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Familie

Eine Liebeserklärung an meine kleine Schwester

Vor anderthalb Jahren schrieb ich diesen Post über meine Mama, eine öffentliche Liebeserklärung in Wort und Bild. Ihr habt damals so liebe Kommentare darunter geschrieben (auf die ich nicht geantwortet habe! Shame on me!), die sinngemäß enthielten, wie wichtig es ist, solche Dinge immer wieder deutlich und auch laut/öffentlich zu sagen. Oh ja, dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Letzte Woche war ich bei meiner Familie zu Hause, leider nicht zum urlauben, sondern um meine Eltern zu pflegen. Wie deutlich merkt man gerade in so einer Zeit, wie wichtig die Familie ist – Eltern wie Geschwister! Es ist keine einfache Sache, wenn sich Verantwortlichkeiten auf einmal umkehren und man über Dinge entscheiden muss, die bisher nicht im eigenen Aufgabenbereich lagen. Wenn man dann jemanden an seiner Seite hat, der einen stützt, korrigiert, tröstet, …ist das unbeschreiblich wertvoll. So eine Person ist meine kleine Schwester für mich.

Ich weiß noch wie heute, als meine Eltern mir und meinem jüngeren Bruder eröffneten, dass wir noch einmal ein Geschwisterchen bekommen sollten. Das war 1994, ich war 11, mein Bruder ungefähr 6 oder 7. Ich weiß auch noch, dass ich als mürrisch-unhöfliches Vorpubertier etwas sagte, für was ich mich heute noch ein bisschen schäme. Als es um die Namenswahl ging, war ich ziemlich entsetzt, dass meine Eltern sich ernsthaft für Luisa entscheiden wollten – so altmodisch? Ich glaube, die Alternative für einen Jungen war Florian und ich meine mich ebenfalls zu erinnern, dass ich insgeheim hoffte, es möge ein Bruder werden (…).

theblogbook.eu | Meine kleine Schwester

Kurz vor Weihnachten ging meine Mama dann, 10 Tage über Termin, ins Krankenhaus. Ich erinnere mich, dass ich meinen Bruder hütete und unser Papa uns versprach, dass wir das Weihnachtsfest nachholen würden, welches durch die Geburt völlig durcheinander geriet. Ich weiß noch, wie ich die Weihnachtsmänner im Wohngebiet umherlaufen sah und nicht wusste, ob ich traurig sein sollte oder nicht – schließlich hatten wir eine Schwester bekommen, die wir am nächsten Tag endlich das erste Mal sehen durften. Irgendwie ja auch ein Geschenk, wenn auch anders, als als Kind erwartet.

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An den ersten Besuch im Krankenhaus kann ich mich wiederum nur schemenhaft erinnern, an die spontane große Liebe dafür umso deutlicher. Da lag sie, ein kleines, sehr süßes Baby und machte unsere Familie komplett. Wir hatten bereits ein Geschwisterchen, welches jedoch nie das Licht der Welt erblicken sollte. Umso schöner, dass wir nun diesen Wicht in die Arme schließen konnten. Ich bin ein typisch erstes Kind und spürte damals schon die Verantwortung, die so ein kleiner Mensch bedeutete. Im Laufe der Jahre habe ich auch nicht nur einmal die Windeln gewechselt oder Brei gegeben. Ich habe meine Schwester in den Kindergarten eingewöhnt, sie abgeholt, wenn ich frei hatte und meine Eltern arbeiten mussten. Ich habe mir ihr gespielt und – im Gegensatz zu meinem Bruder 😉 – nicht besonders oft mit ihr gestritten, dafür war sie einfach immer zu klein.

Als ich heiratete und endgültig auszog, brach für meine „Kleene“ eine Welt zusammen. Sie weinte und meinte, nun würden wir uns nie wieder sehen. Was natürlich nicht passierte, ist ja klar! Natürlich veränderte sich unsere Beziehung und die Bindung zwischen ihr und unserem Bruder wurde sehr eng. Aber wir nahmen sie in den Ferien zu uns (und spielten ganze Abende Malefiz!), fuhren mir ihr und meiner Familie in den Urlaub und ich versuchte trotz allem, für sie da zu sein.

