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Und plötzlich waren es zwei | Vorzeitige Einschulung und meine Idee von beziehungsorientierter Elternschaft

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Ich weiß nicht mehr genau, welcher Wochentag es war, ich meine ein Montag. Ich saß auf dem Hocker in unserem Altbau-Badezimmer. Wir lebten damals seit einem knappen halben Jahr in Dresden. In der Hand einen Schwangerschaftstest mit zwei sehr eindeutigen Streifen im kleinen Display. Nebenan schlief mein Baby, keine acht Wochen alt. Ich bin nicht so schnell aus der Bahn zu werfen, mir fehlen auch selten die Worte. Das war eine Situation für beides. Nach ein wenig Rechnerei und einem Besuch beim Frauenarzt war klar: Kind no. 3 würde in weniger als einem Jahr nach Geburt der älteren Schwester das Licht der Welt erblicken. Am Ende waren es gerade mal 10,5 Monate.

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So fast halt, nicht wirklich.

Mittlerweile sind meine Töchter 5 und 6 und wir haben uns daran gewöhnt, dass sie irgendwie wie Zwillinge sind. So fast halt, nicht wirklich. Wir wissen, dass wir Dinge entweder doppelt brauchen oder zumindest zweimal berücksichtigen müssen. Wir haben gelernt, darauf zu achten, dass es einen Altersunterschied gibt, so klein er auch sein mag. Und wir haben, wie meistens in Elternfragen, in der Regel unserem Bauchgefühl vertraut. Zu diesem gehörte auch die Entscheidung gegen eine vorzeitige Einschulung, gleichzeitig mit der älteren Schwester, obwohl der Stichtag nur ca. zwei Wochen vor ihrem 6. Geburtstag liegt und sie damit eins dieser „Kann“-Kinder ist.

Immer wieder haben wir gemerkt, wie sehr wie unseren Kindern Zeit wünschen. Zeit, sich zu entwickeln wie sie es brauchen, Zeit zum spielen, Zeit, noch nicht allzu stark in dieses Leistungssystem, welches so viel von ihnen fordern wird, eingebunden zu sein. Wir sind nicht die Typen für Frühförderung, Spiel- und Entwicklungsgruppen (was keine Aussage über eben diese Angebote trifft, sondern nur über uns!), wir sind einfach am liebsten zusammen und entdecken die Welt. Wie in allen Bereichen unseres Lebens sind wir auch im Zusammensein mit unseren Kindern am liebsten frei. Aber zum Wesen des Lebens in einem Sozialgefüge gehören nun mal Situationen und Entscheidungen, die uns in irgendeiner Weise binden. Und zum Leben mit Kindern gehört die Erkenntnis – die man in der Regel schon ziemlich früh gewinnt – dass diese ihren ganz eigenen Weg verfolgen.

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Große und kleine Kinder

In den letzten Monaten haben wir uns immer wieder gefragt, ob die Rückstellung die richtige Entscheidung war. Kognitiv war der Kobold weit, in manchen Bereichen weiter als ihre ältere Schwester. Im Inneren ist sie immer schon reifer gewesen, bereits als Baby. Aber der Wunsch, so lang wie möglich die Kleine zu sein, war genauso stark und hat uns lange in unserer Entscheidung bestärkt. Und dann machen die Kinder das, was sie eben so machen, was ihre ganz eigene Art ist. Sie entwickeln sich, springen in einem Tempo, das wir nicht voraussehen sehen können, was uns nicht selten überrascht. So war es auch bei unserem Kobold. Manchmal täglich bin ich morgens aufgewacht und habe mich gefragt, wo dieses innerlich wie äußerlich große Kind herkommt! Und mit dieser Entdeckung kam auch immer wieder die Frage auf: haben wir richtig entschieden?

Dann war da dieser eigentlich ganz normale Donnerstag letzte Woche. Wir sollten zur letztem Vorsorgeuntersuchung kommen, die im gelben Heft vorgesehen ist. Ich hab mir keine Gedanken drum gemacht. Ich wusste ja, dass alles in Ordnung ist, dass mein Kind all das und noch viel mehr kann, was man gemeinhin von Fünfjährigen erwartet. Wir kamen dran, der Kobold malte, hüpfte und balancierte wie vorgesehen, las die Zahlen und rechnete ohne weiter hinzuschauen. Beim anschließenden Gespräch entließ mich der Arzt mit der dringenden Empfehlung zu überprüfen, ob unser jüngstes Kind nicht doch noch eingeschult werden könne.

