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Das Leben eben Nicht von der Stange

Über Geld spricht man nicht | Lieblingsstücke und Wertgegenstände

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Es ist schon ein paar Jahre her, wir hatten eine damalige Freundin zu Besuch bei uns. Ich habe keine Erinnerung mehr daran, wie es zu diesem Satz kam, der mir jedoch in lebhafter Erinnerung geblieben ist. Sie sagte sinngemäß so etwas wie: man sieht Euch nie an, dass Ihr arm seid. Das hat mich über viele Jahre beschäftigt. Und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen. Zum einen natürlich, weil ich mich und uns nicht als arm empfinde. Rein wirtschaftlich hat das zwar gestimmt (wir haben zu dieser Zeit tatsächlich unter dem gelebt, was in Deutschland als Existenzminimum galt). Armut hat so viele Facetten, die ich bei uns jedoch nie gesehen habe. Ich wusste natürlich, wie besagte Freundin das meinte: man sah uns nicht an, dass wir in der Regel wenig bis kein Geld hatten. Was uns tatsächlich, und das ist das eigentlich Spannende an dieser Geschichte, nicht selten in soziale Schwierigkeiten gebracht hat.

Vor ein paar Wochen, als ich mit ein paar sehr netten Mädels ein Wochenende an der Ostsee verbrachte, kam das Thema interessanterweise wieder auf. Ich hatte meine Geldbörse aus der Tasche gezogen und wurde nach dem Label gefragt (sie ist von aunts&uncles). Darauf fiel ein Satz ähnlich wie der oben: Du kennst so viele tolle Labels, ich würde nie denken, dass Du eigentlich kein oder wenig Geld hast.

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Über Geld spricht man nicht

Ist das nicht spannend? Anscheinend haben wir eine ziemlich präzise Vorstellung davon, wie jemand aussieht oder was derjenige ausstrahlt, der nach unserem Verständnis „arm“ ist. Und selbst wenn wir dies nicht genau benennen können, so sind wir uns zumindest sehr sicher, wann es auf eine Person nicht zutrifft. Ich weiß, über Geld spricht man nicht so gern, schon gar nicht, wenn keines vorhanden ist und erst Recht nicht in der Öffentlichkeit. Aber ich mach das heute trotzdem, weil mir so wichtig ist, was dahinter steht. Hinter dieser ganzen Geschichte, meine ich. Und weil ich erst gestern wieder bei Instagram eine mehr als notwendige Diskussion darüber verfolgt habe, dass wir zwar all die schönen Seiten des Lebens miteinander teilen wollen, aber dabei das echte Leben nicht ausblenden dürfen.

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Wertgegenstände

Dass wir finanziell gesehen nicht allzu gut aufgestellt sind, ist für mich nichts, aus was ich ein Geheimnis machen muss. Es ist schlicht so. Die Gründe dafür tun letztlich nichts zur Sache. Man selbst bestimmt, wie man bestimmt wird. Ich weiß, so ein Satz schreibt sich schnell. Ich sage ganz offen, dass uns dieser Prozess viele Jahre beschäftigt hat und es nach wie vor tut. Aber das ist in Ordnung. Wir wollen das, selbstbestimmt sein und wissen, warum und für was wir tun und haben, was wir tun und haben. Teil dieses Prozesses jedenfalls war auch zu lernen, dass unser Wert niemals von dem bestimmt wird, was wir rein äußerlich zur Verfügung hatten und haben. Ja, ich weiß, nicht unbedingt eine Neuigkeit. Aber ganz schön schwer zu verinnerlichen, finde ich. Um bei meiner Ausgangssituation zu bleiben: irgendwann haben wir tatsächlich geglaubt, wir seien arm. Wir dachten, uns das einzugestehen, sei irgendwie erwachsen, mache es uns leichter, sei ehrlicher. Die angebliche Wahrheit war aber schlichtweg eine Lüge. Wie gesagt, rein wirtschaftlich mag das zugetroffen haben. Aber bemisst das unseren Wert, unser Inneres? Nein, natürlich nicht, ganz klar! Es bemisst vor allem auch nicht, was uns wichtig ist, die Werte, die wir vertreten, was für uns wertVOLL ist. Seit Jahren versuchen wir als Familie unser Bestmögliches, so verantwortungsbewusst und nachhaltig zu leben, wie wir es eben schaffen. Das ist mit wenig Geld sicherlich schwieriger, als wenn man viel zu Verfügung hat. Aber genau das ist eben der Punkt: meine Überzeugung ist unabhängig von dem, was ich zur Verfügung habe! Wert ist nicht eindimensional mit der Menge an Geld verbunden, für die man ihn kaufen könnte.

