegelglatten Fließen und eine Stimmung, die man vielleicht mit melancholisch umschreiben könnte. Ich bekam all das und dazu die Geschichte eines Lebens zwischen Erle und Fließ, welches ganz eigenen Gesetzen folgt und dabei einen Kräfte zehrenden Spagat zwischen Tradition und Moderne vollbringen muss. Vor allem in Lehde, wohin ich Euch heute mitnehmen möchte, ist mir das besonders deutlich geworden. Am zweiten unserer Urlaubstage haben wir nicht nur das Freilichtmuseum dort besucht (wohin ich Euch ein anderes Mal mitnehme), sondern auch eine Kahnfahrt unternommen, die auf unserer Urlaubs-To Do-Liste natürlich ganz weit oben stand.

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Leben am Fließ

Die Fließe des Spreewaldes sind seine Adern, seine grundlegende Essenz. Sie bestimmen das gesamte Leben und dessen Tempo. Und obwohl heutzutage vor allem in den größeren Orten wie Lübben und Lübbenau ein ganz modernes, städtisches Leben stattfindet und viele der ehemaligen Wasserwege zugeschüttet sind, ist selbst dort der ureigene Herzschlag dieser besonderen Region zu spüren und zu erfahren.

Lehde erreicht man mit dem Auto durch eine gewundene, eher schmale Straße direkt hinter Lübbenau. Bereits während des Fahrens beschlich mich neben meinen begeisterten Oh- und Ah-Rufen dieses Gefühl, langsam in eine andere Welt einzutauchen. Als ob man mit jedem Meter durch eine Art Perlenvorhang gleiten würde. Die Art Vorhänge, die man von Sommerhäusern kennt und eine fragile und bewegliche Grenze gegen das Außen bilden.

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Wir parkten unser Auto auf dem dafür vorgesehen Platz etwas außerhalb des Ortes und liefen hinein in eine Welt aus Wasser, Wald und Stille. Vorbei an Heuschobern, die zum Teil schon abgeerntet waren und seit Jahr und Tag auf genau diese Art errichtet wurden. Rechts und links des schmalen Weges lagen wunderschön gestaltete Gärten vor traditionellen, mit Kürbissen, Mais und Blumen geschmückten Holzhäusern. Wie eng die Menschen mit der Natur leben, zeigte sich darin, dass es zum Schmuck des eigenen Zuhauses gar nichts anderes braucht. In einer Welt, in der jeder Stuhl und jede Tüte Milch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder eben ausschließlich mit dem Kahn herangeschafft werden muss, ist kein Platz für Überflüssiges und Künstliches.

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Wir liefen über Brücken und durch schmale, kleine Gassen, über große und kleine Fließe und landeten schließlich auf der Kaupe, auf der Familie Filko lebt und arbeitet. Und von wo aus unsere Kahnfahrt starten sollte.

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Über laute Stille

Nichts an dieser Fahrt war „touristisch“ – außer natürlich der Tatsache, dass wir alle genau das waren, Touristen. Es war eher, als ob wir automatisch mit Besteigen des Kahns Teil dieses so anderen Lebensrhythmus wurden. Unter Decken und aneinander gekuschelt glitten wir übers Wasser, machmal unterbrochen von den Geschichten, die uns die Kahnfrau erzählte, oft in einvernehmlichem Schweigen. Vorbei an Häusern, die bis heute nur übers Wasser zu erreichen sind. An alten, denkmalgeschützten Gebäuden, die den Lauf der Zeit gegangen sind und deswegen nicht mehr bewohnt werden. An Brücken, umgestürzten Bäumen, Feldern und weiteren Heuschobern. Hinein in architektonisch anmutende Erlentunnel, die selbst jenseits des Hochwaldes beeindruckten und einen mit derselben friedvollen Ehrfurcht zurück ließen, wie man sie in hohen, mittelalterlichen Kathedralen erlebt.

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Nichts hat mich auf diese Stille vorbereitet. Sie ist irgendwie allumfassend, eine laute Stille, die einen durchdringt und weit über ein „nichts sagen“ hinaus geht. Den Spreewald im Herbst zu erleben, hat etwas Mystisches, Ursprüngliches. Als ob die bunten Kleider der Urlaubsregion langsam aber sicher durch die schlichten Gewändern dessen, was (ein)heimisch ist, ersetzt werden. Klar, wir waren auch nur Besucher. Und doch breitete sich diese Ruhe tief in mir aus. Vielleicht bin ich auch empfänglich dafür, weil ich selbst in einer Region lebe, die einen völlig anderen Rhythmus bekommt, sobald nur noch vereinzelt Urlauber anzutreffen sind. Es ist wie unter den Decken, unter denen wir saßen. Man rückt zusammen, kommt automatisch näher, ohne zu viel Raum vom anderen zu fordern. Erlebt eine Pause.