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Vorzeitige Einschulung – ja oder nein?

Ich bin ziemlich verwirrt nach Hause gefahren. Weniger wegen des Gesprächs. Ich respektiere andere Autoritäten und Fachmeinungen, habe aber in der Regel auch eine eigene, sehr starke Auseinandersetzung damit (zumindest, wenn ich mich auskenne. Und mit meinem eigenen Kind kenne ich mich aus). Wir sprachen den ganzen Nachmittag und Abend über nicht anderes, auch am nächsten Tag. Ich habe sogar ein wenig in meinen Instagram Stories darüber berichtet und sehr spannende und liebe Nachrichten bekommen (danke an dieser Stelle und entschuldigt bitte vielmals, wenn ich immer noch keine Zeit hatte, sie zu beantworten!). Aber die Entscheidung stand nach wie vor aus. Wie geht es weiter? Was tun?

Wir mussten uns erstmal eingestehen, dass wir tatsächlich keine Ahnung hatten, was jetzt das Richtige ist. Nach unserem Gefühl konnte alles schief gehen. Oder eben auch nichts. Wir haben uns schließlich dazu entschlossen, noch am selben Tag beim Gesundheitsamt anzurufen, die uns als am Montag diese Woche einen Termin gaben. Wieder hüpfte, balancierte, malte und rechnete das Kobold-Kind wie verlangt. Ich erzählte von unseren Sorgen und den Fragen, auch davon, wie wir als Familie so „ticken“. Und für die Antwort war ich der übrigens wirklich sehr sympathischen Ärztin sehr dankbar. Sie sagte mir Folgendes: Ihr Kind ist reif für eine vorzeitige Einschulung. Aber die Entscheidung, die Sie treffen müssen, ist eine Grenzentscheidung. Sie kann ein absoluter Erfolg sein. Oder ein totaler Reinfall. Trotz allem: Sie kennen Ihr Kind am besten.

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Beziehungsorientierte Elternschaft

Tatsächlich hat mir diese Antwort absolut geholfen, mehr als alles andere bis dahin. Ich sag Euch auch, warum. Wenn es um darum geht, Kinder in ihrer Reife zu beurteilen, wird den Eltern von anderen, oft pädagogisch-versierten Einrichtungen gern ihre Kompetenz abgesprochen. Wir sind voreingenommen. Helikopter-Eltern. Oder kümmern uns zu wenig. Auf alle Fälle irgendwie betriebsblind. Unsere Kinder müssen auf einmal gewissen Maßstäben entsprechen: wie sie zu sprechen, zu kommunizieren, zu lernen, zu sein haben. Entsprechen sie diesen Maßstäben nicht, gibt es immer eine Art Urteil. Sie sind nicht reif genug, unter- oder überfordert, gut oder schlecht erzogen. Versteht mich nicht falsch, ich finde es gar nicht schlimm, dass wir bei all dem, was Kinder heutzutage ausgesetzt sind, genauer hinschauen. Und dazu gehören durchaus auch die Elternhäuser. Aber – und das ist sicher auch keine neue Erkenntnis – den Eltern dabei per se abzusprechen, dass sie ihre Kindern am besten kennen müssen, weil sie eben genau das sind: ihre Eltern – ist das nicht vollkommen absurd?

Ich bin in letzter Zeit im Netz immer wieder über den Begriff der beziehungsorientierten Elternschaft gestoßen. Meist in Zusammenhang mit Langzeitstillen, Tragen, Erziehung ohne „Erpressung“, solche Dinge halt. Ich habe mich dabei gefragt, wie Elternschaft ohne Beziehung so generell funktionieren soll. Ich weiß, dass es das gibt. Für mich, meine ich. Für mich hat das überhaupt etwas damit zu tun, dass ich mein Kind kenne, eben weil ich eine Beziehung zu ihm habe. Und ich merke auch, wie sehr diesem Kennen und dieser Beziehung von außen misstraut werden kann. Das erschreckt mich. Es macht mich wütend, seht wütend sogar. Was es mich übrigens nicht macht, ist hilflos. Ich weiß aber, dass es anderen so geht. Dass sie durch dieses Misstrauen handlungsunfähig gemacht werden. Und deswegen schreibe ich übrigens diesen Text! Als Plädoyer dafür, dass man sein Kind kennen und zu ihm eine enge Beziehung haben und trotzdem nicht alles wissen und voraussehen kann. Und dass das vollkommen normal ist!