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Wie sieht Armut aus?

Wie sieht man also aus? Wenn man tatsächlich arm ist, dann sieht man das in der Regel an dem, was fehlt! Saubere, heile Kleidung, etwas zu essen, ein Dach über dem Kopf, Medizin. All das und noch so viel mehr haben wir aber! Woran hätte man also nun erkennen können oder sollen, dass wir wenig Geld haben? Aus den Erfahrungen der letzten Jahre, die uns sozial oft ausgegrenzt haben, würde ich sagen, dass es dabei um rein äußerliche Dinge geht, die für uns lediglich etwas über Vorlieben und Ansichten aussagen. Nach der Vorstellung anderer war unsere Kleidung zu „teuer“, unsere Lebensmittel zu „bio“, unsere Haare zu gut frisiert, unsere Ansichten nicht „sparsam“ genug. Wie gesagt: nichts davon trifft doch tatsächlich eine Aussage über uns, unsere Einstellung oder auch darüber, wieviel oder wie wenig wir haben, oder? Es zeigt, wenn überhaupt, für was wir unsere Mittel einsetzen.

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Lieblingsstücke

Und genau das ist der springende Punkt! Wie ich weiter oben schrieb: man selbst bestimmt, was einen bestimmt. In Wert, Nachhaltigkeit, Fairness, Gleichbehandlung zu investieren ist nichts, was wir aufgeben müssen, nur, weil wir wenig Geld haben. Es begrenzt sicherlich unseren Handlungsspielraum. Aber seit wann ist mehr tatsächlich mehr?! Schon vor Jahren haben wir uns entschieden, in Lieblingsstücke zu investieren. Das heißt nicht, dass die immer teuer sein müssen. Aber sie sind echt, von Wert, langlebig und gut. Es bedeutet eben beispielsweise, dass ich mir zum Geburtstag eine neue Geldbörse gewünscht hatte. Und sonst nichts. Weil sie es wert war. Oder meine wunderschöne Tasche, die Ihr auf den Bildern sehen könnt. Mein Geschenk zu diesem Geburtstag. Im Stil einer Satteltasche, das war schon sehr lange mein Wunsch. Nach ein wenig Recherche (ich hatte erst ein anderes Modell im Auge, die ich aber in Amerika hätte bestellen müssen) bin ich auf das Label gusti leder gestoßen und mir gefiel nicht nur die Tasche, sondern auch die Idee und der Wert hinter der Marke. Ein echtes Lieblingsstück eben, die ich sehr, sehr lange tragen werde.

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Selbst Verantwortung übernehmen

Über Geld spricht man nicht. Sollte man aber dringend, wenn es darum geht, dass ein nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Leben (auch bezogen auf unseren Konsum) etwas ist, wofür man sich grundsätzlich entscheiden kann – unabhängig von den wirtschaftlichen Voraussetzungen. Gerade am Wochenende haben mein Mann und ich lange und ausführlich darüber gesprochen. Denn wir kommen natürlich immer wieder an unsere Grenzen, vor allem ich als Mensch, der mit Kompromissen nur schlecht zurecht kommt und immer alles genau richtig machen will. Wir haben dabei festgestellt, dass das oft an dem unbewussten Druck liegt, den man sich im Vergleich zu anderen macht. Die Verantwortung dafür trägt man natürlich ganz allein. Aber wir wollen sie auch dergestalt wahrnehmen, dass wir selbst viel offener darüber reden (oder schreiben) sollten, wie das so geht. Mit fünf Personen, einem geringen Einkommen und hohem Idealismus. Wir wollen den Austausch und vor allem die gegenseitige Ermutigung, in echten Wert zu investieren. Und dabei immer im Auge zu behalten, dass Idealismus vom altgriechischen idea abstammt, dem Urbild einer Sache. Und für dieses Urbild und seinen Wert können wir immer Verantwortung übernehmen. Ganz egal, was ringsherum ist. Oder eben nicht.

