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Zuhause

Simple matters!

Statusreport neues Zuhause – das war das Stichwort meines letzten Posts. Tja, wo stehen wir denn so nach fast zwei Monaten im neuen Heim? Ich würde denken, objektiv gesehen haben wir schon eine ganze Menge geschafft. Subjektiv bin ich momentan eher etwas frustriert. Ich gedenke diesen Zustand durch Schreiben dieses Posts zu ändern – nur so zu Eurer Information. Das ist hier also völlig eigennützig.

the blogbook boys room makeover

Wieso ich also frustriert bin, ist die Frage. Nun, mein Mann sagte vor ein paar Tagen zu mir, ich sei eine absolut unstete Person. Und ich fürchte, darin liegt das Problem. Unstet ist nicht gleichzusetzen damit, dass ich kein Durchhaltevermögen hätte. Aber mein Kopf ist in der Regel immer schon zehn bis zwanzig Schritte vom eigentlichen Zustand entfernt. Und das ist – wohnungsmäßig – nicht viel anders als in anderen Bereichen. Während wir uns also diese Woche in kleinen mühsamen Schritten voran bewegt haben (Ihr wisst schon, die Sache mit „Der Tag braucht mindestens 48 Stunden“ und so…), war ich im Kopf schon fünf Kilometer weiter und am Ende völlig frustriert, dass irgendwie nichts, aber auch gar nichts fertig oder wenigstens annähernd gemütlich ist. Die Idee, mit leichtem Gepäck zu reisen (zur Erinnerung: unser Umzugsmotto), kam mir auf einmal ziemlich dämlich vor.

Das Meiste von dem, was mir mitgenommen haben, ist ausgepackt. Aber es sieht nicht danach aus! Mal abgesehen davon, dass an allen Ecken und Enden Möbel fehlen und man so ständig alle möglichen Dinge von a nach b schiebt, weil man sie nicht irgendwo hinein schieben kann, hatte ich auf einmal das Gefühl, nichts mehr zu besitzen. Und war mein Anspruch, mein großes Motto in Bezug auf unser Zuhause nicht, dass es ab sofort nichts anderes mehr als schön geben sollte?

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 Und dann las ich den letzten Blogpost auf travel.litlle.one – simple matters. Claudi fragt dort „Brauche ich etwas? Oder will ich es nur haben?“ Zack! Da hatte es mich erwischt – aber so richtig!

Denn genau das ist doch auch sonst mein Ansatz, etwas, womit ich mich immer und immer wieder beschäftige? Besitzen und es schön haben schließen einander ja nun wirklich nicht aus. Dabei ist ein essential life, ein Leben, was sich auf das Wesentliche konzentriert, was das Schöne im Kleinen und auch Einfachen feiert, etwas, was ich wirklich schätzens-, achtens- und vor allem umsetzenswert finde. Es ist der Lifestyle, den mein Mann und ich mit unserer Familie leben wollen, der, den wir mit unserem Neuanfang noch einmal ganz neu entdecken wollten.

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Ich komme also ins Grübeln. Während ich auf der einen Seite nach einem Lebensstil streben will, der sich entschlackt und mit leichtem Gepäck auskommt, bin ich auf der anderen Seite vollkommen frustriert über den Zustand, in dem ich lebe und schiebe es darauf, dass ich zu wenig schaffe und – jetzt kommt’s! – zu wenig besitze. Zeit, den Tatsachen ins Auge zu blicken: das ist das eigentlich Dämliche an der Geschichte!

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Ich versuche, das Gelernte in die Tat umzusetzen, zu Festigungszwecken sozusagen. Mein Übungsobjekt ist das Zimmer des Prinzen. Als er als unser erstes Kind zur Welt kam, war ich völlig mit der Tatsache überfordert, dass ich ihm so wahnsinnig gern die perfekte Umgebung geschaffen hätte, es aber nicht konnte. Mit perfekt meine ich im Übrigen ein stylishes Kinderzimmer, wunderhübsche Klamotten, sowas halt. Wir brauchen nicht darüber reden, dass das nicht die Dinge, die ein Säugling notwendigerweise braucht… Was ich damit aber sagen will: Kompromisse klingen immer so pädagogisch wertvoll, aber ich fand es von Anfang an einfach nur deprimierend, nicht das zu können, was ich doch so gern wollte, nur immer auf Bildern zu sehen, was ich auch gern umgesetzt hätte. Damals hatte ich so eine Ahnung davon, dass umgekehrt ein Schuh draus geworden wäre – nämlich meine Sicht auf das zu verändern, was ich tatsächlich brauche und möchte, anstatt nach dem Sehnen, was ich nicht habe, in der Annahme, dass es das ist, was ich brauche. Bei der Ahnung ist es irgendwie viel zu lange geblieben.

Da wäre ja nun ein leeres Kinderzimmer, so beinahe ohne Altlasten, der perfekte Ausgangspunkt, um endlich den Kompromissen ein Ende zu bereiten. Und das habe ich getan – nur anders, als ich selbst zunächst erwartet habe.