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Sie kennen Ihr Kind am besten!

Wir müssen uns momentan vor allem entschuldigen. Weil wir es nicht früher wussten, der Schule, dem Kindergarten und unseren Kindern Stress verursachen, wir irgendwie keine besseren Eltern sind. Was wir nicht hören ist der Satz, den eben jene Ärztin zu mir sagte: Sie kennen Ihr Kind am besten! Ich weiß, dass es so ist. Und ich weiß, dass wir es uns nicht leicht machen, unser Kind nicht leichtfertig in eine Situation manövrieren, mit der es am Ende nicht klar kommen kann. Wie es ausgehen wird, weiß ich nicht. Aber ich weiß zumindest, dass es nichts an der Beziehung zu meinem Kind ändert, eben weil ich es kenne.

Eure Carolin

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18 Comments

  • Reply
    Ani Lorak
    14. Juni 2017 at 12:18

    Wahre Worte. Wir haben uns recht früh für die vorzeitige Einschulung entschlossen und jetzt 7. Klasse also der Sohn glücklich damit. Klassenbester, gross und optisch eher einer der Ältesten. Habe lange gerungen, ausschlaggebend War, dass Felix es wollte. Er war verwundert, als er realisierte kein Vorschulkind zu sein. Bei Euch sehr Ich, dass die ältere Schwester damit leben müsste, dass die jüngere eben in der gleichen Stufe ist, aber ich bestärke Euch darin, auf Euren Bauch zu hören. Ihr als Familie müsst in allen Facetten damit leben und nicht die anderen. Habt Vertrauen in Euch. Zweifel hatten wir auch; verloren sich erst auf dem Gymnasium… Ja, es gibt Kinder stärken aber manchmal fehlt mir das Stärken der Eltern. Ich kenne Dich nur durch das Mitlesen, aber Ihr ruht in Euch bzw. DU fügst nicht bevor Du in Die ruhst. Bin sicher, Ihr trefft für Euch die richtige Entscheidung!

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Juni 2017 at 19:55

      Vielen lieben Dank, Ani!

  • Reply
    Katarina
    14. Juni 2017 at 13:28

    Liebe Carolin,
    bei unserer Großen standen wir nach nur einem Kindergartenjahr auch plötzlich vor der Entscheidung, ob sie nun ein Vorschulkind wird oder nicht. Die Erzieherin hat uns förmlich bekniet es zu tun. Wir waren seiner Zeit hoffnungslos überfordert, da wir die Entwicklung unserer Großen als völlig normal einstuften. Nach einigen Wochen Bedenkzeit haben wir sie dann untersuchen/testen lassen und auch dort hatte man uns an´s Herz gelegt, sie vorzeitig einzuschulen. So kam sie nach nur 2 Jahren Kindergartenzeit in die Schule. Alles lief prima und ich bin so froh, dass wir es gewagt haben. So war sie von Anfang an dabei. Ein Klassenkamerad von ihr stand nach regulärer Einschulung plötzlich da und ist bereits in der Grundschule gesprungen. Das stelle ich mir echt hart vor für das Kind, da es ja dann all seine Freunde, die es im ersten Jahr gefunden hat, wieder verlassen musste.
    Dass unsere Große hochbegabt ist, hat sie allerdings erst Anfang der 7. Klasse erfahren, da es immer wieder böses Blut gab, da ihre Mitschülerinnen auf Grund des Altersunterschiedes viel schlagfertiger waren und ein Problem damit hatten, dass unsere Tochter fast immer nur Einsen mit nach Hause brachte. Mittlerweile ist sie schon in der Oberstufe (10. Klasse) und fühlt sich sau wohl. Viele Mitschüler haben durch das Kurssystem jetzt erst erfahren, dass sie wesentlich jünger ist, da man ihr das überhaupt nicht ansieht/anmerkt, haben aber überhaupt kein Problem damit und sie ist voll akzeptiert. Es war letztendlich nur der Hänger in der 7. Klasse, den wir gemeinsam durchstehen mussten.
    Wenn ich es noch einmal zu entscheiden hätte, würde ich es immer wieder tun, denn wichtig ist, dass die Kinder ihren Rückzugsort in der Familie haben und hier immer aufgefangen, unterstützt und bestärkt werden können. Und wichtig war uns auch immer, dass das Lernen freiwillig und so selbständig wie möglich abläuft. Denn gerade in solch einer Situation ist der Druck von außen immer enorm, sollte einen selbst aber nicht bestimmen.
    Vielleicht wäre es bei euch ja eine Option dass eure zwei Mädels in verschiedene Klassen kommen. So hätten beide Mädchen ihren eigenen Bereich und müssten sich nicht vergleichen lassen.
    Ich bin mir sicher, dass eure Mittlere mit euch als Eltern nicht zu kurz kommen wird. Ihr macht das doch alles wunderbar!
    Ich drück dich und sende dir liebste Grüße :-*
    Katarina