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Ich bin extrem gespannt, was Ihr über diesen Post, meine Gedanken, unseren Wunsch denkt! Interessiert Euch dieses Thema?

Kommt gut durch die zweite Wochenhälfte,

Eure Carolin


Hier nochmal alle Outfit-Details zusammen gefasst:

Kleid und Leggings von laune.

Handtasche von gusti leder

Schuhe von timberland

die Strickjacke habe ich vor Jahren mal bei TKMaxx gekauft

Das passt dazu...

14 Comments

  • Reply
    Petra
    7. Juni 2017 at 13:50

    Liebe Carolin,
    da sprichst du mir aus dem Herzen. Die Sache mit den Lieblingsstücken ist so wertvoll. Leider nicht immer gut umsetzbar, denn die ganze Familie sollte es beherzigen. Wir (zwar beide berufstätig aber eher milde bezahlt, 4 Kinder, dennoch bio-fixiert und an Nachhaltigkeit interessiert) kennen die monetären Grenzen, die das Umsetzen der Ideale erschwert. Die Kinder wollen ja nicht immer unseren Bio-Idealismus mitleben. Zwei sind im pubertären Konsumrausch und finden es unvorstellbar, auf neue Handys, angesagte (und stets neue) Klamotten zu verzichten. Wir versuchen ihnen vorzuleben, dass Kleidung, z.B. neu kombiniert, auch zwei Jahre nach dem Kauf noch schick ist. Und dass die Dinge genutzt werden, bis sie kaputt sind und nicht nur deswegen ersetzt werden, weil das neue Modell herausgekommen ist. Auch wir Erwachsenen erliegen mitunter dem Schnäppchen-Verlockungen und kaufen Unnötiges (mit unfairem Preis). Das ist eigentlich die größte Gefahr: wenn man gern gleich ausgestattet sein möchte wie die anderen, dies aber eigentlich nicht finanzieren kann, dann kauft man Ramsch und wirft die Ideale über Bord. Da hilft nur immer wieder: alles ansprechen, die Familie aufklären und sich für ein gutes Gefühl hin und wieder ein Lieblingsstück gönnen und dieses dann viel streicheln.

    Danke für deine guten Gedanken!
    VG
    Petra

    • Reply
      Carolin Schubert
      8. Juni 2017 at 8:32

      Liebe Petra, vielen Dank für Deine wertvollen und ehrlichen Gedanken. Klar, meine Kinder sind ja noch nicht so alt, bisher ist vieles daher noch kein Thema. Auf der anderen Seite merken wir auch, dass gerade die ehrlichen Gespräche miteinander (wo kommt eigentlich die Kleidung her und wer muss die Wertmetalle für neue Handys abbauen) selbst kleinere Kinder sensibilisieren. Wichtig ist ja immer eine Offenheit, es bringt ja auch nie etwas, die Kinder mit der Keule zu zwingen. Dann werden sie verständlicherweise rebellieren und gerade das Gegenteil machen (kennt man ja von sich selbst :-p). Gerade in der Pubertät stell ich mir das manchmal sehr schwer vor!

  • Reply
    Tina
    7. Juni 2017 at 14:32

    Ja so ähnlich ist es hier auch. Studentin und Referandar mit zwei Kindern in einem kinderreichen beliebten Kölner Stadtteil.

    Das deutsche Existenzminimum liegt deutlich über dem, was wir monatlich haben. Die Wohnungsgröße, Miete und Ausgaben der Eltern im Umfeld oft bei dem Doppelten!

    Was wir haben investieren wir in Langlebiges, vieles gibt es gebraucht, ich nähe viele Klamotten und Gebrauchsgegenstände selbst, koche frisch und saisonal (das spart richtig Geld) und alle zwei Jahre Reisen wir (mit Zelt, dann reicht das Geld auch für vier Wochen).

    Manchmal hadern wir… wollen konsequnter in nachhaltige Produkte investieren, können aber nicht… aber ganz oft freuen wir uns, dass wir viele tolle, besondere, einzigartige Dinge um uns haben😘

    Weniger aber wertvoll💚

    • Reply
      Carolin Schubert
      8. Juni 2017 at 8:29

      Ich kann das so gut nachvollziehen, vor allem das hadern, weil man gern mehr im Sinne von nachhaltiger können möchte (mir geht es vor allem mit Kleidung so). Aber da sind wir – wie anscheinend Ihr auch! – immer sehr kreativ und haben schon so manche tolle Sachen am Ende erlebt <3.