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Vor einigen Wochen mittlerweile schon bekam ich eine Anfrage des Onlineshops madeindesign.de, ob ich mir nicht eine Kooperation mit ihnen vorstellen könne. Klar, konnte ich! Ich überlegte hin und her, was ich mir aussuchen wollte und welches Zimmer ich gern bestücken würde. Und obwohl ich natürlich auch gern etwas Zeitloses und universell Einsetzbares haben wollte und grundsätzlich eine große Liebe für Design und seine soziologische Komponente hege, ertappte ich mich bei dem nicht gerade leisen Gedanken, dass ich dann ja nun endlich auch mithalten konnte. Endlich was Vernünftiges, endlich mal richtige Möbel – Vorzeigezimmer galore!

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Ich entschied mich für zwei Möbelstücke, das String Pocket nach einem Entwurf von Nils Strinning  in schwarz und den Container Compinibili von Kartell mit zwei Fächern in weiß, nach einem Entwurf der Designerin Anna Castelli Ferrieri. Als die beiden Stücke hier ankamen, war ich tatsächlich glücklich wie ein kleines Kind und auch etwas aufgeregt. Und meine Ahnung meldete sich lautstark zu Wort, dass die Wahl der Stücke – von ihrer Funktionalität und Ästhetik mal vollkommen abgesehen – nichts mit Vorzeigezimmer zu tun hatte, sondern mit dem Wunsch nach zeitlosem, entschlacktem Leben. Denn während ich so vor mich hin rumorte und alles für die Fotos vorbereitet, breitete sich das aus, was im Übrigen nicht nur die Intention solcher Möbelstücke ist: eine tiefe innere Ruhe und Zufriedenheit über den Wert einer essentiellen, schlichten Umgebung. Zunächst überkam mich nämlich die Panik. Ich wollte die ganze Zeit am liebsten überall Schilder aufhängen: da kommt noch das hin, diese Ecke ist nicht fertig, eigentlich sollte noch Objekt xy auf das Regal. Doch dann reihte ich die Dinos auf und hörte meinen Sohn, wie er mir mehrmals am Tag erzählte, was welcher von ihnen gefressen hatte oder andere Fakten, die ich mir nicht merken kann. Ich legte das Dominospiel – ein Werbegeschenk – und die kleine Armbrust hinzu und erinnerte mich daran, bei welcher Gelegenheit er sich dieses einfache Spielzeug ausgesucht und mit welcher Begeisterung er damit Korken im Garten verschossen hatte. Manchmal überkommt mich die Angst, dass unsere Kinder nicht genug haben könnten, wir ihnen nicht genug bieten können… Das Regal einzuräumen war da eine beinahe meditative Gegenmaßnahme!

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Ich sagte ja zu Beginn, dass dieser Post vollkommen eigennützig ist – und ich am Ende gedenke, meine Frustration zu überwinden. Und Tatsache, es hat geklappt! Ja, natürlich fehlt noch noch einiges im Zimmer und ich habe Euch ja letztlich gerade mal anderthalb Wände gezeigt. Aber allein diese anderthalb Wände reichen aus, mich daran zu erinnern, was meine Ahnung war, und haben mir geholfen, meine Sicht, auf das, was ich wirklich brauche, wieder gerade zu rücken. Dinge, die zeitlos sind; die einen Wert haben und diesen auch behalten. Dinge, die man braucht und sie genau deswegen besitzt. Dinge, die ihre Schönheit auch über die Jahre behalten können, weil sie in ihnen liegt und weil sie uns gut tun statt zu belasten.

Ich bin tatsächlich wieder ruhig geworden, mein Frust ist in sich zusammen gefallen. Stattdessen fühle ich mich so motiviert, wie seit dem kompletten Umzug nicht. Simple matters – es wird Zeit, die Ahnung weiter in Tatsachen zu überführen! Ich halte Euch auf dem Laufenden, wenn Ihr mögt.

Ich wünsche Euch einen tollen Start ins Wochenende!

Eure Carolin


*Vielen Dank an madeindesign.de für die tolle und geduldige Zusammenarbeit!*

P.S.: Vielleicht noch zur Beruhigung: ich gedenke nicht, bei jedem Post, in dem ich über unser Zuhause schreibe, so ins Eingemachte zu gehen. Obwohl… bei mir was man ja nie!

Und nochmal ich: eigentlich sollte der Post ganz anders gehen und ich wollte ich Euch free printable für die Kinderzimmerwand zur Verfügung stellen. Aber manchmal wollen die Worte eben eigene Wege gehen – das printable gibt es dann einfach nächste Woche, ja?

So, ich geb gleich Ruhe, versprochen. Eine Sache noch, Ihr wisst ja, dass ich ein leidenschaftlicher pinterest-Inspirationsholer bin und so gibt es auch ein Board für das Kinderzimmer meines Sohnes. Das findet Ihr hier: KLICK.

Das passt dazu...

1 Comment

  • Reply
    ninA
    29. April 2016 at 9:44

    Hallo Carolin !

    Ich kann dich so sehr verstehen. Ähnliche Gedanken habe ich ( jetzt nur noch ) ganz manchmal auch.
    Brauchen wir aber gar nicht , denn das Beste was wir geben können sind wir selbst 😉 Unsere Liebe, unser Vertrauen, unsere Ideen, Fürsorge, unser Lachen, unser Löwenmut ………..
    Ich bin mir sicher, das wusstest du schon. Ich wollte es dir nur nochmal leise sagen.
    Herzensgrüße von Nina

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