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Juni 2017 at 19:54

      Ja, es werden wenn definitiv zwei Klassen werden. Thea mag zwar gern zusammen, aber Alva braucht den Abstand, damit sie in Ruhe die Große sein kann und das natürlich auch sehr wichtig! Schön, dass es am Ende bei Euch alles so gut gekommen ist, Hochbegabung ist ja hier auch noch ein Thema…

  • Reply
    Hufer Katrin
    14. Juni 2017 at 16:42

    Bravo!
    Alles in mir schreit gerade laut: Applaus!
    Applaus für das Mutmachen einfach zu sein was man ist: Eltern, die ersten Bezugspersonen unserer Kinder. Die, die unsere Kinder von der Stunde“Null“ und oft schon davor kennen lernen durften.
    Und darüber hinaus: Menschen, mit allen Ecken und Kanten, die versuchen allen Herausforderungen des Lebens nach bestem Wissen und Gewissen begegnen. Gegebenenfalls auch mit späten oder herausforderden Entscheidungen, aber immer mit Liebe und Sorge für und um unsere Kinder.
    Mehr Selbstbewusstsein ihr Eltern da draußen!

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Juni 2017 at 19:52

      Danke, Katrin :-).

  • Reply
    Tina
    14. Juni 2017 at 19:33

    Habt ihr eure Tochter mal gefragt, was sie will?
    Ich bin 1 Tag nach dem Stichtag geboren (2. Juli), und war somit ein Kann-Kind.
    ich weiß noch, das meine Mutter mich damals gefragt hat, was ich will, und ich habe gesagt, ich will noch ein Jahr im Kindergarten bleiben und zusammen mit meinen Freundinnen eingeschult werden. – mit einer von denen war ich bis zum Abitur in der selben Klasse 😉
    Für mich war das definitiv die richtige Entscheidung, auch, weil ich einen wahnsinnig tollen Grundschullehrer hatte.
    Aber besonders wichtig finde ich, dass meine Mutter mich als 5 jährige in die Entscheidung miteinbezogen hat.

    Ich bin ja nun selbst Lehrerin, und habe auch schon öfter mal erste Klassen gehabt – nicht nur die Eltern sind Experten für ihre Kinder, auch die Kinder sind Experten für sich selbst.

    Was will den euer Kind? Will sie auch in die Schule? Oder will sie lieber noch im Kindergarten bleiben, oder, sofern es das gibt bei euch, in die Vorschule?

    Viele Grüße
    Tina

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Juni 2017 at 19:52

      Liebe Tina,

      ja, das stimmt, die Kinder sind auch Experten für sich selbst, da stimme ich Dir absolut zu! Und ja, wir haben sie gefragt. Trotzdem sind wir die Eltern und können dadurch Dinge abschätzen, die eine Fünfjährige nicht wissen kann, wie auch?! Sie hat klar gesagt, dass sie hin- und hergerissen ist (was ich für ihr Alter erstaunlich weitsichtig finde!), ich verstehe die Beweggründe. Keiner davon waren übrigens Freunde aus der Kita, denn davon gehen jetzt, aber auch nächstes Jahr welche zur Schule und mit keinem dieser Kinder ist sie wirklich eng befreundet. Das macht es hoffentlich einfacher für sie, in der Schule, sofern das jetzt alles klappt, neue Freundschaften zu schließen. Vorschule gibt es hier leider nicht, das wäre sicher eine Variante gewesen, die wir in Betracht gezogen hätten!