  • Reply
    Katja
    7. Juni 2017 at 18:21

    Kann ich unterschreiben. Mein Männe und ich arbeiten beide (gewollt bzw. aus gesundheitl. Gründen) in Teilzeit. Ich bin froh, dass die Schulbetreuung nichts kostet, der Hund nicht so viel braucht und die Kids in der Schule noch nicht so viele Wünsche haben. Ich versuche zu haushalten und muss mittlerweile leider öfter mal nicht im Bioladen einkaufen… Aber als mein Kind mich letztens fragt, ob wir jetzt arm sind, weil Papa so wenig arbeitet konnte ich mit vollster Überzeugung antworten, dass wir zwar weniger Geld haben aber viel mehr Familienzeit als andere Mitschüler. Die haben zwar Handy, Spielekonsole und co. aber nen Papa oder Mama die nie da sind. Es ist auch eine ganz andere Wertschätzung, wenn man länger auf etwas gespart hat.

    • Reply
      Carolin Schubert
      8. Juni 2017 at 8:27

      Ja, Zeit empfinden wir auch als wertvoller. Ohne, dass wir dabei die anderen Familien abwerten wollen, schließlich hat jeder sein eigenes Modell (und es gibt ja viele Familien, in denen das trotz vieler Arbeit sehr gut klappt!). Aber genau das ist der Punkt: man kann entscheiden. Und diese Entscheidung hat eben Konsequenzen. Wir versuchen, immer sehr offen mit den Kindern zu reden, so dass jeder verstehen kann, um was es geht und vor allem auch seine Meinung einbringen kann. Ich will stets versuchen, meinen Kindern zu vermitteln, warum wir Dinge haben (oder eben auch nicht!), aber sie nicht mit meiner Überzeugung erschlagen. An der Sache mit dem Sparen ist jedenfalls definitiv was dran!

  • Reply
    Maren Abu Hani
    7. Juni 2017 at 22:44

    Liebe Carolin, nun habe ich noch mal meinen Computer hochgefahren um kommentieren zu können. Ich mag Deinen Blog und Deine Artikel und wenn ich auch nicht immer einer Meinung mit Dir bin, so finde ich doch mindestens die Themen, Deine Fragen und Überlegungen wichtig und interessant… wie auch bei diesem Artikel. Als Gedankenaustausch begriffen, hier meine Überlegungen: a) Es ist glaube ich klar, dass Du hier nicht über „wirkliche Armut“ sprichst. „Wirklich arm“ sein bedeutet für mich, neben dem finanziellen, auch ein Fehlen von Möglichkeiten, Perspektiven, Alternativen. Wer arm ist, der hat kein Geld, keine Zeit, keine Kraft zu wählen, der muss nehmen was er kriegen kann. Aber ich glaube auch, dass es Dir hier eher um „wenig haben“, „wählen müssen“ ging. b) Auch mit „bio-nachhaltig-und-fair“ lässt sich Markenzwang und Gruppendruck aufbauen. Als wir noch im links-alternativen Marburg wohnten, konnte ich mich dem manchmal schwer entziehen. Seinen eigenen Weg finden, seine eigenen Prioritäten setzten, nicht nur Kindern fällt das schwer.
    Deshalb freue ich mich immer von Deinem Weg zu lesen, als Inspirationsquelle, als Anstoss… ganz ohne Missions- oder Erziehungsneigung.
    Vielen Dank, Maren