Heute ist sie meine beste Freundin, mit der ich die engsten und gleichzeitig zickigsten Gespräche führen kann. Keiner beherrscht die Kunst des Augen-Verdrehens so formvollendet wie meine kleine Schwester, die also tatsächlich den wunderschönen Namen Luisa trägt. Kämpferin, Kriegerin – all das bedeutet und ist sie. Eine Person mit einem starken und festen Rückgrat, welches sie schon ein paar Mal unter Beweis stellen musste. Zuletzt ganz aktuell, um unsere Eltern zu stützen. Und letzte Woche in manchen Momenten mich, als ich erkennen musste, dass sich manchmal auch bei kleinen und großen Schwestern die Verantwortlichkeiten umkehren. Wie konnte ich da ihren Wunsch abschlagen, die Kamera zu schnappen und schöne Fotos von ihr zu machen?

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Habt eine schöne Woche!

Eure Carolin

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26 Comments

  • Reply
    Danie
    28. Februar 2017 at 17:31

    Sooooo sooo schön!! Mir kullern die Tränen. Liebe Grüße Danie

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:42

      Ach Danie… Ganz, ganz dicken Drücker! :-*

  • Reply
    Stephie
    28. Februar 2017 at 20:15

    Eine wirklich schöne und vor allem ehrliche Liebeserklärung. Deine offenen Worte treffen ins Herz und du hast Recht, dass man so etwas viel öfter aussprechen und bekannt machen sollte. Doch tue ich mir mit der großen Öffentlichkeit oft noch schwer damit. Toll, dass du den Mut dazu hattest und nicht nur die richtigen Worte gefunden hast, sondern das ganze auch noch mit solch schönen und wertvollen Bildern eingerahmt hast!
    Ich kenne das Auf und Ab unter Geschwistern, das sich voneinander entfernen und wieder annähern. Es ist eben von den unterschiedlichen Lebensphasen geprägt und es ist schön zu sehen, dass ihr so eng zueinander gefunden habt!
    Liebe Grüße
    Stephie

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:42

      Ja, Stephie, da hast Du Recht. Je nach Phase ist man sich mal näher, mal weiter entfernt – das kenne ich zu gut! Und nicht jeder sagt gern alles laut und öffentlich. Ich finde das okay! Dafür gibt es ja andere wie mich, die das tun – und vielleicht dann doch mal ermutigen, über den eigenen Schatten zu springen. Jeder von uns gibt das, was er kann und will – und das ist schön so!

  • Reply
    Sonja
    28. Februar 2017 at 20:48

    Liebe Caro,
    Deine Schwester sieht Dir ähnlich! Ihr seid beide wirklich schöne Frauen, und ihr habt das gleiche freche Lachen! Wundervoll! Schön dass Ihr Euch habt, in schweren Zeiten ist das besonders wertvoll. Du kannst wundervoll fotografieren, und Du hast, (das glaube ich zumindest), Deine Schwester sehr gut getroffen. Ich bin mir ziemlich sicher, Du warst und bist eine tolle große Schwester! Schön dass Du über Deine Familie schreibst, und den Rest der Welt teilhaben lässt.
    Liebe Grüße,
    Sonja

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:41

      Liebe Sonja, vielen, vielen Dank für Deine so lieben Worte, über die ich mich riesig freue! :-*

  • Reply
    Andreas
    1. März 2017 at 6:32

    Luisa ist wahrlich einer der talentiertesten und intelligentesten Menschen die ich kenne. Du kannst sehr stolz auf die „Kleene“ sein.

    Geschwister zu haben ist etwas ganz besonderes.

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:40

      Da hast Du absolut Recht, Andreas und ich bin wirklich mehr als stolz!

  • Reply
    Ulla
    1. März 2017 at 9:10

    Was für tolle Frauen ihr seid. Den Post über deine Mama habe ich natürlich auch gleich mal gelesen ;-). Es ist schön so viel Liebe und Verbundenheit zu spüren. Das ist ja heute leider in den meisten Familien nicht mehr der Fall.
    Herzlichst Ulla

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:35

      Wow, danke für diese starken Worte, Ulla! Ja, sicherlich ist Familie heutzutage nicht immer leicht, deswegen finde ich es so wichtig, dass man gute Beispiele auch erzählt – weil das ermutigen kann. Hoffe ich zumindest!

  • Reply
    Ina
    1. März 2017 at 9:16

    Was für eine schöne Liebeserklärung (wunderbare worte) und toll dass ihr euch so gut versteht trotz dem grossen Altersunterschied:)

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:33

      Danke, Ina! Diese Altersunterschiede sind bei uns in der Familie irgendwie überall zu finden – und eigentlich hat es immer gut geklappt, okay, meistens :-p.

