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Nicht von der Stange

5 Tipps für selbst genähte Kleidung

Vor knapp einem Jahr habe ich einen langen Post darüber geschrieben, was ich mir in Bezug auf nachhaltige, selbst genähte Mode wünsche und ich habe mein Stylebook-Projekt angefangen. Und irgendwie dachte ich mir, dass es mal an der Zeit ist, ein Resümee zu ziehen.

Mein Ziel war damals, mir selber eine Basis zu schaffen, mich nicht nur nachhaltiger zu kleiden, sondern auch stilsicherer und bewusster zu nähen. Und wenn ich mich so durch die vielen Posts klicke, dann bin ich wirklich erstaunt, wieviel ich tatsächlich genäht habe! Und was noch viel erstaunlicher ist: wie wenig davon mittlerweile in meinem Kleiderschrank hängt! Wenn es hoch kommt, dann bin ich vielleicht bei einer Hand voll Teilen! Hab ich also mein Ziel nicht erreicht? Alles nur leeres Gerede?

Am Wochenende habe ich einen virtuellen Flohmarkt veranstaltet und einen riesigen Berg an Kleidern verkauft. Es hat nicht mal eine Stunde gedauert, da war beinahe alle leer gefegt (damit hätte ich wirklich nie gerechnet – der Server von blogger offenbar auch nicht, denn der hatte zwischenzeitlich arge Schwierigkeiten ;-)). Natürlich habe ich mich riesig gefreut, denn es macht mir den Umzug leichter und andere glücklich. Aber zwei Sachen sind mir auch hängen geblieben und haben mich zum Nachdenken gebracht. Zum einen wurde die Frage gestellt, ob ich all die liebevollen und mit viel Arbeit verbundenen Kleidungsstücke denn nicht (mehr) mögen würde. Sicherlich eine berechtigte Frage, umso mehr, wenn ich mich durch meine eigenen Posts klicke und lese, dass ich hin und wieder von Lieblings-Outfits schrieb, die nun neben mir, verpackt und adressiert, auf ihren neuen Besitzer warten. Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich war und bin selbst teilweise etwas erstaunt. Ja, ich mag die Sachen alle! Es sind großartige Stoffe, tolle Schnitte und insgesamt wunderschöne Teile! Aber sie sind einfach nicht mehr richtig für mich. Ich glaube, mein Geschmack hat sich im Laufe der Zeit so stark geändert, ohne, dass ich das wirklich hätte manifestieren können. Wenn ich in meinen Schrank schaue, hängt da – mit wenigen Ausnahmen – vor allem eins: uni. Was nicht heißt, dass ich keine Muster mag – oh, und wie ich das tue! Aber anscheinend haben sie – zumindest in meiner Garderobe – gerade eine Pause.

Was mich zum zweiten Punkt führt. Eigentlich ein echtes Kompliment! Denn ich wurde mehrmals auf meinen Stil angesprochen, der Euch anscheinend wirklich gut gefällt. Das ehrt mich und zeigt mir, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe. Denn es war stets mein Ziel, Stoff und Schnitt in der mir bestmöglich umsetzbaren Kombination zu zeigen – sei es die Situation der Aufnahme, die Kombination mit gekauften Kleidungsstücken, anderen Mustern oder Farben. Ich musste nun erstmal inne halten und mich fragen: wieviel ist denn nun wirklich mein Stil, wenn ich beinahe alles verkauft habe? Ich will nicht allzu streng mit mir sein, denn hier gilt wie oben auch: Geschmack kann sich schließlich ändern. Ich habe jedoch jede Menge gelernt beim Nähen meiner Kleidung und nachdem ich auch danach gefragt wurde, habe ich gedacht, ich lass Euch einfach noch ein paar Tipps da. Ich weiß, dass sich viele entweder gar nicht getrauen, für sich selbst zu nähen oder unsicher sind, wo genau sie ansetzen sollen – schnitt- und stofftechnisch. Aber es lohnt sich wirklich – auch, wenn sich der Geschmack mal ändern sollte ;-).