    • Reply
      Carolin Schubert
      8. Juni 2017 at 8:25

      Liebe Maren, vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Mühe! Nein, echte Armut haben wir bisher nicht erleiden müssen und dafür bin ich extrem dankbar. Trotzdem glaube ich, dass Armut viele Facetten hat und gerade in einem reichen Land wie Deutschland gern übersehen wird. Weil sie so anders daher kommt, als man sich das gemeinhin vorstellt. Wichtig ist mir einfach, darauf aufmerksam zu machen, dass man 1. auch mit wenig Mitteln immer wählen kann, welche Werte man vertritt und wie man auch seine wenigen Mittel einsetzt und 2. dass die Bilder, die wir projizieren und zeigen (das trifft ja in starkem Maße gerade auch dann zu, wenn man Plattformen wie einen Blog oder Social Media-Kanäle bedient) nur ein Teil der Wahrheit sind. Und was eben dahinter steckt. Du hast absolut Recht, dass der Druck auch von anderer Seite kommen kann – sowohl von außen als auch von innen, von einem selbst (darüber werde ich auch nochmal einen Post schreiben). Es ist nicht immer einfach, da seinen Platz zu finden. Wir haben an dieser Stelle auch schon oft Menschen gehen lassen müssen, die mit einem Kompromiss (in beide Richtungen) nicht leben konnten.

      Übrigens haben wir auch über sechs Jahre in Marburg gelebt, mein Sohn ist dort geboren :-).

  • Reply
    Christine
    8. Juni 2017 at 12:13

    Hallo Caro,
    ich lese Deinen Blog schon sehr lange und folge Dir auch auf Instagram, bisher immer kommentarlos. Ich würde niemals auf die Idee kommen, Dich als arm zu bezeichnen. Du bist so kreativ, hast eine tolle Familie und eine so sympatische Art, Du bist doch reich an allem.
    Vielleicht seid ihr im Moment pleite, aber das kann sich doch jeden Tag ändern. Gehaltserhöhung, neuer Job oder was auch immer, das Finanzielle ändert sich immer irgendwie.
    Aber das, was Dich ausmacht und was Du bist, das bleibt für immer bei Dir und so viel „Reichtum“ haben viele Leute eben nicht, auch wenn sie finanziell besser gestellt sind.
    Ich bewunder Dich auf jeden Fall für Deine Kreativität und finde, das ist mit Geld absolut nicht aufzuwiegen.
    Und ich weiß, was Geldknappheit bedeutet, ich muss auch oft rumknapsen, damit ich zurecht komme.
    Ganz liebe Grüße und bleib wie Du bist
    Christine

    • Reply
      Carolin Schubert
      9. Juni 2017 at 17:16

      Liebe Christine, ich hab mich so über Deinen Kommentar gefreut! Vielen lieben Dank für Deine warmen Worte, die bedeuten mir sehr viel! Alles Liebe für Dich und Danke für Deine Treue als Leserin!

  • Reply
    dörte
    8. Juni 2017 at 13:01

    Liebe Carolin, ein sehr guter, zum Nachdenken anstoßender Artikel über ein Thema, welches mich seit Jahren hoch und runter beschäftigt. Wir wohnen in einem Hofprojekt, welches wir (vor allem die Kinder und ich) uns sehr gewünscht haben, welches auch – neben fordernder physischer und psychischer Arbeit – sehr schön und bereichernd ist, welches uns aber auch an unsere sehr engen finanziellen Grenzen treibt – oder oft genug darüber hinaus. Zum Einen mußten wir eine nicht unerhebliche Einlage zahlen (bei der wir aber Wahnsinnsunterstützung einer familiären gut betuchten Patentante hatten, danke!!), zum anderen ist die Miete echt hoch (wenn gleich verglichen mit den Umgebungspreisen gar nicht wirklich höher). Dazu das Schulgeld an der Waldorfschule, der Hund…. Mein Freund als Waldorflehrer und ich als angestellte Verkäuferin etc. in einem Ökokinderladen (dessen Klamotten ich mir seltenst leisten kann, haha) haben am Ende des Monats nix mehr, auch nix Gespartes. Das Geld kommt und ist schneller wieder weg, als man gucken kann. Und plötzliche große Ausgaben ziehen uns erstmal den Boden unter den Füßen weg. Trotzdem würde ich auch uns nicht als arm bezeichnen, wir haben dafür den Hof und den Kindern geht es gut. Und wir haben uns ja für Hof und Schule bewußt entschieden. Aber oft denke ich in letzter Zeit über Geld nach, vor allem, weil um uns herum auf dem Hof, aber auch so, viele so viel mehr Geld haben. Auf dem Hof fahren im Sommer alle ins Ausland, wir haben noch gar nix geplant, weil eigentlich kein Geld da ist. Und langsam fragen die Kinder über dies und das… Das Auto mußten wir abschaffen, zu teuer. Alle anderen hier haben sich gerade neue Autos gekauft. 😉 Achja, ich will immer gar nicht jammern, das nervt mich furchtbar, aber irgendwie häng ich schon das ganze Jahr durch. Und mir fehlt bisher die Kraft, neu und frisch durchzustarten. Zuviele Baustellen auf einmal. Obwohl ich überzeugt bin, dass – wenn ich endlich mal an einer Ecke anfange – der Rest auch nachzieht. Aber das ist hier ja gar nicht Thema. Außer- dass, wenn es einem ansonsten gut geht, Geld vielleicht nicht mehr die ganz große Rolle spielt. Es bedingt sich alles irgendwie gegenseitig in jede Richtung.
    Jammern auf hohem Niveau, wie man so schön sagt 😉
    Genug damit jetzt. Ich danke dir für deine wunderbare Seite, die mir soviel wert ist!
    Wir feiern am Samstag ein Fest, hinfort mit den Sorgen! Solltet ihr in Leipzig, genauer in Markkleeberg sein, kommt doch vorbei! 🙂
    Liebe Grüße
    Dörte
    Dörte