  • Reply
    Sandra WiWi your best friend
    15. Juni 2017 at 8:44

    Liebe Carolin,
    beim Lesen deines Posts ist mir klar geworden, dass wir vor 12 Jahren in einer ähnlichen Situation standen und unsere Entscheidung, die uns auch damals nicht leicht gefallen ist, danach gefällt haben, dass wir unser Kind am besten kennen und letztendlich Expertenmeinungen nur eine kleine Hilfestellung sein können. Unser Erstgeborener war laut Kindergarten, Schuluntersuchung und diversen Tests des SPZ nicht schulreif…und mein Mann und ich waren aufgrund dieser Expertenmeinungen zunächst so verunsichert…in dieser Situation hat der Schulleiter unserer Grundschule uns gesagt, egal was irgendwelche Tests aussagen, nur wir als Eltern können entscheiden, ob unser Sohn tatsächlich zur Schule gehen sollte…er hat uns einen Monat mehr Zeit für diese Entscheidung gegeben, damit wir „ohne Druck“ eine Entscheidung treffen konnten…ich war am Anfang hin und hergerissen, da man letzendlich wirklich nicht weiß, ob man genau das Richtige oder das Falsche macht…ich habe eine sehr enge Beziehung zu unserem Sohn und daher wusste ich letztendlich relativ schnell, dass wir ihn einschulen müssen, weil ich ihn kenne und wusste, dass er nicht glücklich werden würde, wenn er noch ein Jahr im Kindergarten bzw. Vorschule geblieben wäre…
    Wenn ich nun zurück blicke, weiß ich, dass wir es richtig gemacht haben…ehrlicherweise muss ich aber dazu sagen, dass wir während der Schulzeit unseres Sohnes, insbesondere in den ersten Jahren, genau die richtigen Pädagogen hatten, die ihn begleitet haben, einfühlsam und verständnisvoll, obwohl er garantiert phasenweise sehr „anstrengend“ war…
    Nun werden wir morgen gemeinsam mit ihm sein Abitur feiern, was er ohne Probleme mit einem guten Abschluss erreicht hat…mit 17 Jahren…
    Ich bin dem Schulleiter von damals unendlich dankbar, dass er uns diese Zeit und Möglichkeit gelassen hat, als Eltern zu entscheiden und uns nie in eine Richtung gedrängt hat, denn ich bin davon überzeugt, dass all das für unseren Sohn eine wichtige Grundlage für seinen schulischen Weg war.
    Liebe Grüße
    Sandra

    • Reply
      Carolin Schubert
      15. Juni 2017 at 10:35

      Liebe Sandra, vielen Dank fürs Teilen Eurer Geschichte und Erfahrung! Es ist wirklich wunderbar zu lesen, dass es gute und begleitende Pädagogen gibt, die die Eltern als die Kompetenz wahrnehmen, die sie sind. Ich wünsch Euch eine ganz wunderbare Abiturfeier!

  • Reply
    Ricarda
    15. Juni 2017 at 11:55

    Liebe Carolin,
    vielen Dank für diesen ehrlichen Blogpost! Bei uns in der Kita leben wir die Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern und uns Erziehern. Grundsätzlich sehen wir die Eltern als Experten für ihre Kinder, die ihre Kinder am besten kennen und dementsprechend einschätzen können. Wir erleben aber auch immer wieder, dass Kinder in der Kita ein ganz anderes Verhalten an den Tag legen (können) als Zuhause. Wichtig ist mir immer im Austausch zu stehen und zu erfragen, wie sich das Kind in bestimmten Situationen zuhause verhält bzw ob manche Verhaltensweisen auch zuhause auftreten. Damit kann ich Verhalten oft besser einschätzen und verstehen, als wenn ich nur das Verhalten, das ich direkt in der Kita beobachte, kenne. Ich wünsche mir mehr Eltern wie dich und deinen Mann, die eine enge Beziehung zu ihren Kindern haben und vor allem selbst wissen, dass sie am besten entscheiden können, was das richtige für ihr Kind ist. Grade junge Eltern, so ist zumindest meine Erfahrung, sind immer mehr verunsichert und können sich nicht mehr auf ihre Instinkte verlassen. Sie versuchen dann Entscheidungen auf uns abzuwälzen und sich aus ihrer Verantwortung zu ziehen. Leider! Ich versuche diese Eltern dann immer zu ermutigen und in ihren Entscheidungen zu bestärken, dass sie am besten einschätzen können, was für ihr Kind das beste ist. Natürlich gibt es auch immer wieder Situationen, in denen wir Handlungsbedarf sehen, den die Eltern bis dahin noch nicht erkannt haben, aber die letzte Entscheidung liegt definitiv immer bei den Eltern.
    Ich bin gespannt, wie eure Entscheidung ausfällt, ich bin sicher, es wird die richtige sein!
    Alles Liebe, Ricarda

    • Reply
      Carolin Schubert
      16. Juni 2017 at 10:43

      Liebe Ricarda, vielen Dank für Deine Sichtweise und den Einblick „von der anderen Seite“. Unser Eindruck geht in eine ähnlich Richtung, nämlich dass Instinkt und Bauchgefühl immer mehr abhanden kommen und die Eltern wieder mehr dafür gestärkt werden müssen! Herzliche Grüße an Dich!