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Gleichklang

Orte wie Lehde – und damit auch automatisch seine Bewohner – atmen im Gleichklang des Wassers, fließen in seinem Tempo dahin. Es ist eine Symbiose der Notwendigkeit, die mich tief beeindruckt hat. Natürlich trifft dieser Gleichklang auf alle Regionen zu, in denen Menschen so abhängig von der sie umgebenden Natur sind, sie gleichzeitig beherrschen und sich ihr unterordnen müssen. Im Spreewald war es das besondere Gefühl der Begrenztheit. Vielleicht sogar einer gewissen Enge, wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie wirklich da war oder ich sie nur stärker gefühlt habe mit einem Herzen, das an die Weite des Meeres verloren ist.

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Das Ende der Fahrt, als die feuchte Kühle des Herbstes durch die Decken und unsere Beine hinauf gekrochen war, fühlte sich seltsam schmerzhaft an. Als ob man einen Ort wie Lehde nicht einfach so wieder verlassen kann, sondern sich Zeit für einen Abschied nehmen muss. Und weil sich der Rhythmus des eigenen Herzschlages zumindest für eine kurze Zeit dem Tempo des Fließes angeglichen hat. Ich möchte wieder kommen, immer und immer wieder.

Eure Carolin


Noch ein paar Informationen:

  • Auf der Seite spreewald-info.de findet man nicht nur viele nützliche Informationen rund um den Spreewald, sondern auch die unterschiedlichsten Kahnführer mit Stichpunkten zu Besonderheiten sowie Telefonnummern und Internetauftritten.
  • Je nach dem, was man erleben möchte, sollte man abwägen, von wo aus man fährt. Für sehr naturnahe Erlebnisse bieten sich die kleinen Häfen vor allem im Norden an (mein Traum war eigentlich eine Fahrt durch den Hochwald, aber vom Wetter her und mit den Kindern war das nicht machbar). Lehde sowie Leipe und auch Burg sind perfekt, um typische Spreewalddörfer vom Wasser aus zu erleben, in Lübben und Lübbenau fährt man auf der Spree und kann so das Schleusenfahren entdecken.
  • Im Herbst Kahn zu fahren ist gut machbar. Aber man sollte sich definitiv warm anziehen! Selbst mit Boots, Decken und Winterjacken waren wir am Ende durchgefroren.
  • Die Kahnfrau, mit der wir gefahren sind und die ich Euch im Text verlinkt habe, kann ich absolut erzählen. Super sympathisch, sehr authentisch und individuell und preislich fanden wir es sehr fair. Da der Kahn ausgelastet war haben wir zu fünft um die 55,- Euro für zwei Stunden bezahlt.

Das passt dazu...

8 Comments

  • Reply
    Ulla
    7. November 2017 at 11:19

    Was für wundervolle Aufnahmen. Die Ruhe ist diekt spürbar.
    Herzlichst Ulla

    • Reply
      Carolin Schubert
      17. November 2017 at 11:53

      Das ist ein tolles Kompliment, vielen Dank, Ulla, für Deine Worte!

  • Reply
    Claudia Braun
    8. November 2017 at 20:51

    Wunderschöne stimmungsvolle Bilder und der Text machen Lust darauf den Spreewald zu besuchen!
    Vielen Dank für den tollen Bericht!! Ich mag Deine Schreibweise und freue mich immer sehr auf neue Blogeinträge von Dir.
    Liebe Grüße von Claudia

    • Reply
      Carolin Schubert
      17. November 2017 at 11:53

      Das freut mich wirklich sehr, Claudia, vielen Dank für Dein Feedback! Der Spreewald ist wirklich unglaublich schön, ich kann es nur empfehlen!

  • Reply
    Sabrina
    11. November 2017 at 17:29

    Was für ein herrlicher Beitrag und so wundervolle Bilder. Vielen Dank dafür

    • Reply
      Carolin Schubert
      17. November 2017 at 11:52

      Sehr gern und ganz lieben Dank für Deine Worte!

  • Reply
    Anke
    12. November 2017 at 20:31

    Wundervolle Bilder, die den Spreewald gleich drei Händevoll weiter nach oben auf meine Reisewunschliste setzen.
    Die Spiegelungen, die gedeckten Farben … all das zaubert ganz viel Stimmung in deine Bilder.
    Dein Blog ist seit der #blogst17 auf meiner Leseliste gelandet. Ich mag deine Geschichten und deine Leidenschaft dafür. Mach weiter so und PS: dein Vortrag war super.

    • Reply
      Carolin Schubert
      17. November 2017 at 11:52

      Das freut mich wirklich ungemein und ich dank Dir sehr für Deine Worte! Ja, der Spreewald ist wirklich unglaublich schön und ich will da unbedingt noch ein paar mal mehr hinreisen, es gibt noch so viel zu entdecken!

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