  • Reply
    Fabulatoria
    1. März 2017 at 9:50

    Was für eine schöne Liebeserklärung. <3 Auf den Bildern sieht man sofort die Ähnlichkeit ;o) Ih freue mich sehr für euch, dass ihr ein so tolles Verhältnis habt. Das ist nicht selbstverständlich und gerade schwere Zeiten innerhalb das Familie können auch leider zur Entfremdung führen. Ich bin froh, dass es nicht immer so ist!

    Liebe Grüße, Carmen

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:32

      Liebe Carmen, ja, da hast Du sicherlich Recht! Nicht jedes Band ist stark genug und schwere Zeiten können einen in jede Richtung verändern. Ich bin wirklich dankbar für meine Familie. Auch da ist nicht immer alles leicht, na klar! Aber die Liebe untereinander ist stark und echt! Liebe Grüße!

  • Reply
    Emma
    1. März 2017 at 10:38

    ohhh meine Caro…wie immer wunderschön geschrieben und man spürt wirklich das feste Band zwischen euch beim Lesen…
    Für alles andere drück ich dich ganz feste und hoffe alles wird gut ….. liebst emma

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:30

      Emma, tausend Dank! Es ist schön zu wissen, dass es überall Menschen gibt, auf die man zählen kann! <3

  • Reply
    Selmin
    1. März 2017 at 12:09

    Superschön, liebe Caro, danke für den Kloß im Hals;-) Als die Älteste eines schwesterlichen Dreiergespanns, hatte ich bei meinem Auszug von zu Hause und dem gleichzeitigen Umzug nach Köln auch sehr viel mit gebrochen Schwesterherzen (darunter an erster Stelle auch meins) zu kämpfen. Auch bei uns gab es eine Zeit, in der es unserer Mutter nicht so gut ging und ich weiß nicht, ob ich das ohne meine Schwestern so gut weggesteckt hätte. Ich drück Dich und wünsche Euch viel Kraft in dieser offensichtlich nicht so einfachen Zeit. Liebste Grüße, Selmin

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:29

      Liebe Selmin, vielen lieben Dank für Deine Worte, wie schön, dass Du so einen engen Familienzusammenhalt hast und auf Deine Schwestern zählen kannst! Ja, es gab sicherlich leichtere Zeiten, aber auch schwerere. Für die Dinge, die man tragen muss, bekommt man die Kraft geschenkt, daran glaube ich ganz fest. Einen dicken Drücker zurück! Caro

  • Reply
    Jenni
    1. März 2017 at 12:10

    Das ist wirklich wunderschön geschrieben!

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 12:27

      Vielen Dank, Jenni!

  • Reply
    Volle Lotte
    1. März 2017 at 16:17

    Was für eine tolle Idee! Soviel Liebe! Und ganz nebenbei… WAS ist das für eine tolle Tür!
    LG
    Silvia

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 17:13

      Vielen lieben Dank! Und die ist klasse, oder? Haben wir einfach auf unserem Spaziergang durch den Ort entdeckt! Ich hätte sie am liebsten gleich ausgebaut und mitgenommen ;-).

  • Reply
    Minza will Sommer
    1. März 2017 at 19:30

    Die Fotos sind wunderschön, Deine Schwester ist es, die Orte sind es, Dein Text ist Balsam. Ach, mein Herz bumpert… Abwechselnd war ich lesend mitfühlend bei Dir, Deiner Schwester, Deinem Bruder und Deinen Eltern. So ein Glück …. und nun die Schwere. Gemeinsam.

    Von Herzen alles Gute, viel Kraft für Euch!
    Liebe Grüße . Maren

    • Reply
      Carolin Schubert
      1. März 2017 at 19:53

      Liebe Maren, ich danke Dir von Herzen für Deine Worte!

  • Reply
    Sabine
    2. März 2017 at 21:06

    Liebe Carolin
    Was für eine schöne Liebeserklärung und schöne Bilder!
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie von Herzen alles Liebe und Gute und genug Kraft, um die schwierige Zeit gemeinsam zu bewältigen. Schön, dass ich das Wort „gemeinsam“ nicht extra betonen muss, das scheint ja bei Euch glücklicherweise bereits ausgeprägt zu sein!
    Liebe Grüsse, Sabine

    • Reply
      Carolin Schubert
      3. März 2017 at 10:58

      Liebe Sabine, das stimmt, das ist so. Natürlich trotzdem mit entsprechenden Herausforderungen – aber denen stellen wir uns am Ende auch gemeinsam.

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