    • Reply
      Carolin Schubert
      9. Juni 2017 at 17:22

      Liebe Dörte, puhhh, ein ganz schöner Brocken, der da auf Deinem Herzen lastet! Ich kann Dich sehr gut verstehen, ich kenne all diese Konflikte zumindest von ihrem Wesen her mehr als gut! Weißt Du, mir ist gerade am letzten Wochenende etwas klar geworden und vielleicht kann ich Dir das als Impuls mitgeben. Idealismus, so wie Ihr in vertretet (und wir, wenn auch in etwas anderer Form, auch) ist eine gute Sache, denn er versucht, die Menschen und die Welt zu etwas Besserem zu machen! Aber Idealismus darf nie wichtiger sein als der Mensch. Eine Idee kann erst durch den Menschen umgesetzt werden, was nicht funktioniert, wenn die Idee den Menschen kaputt macht. So oft habe ich gedacht, dass ich nicht weiß, wie ich das alles umsetzen soll, was ich mit jeder Faser meines Herzens doch eigentlich will und woran ich glaube. Das Ding ist: am Wollen und Glauben ändert sich auch dann nichts, wenn wir unseren Idealismus an unsere Möglichkeiten anpassen.

      Ich wünsch Dir und Deiner Familie nur das Beste und vielen lieben Dank für die Einladung! Carolin

  • Reply
    Sabrina
    8. Juni 2017 at 16:28

    Liebe Carolin,

    Dein Blogbeitrag bringt es auf den Punkt. Es ist traurig, dass die Mehrheit der Gesellschaft Armut an dem Fehlen gewisser (Marken-)Dinge festmacht. Es gibt genug wissenschaftlich fundierte Berichte, in denen festgelegt wird, wo (materielle) Armut beginnt. Natürlich ist es nicht schön, wenn sich diese z. B. auf die Bildung unserer Kinder auswirkt. Andererseits kommt es aber auch auf unsere Bedürfnisse an – und da geht es zuerst um die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen (Essen, Hygiene, ein Dach über dem Kopf).

    Beruflich arbeite ich mit Menschen, deren Grundbedürfnisse keineswegs gesichert sind. Die tatsächlich arm in finanziellem, materiellen Sinn sind. Und doch haben sie andere Schätze vorzuweisen:
    Lebenserfahrung. Kenntnisse, auf der Straße zu überleben. Es sind wahre Lebenskünstler, die das Beste aus ihrer Situation machen. Das finde ich unglaublich bewundernswert.

    Auch wie Ihr zu Fünft mit Eurer persönlichen Situation umgeht, werte ich persönlich als ein Zeichen von großer Stärke. Denn Du machst Dir dennoch Gedanken. Um Werte. Um Nachhaltigkeit. Daher: meinen Respekt für Deinen Beitrag!

    Alles Liebe,
    Sabrina

    • Reply
      Carolin Schubert
      9. Juni 2017 at 17:15

      Liebe Sabrina, vielen Dank für Deine Gedanken zum Thema, ich kann mir gut vorstellen, dass durch Deine Arbeit Dein Blickwinkel nochmal ein ganz anderer ist. Was ich sehr spannend finde! Vielen Dank auch für Deine lieben Worte!

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