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Das Leben eben Familie

Capsule wardrobe für meine Kinder | Wie wichtig ist eigentlich Kleidung?

Ich weiß noch, als ich mit meinem Sohn schwanger war; ich konnte es kaum erwarten, in der Babyabteilung seinen ersten, winzigen Strampler zu kaufen. Ich kann mich auch noch genau an das Gefühl erinnern, etwas für mein Baby (mit Betonung auf mein) zu besorgen; für das Kind, für das ich in Zukunft verantwortlich sein wollte und musste. Ich fand die Vorstellung so schön, mit Liebe und Aufmerksamkeit zusammenzustellen, was meinen Sohn umgeben sollte.

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Vorstellung vs. Realität

Die Vorstellung und unsere damalige Lebensrealität kamen ehrlich gesagt nur selten zusammen. Wir steckten beide noch mitten im Studium und lebten von einem Bildungskredit und dem wenigen, was ich als Hiwi verdiente. Es reichte in der Regel gerade so für die Wohnung und Essen. Für Kinderausstattung, wie wir sie uns gewünscht hätten, blieb einfach nichts übrig. Dabei war mir eigentlich so wichtig, wofür wir unser Geld ausgeben wollten! Wir wollten auch damals schon nachhaltig konsumieren und leben und hätten uns gern Dinge mit Wert und einer damit verbundenen Langlebigkeit angeschafft. Das galt auch für Kinderkleidung. Den Gedanken, meinem Kind irgendetwas anzuziehen, ihm irgendetwas ins Zimmer zu stellen, hinter was ich gar nicht stand, konnte ich nur schwer ertragen.

Falls Ihr den Eindruck gewinnen solltet, dass mir Kleidung wichtiger war als andere Dinge – das ist natürlich Unsinn. Und natürlich wusste ich auch schon mit 24, dass mein Muttersein sich nicht daran maß, welche Pullover und Hosen ich in den Kleiderschrank meines Sohnes legte. Aber genau wie heute mag ich Kleidung tatsächlich einfach gern. Ich liebe das Kombinieren von Stoffen und Farben (egal, ob ich es selbst genäht oder eben gekauft habe) und finde es wirklich inspirierend, welche Stimmung man mit den entsprechenden Kleidungsstücken kreieren kann. Das gilt auch für meine Kinder! Zu guter Letzt ist das, was wir tragen, ja genauso Ausdruck unserer Lebenseinstellung wie unsere Möbel, das, was wir essen oder sonst konsumieren. Und da klaffte für mein Gefühl einfach ein riesiges Loch.

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Mein Resümee

Heute, als Mutter von drei Kindern und einigen Jahren Erfahrung zu eben jenem Thema, kann ich mit etwas Abstand auf die Sache schauen. Könnte ich zurück gehen, hätte ich jede Menge Ratschläge zur Hand. Was ich hätte tun oder lassen können, um diese gefühlte Lücke vielleicht ein bisschen zu schließen. Das ist natürlich müßig, weil man im Nachgang eh nichts ändern kann und ich ja nur dort bin, wo ich jetzt stehe, eben WEIL ich diese Erfahrungen gemacht habe. Also ziehe ich lieber ein Resümee. Und bleibe bei der Gedankenübung, die mich schon eine ganze Weile begleitet: auch ein später Anfang ist ein Anfang. Und nur wegen seines Zeitpunktes nicht weniger wert.

Was habe ich also gelernt?

Erstens: Verzicht ist gar nicht schlimm

Und das meine ich tatsächlich so, wie ich es sage. Wenn man sich im Social Web bewegt, ist man unweigerlich immer und immer wieder damit konfrontiert, was andere sich kaufen. Und das kann durchaus in Druck ausarten – in beide Richtungen! Wenn ich eins die letzten Jahre gelernt habe, dann dass die Welt nicht untergeht, weil man Produkt x oder y nicht in seinem Schrank liegen hat. Schockierend, ich weiß! Etwas nicht kaufen zu können hat uns gelehrt, dass man wirklich sehr viele Dinge gar nicht braucht. Was am Ende bedeutet, dass man auch nichts ausmisten muss. Oder gar wegschmeißen. Und das gilt auch für Kinderkleidung!

