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Nicht von der Stange

hooded denim dress

theblogbook.eu| stylebook no.1

Diejenigen unter Euch, die meinem Blog schon längere Zeit folgen, erinnern sich vielleicht an einen Post, den ich Anfang des Jahres, kurz vor unserem Umzug geschrieben hatte. Damals hatte ich über mein Stylebook-Projekt und über das Nähen eigener Kleidung generell resümiert und ein paar Schlussfolgerungen für mich gezogen. Damals hatte ich lapidar geschrieben, dass ich zwar weiter und mit Begeisterung meine Kleidung nähen würde, sich das Wie allerdings ändern sollte.

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Tatsächlich hat sich das Wie ziemlich grundlegend geändert. Die Begeisterung und Motivation allerdings auch. Aber fangen wir der Reihe nach an. Als aus meinem Hobby ein Beruf wurde, war Nähen nicht mehr nur etwas, was ich zu Entspannung und aus kreativer Laune heraus tat – ich verdiente damit auch einen (wenn auch kleinen, aber wichtigen) Teil unseres Lebensunterhaltes. Was Abgabetermine und einen gewissen Druck mit sich brachte, vor allem aber einen Rahmen, innerhalb dessen ich mich bewegen musste. Nun bin ich (leider?) nicht besonders gut darin, Dinge über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder und wieder zu tun. Ich brauche die Abwechslung, die Selbstbestimmung und vor allem die unbedingte Freiheit, auch mal Nein sagen zu können. Kleidung zu nähen, weil ich das musste, verlor für mich nach und nach seinen Reiz. Für die Dinge, für die ich außerhalb des Jobs Ideen hatte, fehlte mir die Zeit und irgendwann einfach auch Lust und Motivation. Der Punkt, an dem es endete, konntet Ihr dann also im oben verlinkten Post lesen – ich habe (mittlerweile eigentlich fast alles!) verkauft und über die letzten Monate diesen Berufszweig beendet. Meine Erwartung, dass dann die Begeisterung zurück kommen würde, wurde allerdings nicht so recht erfüllt. Ein paar einzelne Posts veröffentlichte ich zwar hier noch auf dem Blog, aber selbst diese fühlten sich irgendwie „gezwungen“ an (ich meine damit das innere Gefühl!).

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Eine Pause machen – das wäre hier, wie auch bei anderen Dingen – eine gute Idee gewesen. Sich Zeit lassen, mal alles beiseite stellen. Das habe ich vor allem nach dem Sommer versucht. Zwischenzeitlich habe ich sogar überlegt, all meine Nähmaschinen zu verkaufen. Mit meinen Stoffen habe ich es teilweise sogar getan, habe riesige Pakete gepackt und andere damit (hoffentlich) glücklich gemacht.

Ich habe immer wieder und wieder darüber nachgedacht, ob ich die Kleidung meiner Kinder und für mich selbst nähen will oder nicht. Ob ich zu meinem ehemaligen Hobby zurück kehren möchte oder nicht. Ich weiß nicht, ob es grundsätzlich so ist, dass die Professionalisierung einer Leidenschaft auch immer einen gewissen Verlust mit sich bringt? Auf alle Fälle ist es etwas, womit ich mich intensiv auseinander setzen musste. Kennt Ihr das vielleicht auch?

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Irgendwann wurde mir jedenfalls klar: ich liebe Kleidung, Mode und Styling, ich mag grundsätzlich gern nähen und shoppen kann und mag ich nur unter gewissen Voraussetzungen. Ich habe wieder angefangen, Blogs zu lesen, die sich mit handmade fashion befassen (ich schreibe das bewusst so, denn für mich unterscheiden sich diese Blogs wesentlich von denen der bunten Hobby-Nähszene), ich bin mit meinem Mann einen ganzen Tag nach Bremen gefahren und habe nichts anderes gemacht, als zu essen und Kleider einzukaufen (etwas, was wir wirklich schon Jahre lang nicht mehr gemacht haben), ich habe alles (!) aussortiert, was ich nicht 100% gern trage, was ich mir „vorher“ verbinde oder was aus irgendeinem anderen Grund negative Gefühle auslösen könnte (es war nicht mehr wirklich viel, aber trotz allem ein größerer Stapel als ich dachte), ich habe Artikel über capsule wardrobes gelesen und wie eine Verrückte auf pinterest gepinnt. Und auf einmal fielen alle Teile an ihren Platz. Der Zwang, der Druck, das Müssen – auf einmal war es weg. Ein Hobby war wieder ein Hobby – etwas, was mir Spaß macht, was ich tun oder auch lassen und vor allem so gestalten kann, wie ich es will. Mir war nicht klar, wie sehr das Thema Kleidung Nähen zu einem regelrechten Klotz geworden war – bis er endlich verschwand.