  • Reply
    die Sammlerin
    18. Juni 2017 at 7:28

    Liebe Carolin, bei uns war es vor zwei Jahren genau anders herum. Die Erzieherin wollte unbedingt, dass das November-Kind eingeschult wird. Ihr Argument : Das Kind langweilt sich sonst im KiGa. Ein Gespräch mit den Grundschullehrern bestätigte, das
    sie durchaus schulreif war. Nur eine ältere Lehrerin riet mir , dem Kind noch ein Stück Kindheit zu lassen. Sie ginge noch lang genug zur Schule. Das Mädchen wollte nicht in die Schule. Mein Bauchgefühl sagte NEIN zur Schule. Darum wurde sie im letzten Jahr eingeschult, feierte im November ihren siebten Geburtstag. Es war eine gute Entscheidung. Im Prinzip geht sie immer noch nicht gerne dorthin. Seit vier Wochen werde ich immer häufiger angerufen um sie abzuholen, da sie über Bauchschmerzen klagt. Das Kind und ich versuchen gerade herauszufinden, wie es zu den Bauchschmerzen kommt. Sie schläft seit der Einschulung wieder in meinem Bett, beklagt das ihr Zeit für Dinge fehlt die sie gerne macht. Aufgrund meiner Berufstätigkeit ist sie jeden Tag von 7.45 – 16.30 Uhr in der Schule. Das versteht sie, denn ich bezahle die Miete – wie sie es immer so schön formuliert. Aufs Kind und aufs sich selbst als Mutter/Vater zu hören, diese Kompetenz wird uns ganz oft abgesprochen. Wir Eltern kennen unser Kind.
    Lieben Gruß,
    Britta

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. Juni 2017 at 17:51

      Es ist nicht immer leicht, das Richtige zu tun, das stimmt. Ich hoffe, Ihr findet für Euch eine gute Lösung und etwas Erleichterung für Dein Kind. Alles Liebe!

  • Reply
    Ulla
    19. Juni 2017 at 15:50

    Ein toller Post. Was sagt denn der Kobold? Möchte sie in die Schule? Diesen Aspekt vermisse ich ein wenig.
    Herzlichst Ulla

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. Juni 2017 at 17:52

      Sie freut sich mittlerweile sehr auf die Schule, ist natürlich auch sehr aufgeregt und ob der kurzen Vorbereitungszeit erschöpft. Stimmt, vielleicht kam das im Text nicht so raus. Irgendwie hab ich das vorausgesetzt, da wir ja im Sinne unseres Kindes entscheiden wollen. Vielleicht greife ich das beim nächsten Post aus dieser Reihe nochmal auf!

  • Reply
    Nadine
    19. Juni 2017 at 23:35

    Ich finde es so spannend, was du schreibst über „Eltern sind die Experten“ bzw. es wird Ihnen wieder abgesprochen. Ich habe Pädagogik studiert und das so gelernt und verinnerlicht. Auch wenn Eltern ihre Rolle vielleicht nicht immer gut ausfüllen oder nicht gut ausfüllen können, so sind sie die Eltern und geben ihr Bestmögliches. Ich finde das immer wichtig wertzuschätzen. Aber ich kenne auch selbst schon hier und da genau das, was du ansprichst – diese Meinungen von anderen, dieses Erzählen darüber wie das eigene Kind IST. Nicht wie die andere Person es wahrnimmt, sondern wie es IST. Ich habe mich auch schon sehr in die Schublade der überfürsorglichen Mutter gepackt gesehen, wo ich sehr gut mit umgehen kann. Was mich aber überrascht hat, wie schnell das so geht. Ja, von anderen Müttern und pädagogischem Personal. Oft auch Personen, deren Meinung ich eigentlich sehr schätze.
    Liebe Grüße und tolles Blog!
    Nadine

    • Reply
      Carolin Schubert
      20. Juni 2017 at 20:43

      Liebe Nadine, der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Sein ist so wichtig, wird aber tatsächlich viel zu wenig geachtet! Danke für Deine Gedanken dazu!

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