Zweitens: Kompromisse sind in Ordnung

Für mich ist das echt schwer. Ich mag Kompromisse nämlich nicht besonders. Ich bin eher so der „ganz oder gar nicht“-Typ und etwas nur halb zu tun, macht mir Bauchschmerzen und bereitet mir manchmal schlaflose Nächte. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie lange ich an dem Thema nachhaltige Kinderkleidung herum gedoktert habe, bis ich mir endlich zugestehen konnte, dass ein „halb“ besser als ein „gar nichts“ ist. Und dass es völlig in Ordnung ist, dieses „halb“ an seine eigenen Lebensumstände anzupassen. Und das hieß in meinem Fall zum Beispiel zu akzeptieren, dass eine studentische Mutter eben nicht dieselben Mittel zur Verfügung hat wie eine Frau, die vorher als Stewardess arbeitete. Hinzu kommt: drei Kinder einzukleiden, die sich untereinander nichts weiter geben können (wie das bei Geschwistern ja eigentlich oft machbar ist), ist durchaus eine finanzielle Herausforderung. Auch da müssen wir alle Kompromisse lernen.

Drittens: Dinge nicht wichtiger machen als sie sind

Ich komme heute mit lauter schockierenden Einsichten um die Ecke, ich weiß. Aber was soll ich sagen? Genauso ist es doch. Wir leben in einer Gesellschaft, die es sich leisten kann, Kleidung wichtig zu machen. So wichtig, dass wir ganze Blogposts darüber schreiben (^^), unseren Stil oder Typ finden oder verändern können oder saisonal immer wieder aussortieren. Und das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen! So wichtig mir also Kleidung aus oben genannten Gründen ist, so sehr habe ich mich bemüht zu lernen, den Dingen ihren angemessenen Platz zu geben.

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Capsule wardrobe für meine Kinder

Seit Juli setze ich nun endlich das um, was ich mir schon so lange gewünscht und vorgenommen habe. Ich habe eine Liste geschrieben und eine capsule wardrobe für meine Kinder zusammen gestellt. Eine Garderobe, die alles enthält, was man braucht; die schön aussieht und miteinander kombinierbar ist; die langlebig und damit auch nachhaltig ist (auch, wenn nicht alle Teile fair produziert wurden). Dabei geht es nicht darum, nicht zu viel zu kaufen (das war ja nie unser Problem), sondern den Überblick zu behalten. Sinnvoll zu investieren, Ausgaben und Konsum bewusst zu steuern und vor allem auch darum, mir deutlich zu machen, wieviel wir eigentlich haben!

Es stimmt nur bedingt, dass man sich mit wenig Besitz auch nur wenig Gedanken darum macht. Man kann sich im Gegenteil sehr viel darum drehen, was man alles NICHT hat. Doch all die negativen Gedanken der letzten Jahre will ich ersetzen durch positive, gut strukturierte Gedanken. Und ja, dabei hilft mir eine Liste ungemein.

Ich hab mir überlegt, dass ich zu diesem Thema noch einen zweiten Post veröffentliche. Dort zeig ich Euch, was so im Schrank liegt, nach welchen Prinzipien ich vorgegangen bin, in welchen Shops ich eingekauft habe. Sozusagen eine Fortsetzungsgeschichte.

Und nun bin ich gespannt, was Ihr zu diesem Thema denkt!

Eure Carolin

 

Das passt dazu...

11 Comments

  • Reply
    Sabrina
    12. September 2017 at 20:58

    Liebe Carolin,

    das finde ich eine richtig tolle Idee!
    Man liest ja auf so vielen Blogs von diesem Thema, aber immer nur für die Ladies.
    Ich habe zwei Jungs, mit drei Jahren Abstand und ganz glücklicherweise nur mit 10 Tagen Geburtstagsunterschied. Und weißte was, jetzt wächst der Lütte aber nicht so schnell in die Höhe wie der Große das tat…Und Nu? jetzt trägt er einfach mal diesen Winter den Pullover oversized…is ja eh IN 😉 (bzw näh ich das an der Nähma einfach fix um 🙂

    Ganz liebe Grüße
    und vielen Dank für deine Inspiration zu sehr vielen Themen!!!!

    Sabrina

    • Reply
      Carolin Schubert
      13. September 2017 at 9:35

      Liebe Sabrina,

      ganz lieben Dank für Deinen Kommentar! Eine Nähmaschine ist definitiv hilfreich ;-). Als meine zweite Tochter geboren wurde, sagten mir alle immer wieder „Wie praktisch, dann kannst Du die Sachen ja weitergeben.“ Nun ja, bei nur zehn Monaten Abstand und einer komplett anderen Statur… Ein Satz mit x, das war nix :-D.