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Mein Blog ist für mich mittlerweile kein Nähblog mehr, sondern er beschäftigt sich mit einem persönlichen Lifestyle, den ich wahnsinnig gern teilen möchte (deswegen schreibe ich hier auch so offen über dieses Thema, denn ich hoffe, dass es vielleicht dem ein oder anderen hilft – völlig unabhängig vom Thema! – der sich vielleicht in einer ähnlichen „Zwangslage“ befindet). Und deswegen geht es hier nicht mehr um das Nähen an sich – sondern um Mode, die ich entweder kaufe oder nähe, die genau zu mir passt, mit der ich mich beschäftige, weil ich Formen und Farben liebe und das, was sie aus einer Person machen und die nachhaltig und sinnvoll aufeinander aufgebaut ist (Sätze wie „Ich hab endlich mal wieder ausgemistet“ finde ich nämlich eigentlich wirklich furchtbar, denn dann muss ich mich fragen: wie konnte ich nur so sinn- und gedankenlos konsumieren? Etwas, was ich nicht möchte!).

Herzlich Willkommen also im neuen stylebook. Natürlich wird es nicht immer so viel Text zu den Outfits geben – meistens aber wahrscheinlich schon, weil ich nun mal ich bin. Ich werde es auch nicht jeden Sonntag schaffen (dann nämlich, wenn ich einfach mal nein sagen mag), meistens aber schon, denke ich. Auf alle Fälle hoffe ich, Ihr seid mit dabei! Denn das mag ich am Bloggen ja nach wie vor mit am liebsten: die Vernetzung! Wie genau wir das machen können, schreibe ich Euch das nächste Mal!

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Habt einen tollen Sonntag!

Eure Carolin


zum Outfit

Kleid: Stoff von nosh organics über stoffbüro, Schnitt Else von schneidernmeistern;

Strumpfhose: Braintree

Strümpfe: Tommy Hilfiger

Tuch: Esprit

Schuhe: Crickit

Jacke: über TK Maxx

Das passt dazu...

15 Comments

  • Reply
    Sonja
    30. Oktober 2016 at 11:43

    Liebe Caro,
    Schön dass Du dich irgendwie immer wieder neu erfindest und Dir trotzdem eindeutig treu bleibst. Nicht immer hat man die Möglichkeit dass zu tun. Außerdem gehört auch eine Menge Mut und Selbstreflektion dazu. Ich wünsch Dir alles Gute! Sonja

    • Reply
      Carolin Schubert
      30. Oktober 2016 at 12:45

      Wow, danke für Deine Gedanken dazu! <3

  • Reply
    Monika
    30. Oktober 2016 at 14:39

    Liebe Caro,
    nun freu ich mich sehr, dass die Else diesen schönen Platz in deinem (stylebook) Blog gefunden hat. Ein wunderschönes Kleid, dass so denke ich, sicher nicht so schnell „ausgemistet“ wird.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Monika

    • Reply
      Carolin Schubert
      31. Oktober 2016 at 10:55

      Ganz definitiv nicht! Und so lange es gedauert hat (mehr als zwei Jahre? Wie peinlich!), umso größer ist zumindest jetzt die Liebe zum Schnitt ;-). Liebe Grüße zurück!!

  • Reply
    Katharina
    30. Oktober 2016 at 15:34

    Ob ich das kenne? Ja! Absout, denn mir ging es ziemlich ähnlich die letzten Monate und ich war teilweise echt genervt von den vielen Neuerscheinungen, mit denen ich auf diversen Kanälen „zugepflastert“ wurde. Ich habe dann einfach einiges nicht mehr aboniert und fand es zeitlich auch praktischer Kleidung im Laden zu kaufen, da ich sie auch anprobieren kann und ich nicht „für die Tonne“ nähe. Jetzt bin ich an dem Punkt, dass das Nähen wieder mein Hobby ist, dass ich es gerne mache und zwar dann, wann ich will und Zeit und Lust habe (oder die Kinderschränke plötzlich leer sind). Ich überlege nun gezielt, was will ich für wen aus welchem Stoff nähen und dann gehts los. Und da noch ein paar Zuschnitte bereit liegen, begebe ich mich jetzt an die Nähmaschine.

    • Reply
      Carolin Schubert
      30. Oktober 2016 at 16:32

      Ich denke, für viele, die es als Hobby betreiben, macht gerade die Vielfalt den Reiz aus. Neue Stoffe, neue Schnittmuster, neue Kombinationsmöglichkeiten – einfach viel, in dem man sich ausprobieren kann. Aber es gibt, wie bei allem, auch bei selbst genähter Mode ganz unterschiedliche Ansätze und Ansprüche und natürlich auch ganz unterschiedliche Menschen, die das alles beleben. Da musste ich mich wieder neu ausrichten!