  • Reply
    Claudia
    12. September 2017 at 21:15

    Liebe Carolin,
    ein total spannendes Thema. Freue mich, auf deinen weiteren Post dazu. Ich habe auch vor, capsule wardrobe bei uns einzuführen. Ich kaufe zwar viel auf Kleiderbazaren und die Sachen sind echt günstig, aber letztendlich haben wir vielzuviel Klamotten fürs Kind, was mein 4-jähriges Mädel irgendwie in der täglichen Auswahl auch überfordert. Für die Umsetzung freu ich mich gerne über Tipps und Erfahrungen!
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Reply
      Carolin Schubert
      13. September 2017 at 9:38

      Liebe Claudia, ich glaube, gerade das Thema mit der Überforderung ist nicht selten. Und das passiert übrigens auch, wenn man zu wenig im Schrank hat (oder zehn Kleider, aber keine einzige Leggings. Ich spreche aus Erfahrung…). So oder so ist es, glaube ich, wirklich in vielerlei Hinsicht hilfreich und ich kann Dich nur dazu ermutigen! Und ich setze mich schnellst möglich an den zweiten Post ;-).

  • Reply
    Iris
    13. September 2017 at 13:19

    Ich bin immer wieder begeistert von deinen Artikeln! Sie treffen den Nagel auf den Kopf und ich denke, dass wir viele ähnliche Werte leben. Toll geschrieben, sehr inspirierend und angenehm zu lesen – ich würde mich über eine Fortsetzung riesig freuen! Bin gespannt!

    • Reply
      Carolin Schubert
      20. September 2017 at 9:54

      Ganz lieben Dank für Deinen Kommentar, Iris, eine Fortsetzung wird es definitiv geben!

  • Reply
    Nicole
    16. September 2017 at 10:09

    Liebe Carolin,
    ich lese deinen Blog schon lange und folge die auf IG, normaler Weise kommentiere ich nicht, aber ich finde dieses Thema großartig und ich freue mich, dass du es ansprichst.
    Ich habe selber auch drei Kinder und was da an Kleidung zusammen kommt ist enorm. Ich versuche schon zu reduzieren und weniger zu kaufen. Und selber nähen tue ich auch, aber es ist eigentlich immer zu viel….
    Ich würde mich sehr über eine weiteren Post freuen und bin gespannt…
    Ganz liebe Grüße
    Nicole

    • Reply
      Carolin Schubert
      20. September 2017 at 9:55

      Liebe Nicole, dann freue ich mich ja umso mehr, dass Du Dich hier zu Wort gemeldet hast! Ja, eine Fortsetzung wird es auf alle Fälle geben, gerade das selber nähen ist durchaus eine beliebte „Falle“, die ich nur zu gut kenne!

  • Reply
    Ulla
    17. September 2017 at 9:52

    Liebe Carolin,
    dies ist wieder einmal ein toller Post und spricht mir aus der Seele. Ich finde es wirklich erschreckend, wie viele Menschen sich auf ihre täglich ankommenden Pakete und ihre Massen an Kleidung und Wohnungsausstattung reduzieren (s. Instagram). Meine Garderobe passt komplett in den Kleiderschrank ohne das ich zweimal im Jahr Kleidung zum Dachboden tragen muss. Dies hat auch gar nichts mit finanziellen Engpässen o. ä. zu tun, sondern einfach mit meiner Einstellung zum Konsum.
    Herzlichst Ulla

    • Reply
      Carolin Schubert
      20. September 2017 at 10:03

      Ja, die eigene Einstellung ist am Ende das, was das „Außen“ steuert! Danke für Deine Gedanken dazu hier. Liebe Grüße!

  • Reply
    Kathi
    20. September 2017 at 21:44

    mit diesem Artikel triffst du es echt auf den Punkt: wir müssen wieder lernen, dass Dinge eben nur Dinge sind.
    Wenn ich die Kleiderschränke meiner Jungs anschaue, dann könnte ich die Hände regelmäßig über dem Kopf zusammenschlagen und würde gern alles rausschmeißen. Klar, finanziell wäre das im Moment für uns Selbstmord. (vieles ist geerbt bzw. günstig vom Flohmarkt… auch unter dem Gesichtspunkt Nachhaltigkeit)
    Aber manchmal (immer öfter, umso mehr ich mich mit dem Thema befasse) machen mich diese Schnäppchen einfach nicht froh, sondern mich ärgert die Masse an Zeug, die wir horten.
    Von daher finde ich den Ansatz einer Capsule Wardrobe für Kinder sehr interessant und bin gespannt auf die Fortsetzung 🙂
    GLG Kathi

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