      Ich wünsch Dir viel Spaß daran, Dein Hobby wieder neu zu entdecken!

  • Reply
    Diana
    30. Oktober 2016 at 15:38

    Sehr schön geschrieben und wieder so schöne Fotos!
    Herzliche Grüße, Diana

    • Reply
      Carolin Schubert
      30. Oktober 2016 at 16:32

      Vielen lieben Dank, Diana! :-*

  • Reply
    Stephie
    30. Oktober 2016 at 17:15

    Sehr interessantes Thema und so authentisch geschrieben! Ich kann das gut nachvollziehen, habe zwar das Nähen nicht zum Beruf gemacht und werde es auch nicht, doch blogge ich erst seit gut einem halben Jahr und es entwickelt sich alles so rasant, dass man sich oft einem „Veröffentlichungs“-Druck entgegen gesetzt sieht, plötzlich Abgabetermine für diverse Probenähen etc. einhalten muss und feststellt, dass die ganze Sache in Stress ausartet und man darüber hinaus viel zu viel näht, was einem evtl. gar nicht hundert prozentig gefällt, steht und zusagt. Auch ich stehe der Sache derzeit sehr kritisch gegenüber und möchte mein Hobby bewusster nutzen, es genießen können und mich auf die Wesentlichen Dinge konzentrieren, nicht den meisten Likes uns Clicks oder den tollsten Designern hinterherjagen, sondern einfach ich selbst sein und das auch repräsentieren!
    Schön, dass du zu diesem Weg gefunden hast und ich bin gespannt wieder mehr von dir zu sehen und zu lesen 😉
    LiebeGrüße
    Stephie

    • Reply
      Carolin Schubert
      30. Oktober 2016 at 19:40

      Ja, so etwas kann schnell zum Selbstläufer werden – das kenne ich gerade aus den ersten beiden Jahren meines Blogs zu gut! Deswegen schrieb ich im Text auch bewusst von Mode, da für mich das Thema erst durch viele Schichten interessant wird – und gerade diese Schichten haben mir gefehlt. Wichtig ist, dass man es – wie bei allen Lebensbereichen auch! – aus einer inneren Motivation heraus macht. Und diese sollte von Zufriedenheit, Glück, Freude und Leidenschaft geprägt sein, denke ich.

      Vielen Dank für Deinen Kommentar!

  • Reply
    Ani Lorak
    31. Oktober 2016 at 8:24

    Hallo, ich blogge nicht und nähe nur für meine Familie und mich, aber auch ich kenne das – verloren als Leserin auf Blogs, Stoffe gekauft, aber nicht vernäht. Zwischenezeitlich untergegangen, überlegt neue zu kaufen,,,, – Hach – das ist alles schwierig. Ich kann das gut verstehen und ja man sollte versuchen, dass zu tun, was man liebt und wenn ein Hobby Beruf wird, dann erst recht. Das Kleid ist toll und steht Dir gut. Ich bin gespannt, was folgt und versuche auch bewusster zu werden und es mir zu machen. Meine Tochter mit Ihren 7 Jahren ist da gerade klarer als ich…

    • Reply
      Carolin Schubert
      31. Oktober 2016 at 10:51

      Ja, wie so oft im Leben kann man von seinen Kindern viel lernen – meine Mädels sagen auch einfach: das gefällt mir und das nicht. Fertig ist die Kiste. Wenn es doch nur immer so einfach wäre, was? Aber versuchen kann man es!

  • Reply
    Sabine
    31. Oktober 2016 at 8:29

    Liebe Carolin
    Schön, Dein Blogpost. Deine Bilder. Dein Text. Sehr stimmig!
    Ich könnte auch nie mit Druck nähen, obwohl oder gerade weil ich es sehr gerne mache. Da kann es aber gut sein, dass die Nähmaschine eine Woche nicht angefasst wird, dafür in dieser Woche vier Bücher gelesen werden. Und in einer anderen Woche bin ich jede Nacht am nähen, weil ich grad weiss was ich nähen will.
    Ich wünsche Dir, dass Dir die Freude an Deinem neuen Weg erhalten bleibt… ich bleibe Dir auf jeden Fall treu!
    Lieber Gruss, Sabine

    • Reply
      Carolin Schubert
      31. Oktober 2016 at 10:53

      Vielen lieben Dank für Deine Worte! Und genau so, wie Du es machst, finde ich es richtig (zumindest dann, wenn es eben kein Beruf ist). Und die vier Bücher klingen ausgezeichnet! 😀 Ich freue mich, dass Du als Leserin hier bist.

      • Reply
        Sabine
        31. Oktober 2016 at 21:32

        Danke Carolin! Und ich freu mich über Deine Bücher, die Du jetzt bringen wirst!!

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