*Wenn man noch nie für sich genäht hat, ist es ratsam, mit etwas Einfachem anzufangen. Gar nicht so sehr wegen des Könnens, sondern weil sich beispielsweise ein Shirt am einfachsten mit etwas vergleichen lässt, was man im Kleiderschrank hängen hat und was einem gut passt. Denn zunächst gilt es ja, erst einmal heraus zu finden, was für ein Typ man ist!

*Womit wir schon beim nächsten Punkt wären: die Schnittmuster! Den Zahn, dass jeder alles nähen und sich anziehen kann, zieh ich Euch am besten gleich! Was in der Modeindustrie vollkommen normal ist (ich bin mir sicher, Ihr könnt auf Anhieb 2-3 Shops benennen, bei denen Euch beinahe alles oder aber auch gar nichts passt, oder?), wird der Schnittmustererindustrie gern mal vorgeworfen. Jeder hat eine unterschiedliche Statur und unterschiedliche Ansprüche. Und es ist vollkommen normal, dass man zunächst ein wenig herum probieren muss, bis man so „seine Labels“ gefunden hat.

*Wenn das dann der Fall ist, sollte man meiner Meinung nach auch einfach dabei bleiben. Der Markt ist riesig und leider nicht immer mit Professionalität gefüllt (eigentlich auch keine Überraschung, ne?). Es ist schön, Neues auszuprobieren und kennen zu lernen und es gibt universale Typen, die in beinahe alles reinpassen. Wenn Ihr dazu gehört, dann wird es nicht so problematisch werden, aber wenn Ihr eh Schwierigkeiten habt, Eure Form zu finden, dann bleibt auf alle Fälle bei dem, was gut sitzt! Drei Ordner voll Schnittmuster machen nicht automatisch einen gut gefüllten Kleiderschrank!

*Sucht Euch Stoffe aus, die Ihr wirklich schön findet und die vor allem erwachsenentauglich sind! Es gibt unglaublich viele, wunderschöne Stoffe. Aber ein Design für Kinder sollte vor allem von Kindern getragen werden. Jaaaaaaaa, ich weiß! Das kann jeder machen wir er will. Richtig! Und die Geschmäcker sind da natürlich völlig verschieden. Aber solltet Ihr selbst genähte Schrankleichen besitzen, dann wette ich, dass vielleicht der Schnitt nicht an Euch saß oder aber sehr wahrscheinlich der Stoff einfach nicht der Richtige war – zu bunt, zu stark gemustert, zu kindlich, die falsche Farbe… Na, hatte ich Recht?

* Und zum Schluss: achtet drauf, dass die Kleidungsstücke zu dem passen, was Ihr sonst so tragt. Was habt Ihr zum kombinieren da, was zieht Ihr am liebsten an und was würde dazu passen? Ein Kleiderschrank voll selbst genähter Shirts nützt ja auch nichts, wenn man keine passenden Hosen oder Röcke dazu hat.

Auf meinem Blog konntet Ihr das ja über die letzten drei Jahre mitverfolgen: ich habe auch  ausprobiert, viel versucht und verändert. Das, was ich im letzten Jahr hier so gezeigt habe, war ziemlich genau meins. Ich weiß, welche Schnitte mir stehen, wie ich sie verändern muss, wie ich sie kombinieren kann. Ich weiß, welche Farben mir stehen oder was ich dazu tragen muss, damit es an mir gut aussieht. Ich würde sagen, das Stylebook war also trotz der verkauften Sachen und meines leeren Schrankes ein voller Erfolg für mich. In Zukunft wird sich viel bei mir ändern, auch, was das Nähen von Kleidung angeht. Aber trotzdem hoffe ich, dass ich Euch weiter inspirieren und ermutigen kann, Euren eigenen Stil zu finden.


Dieser Post enthält Werbung.*

Stoff: Glitzersweat anthrazit-gold über lillestoff*, sowie Unijersey meliert grau, ebenfalls über lillestoff

Schnitt: MAaira von ki-ba-doo, noch nicht erschienen!

Hose: Esprit

Das passt dazu...

3 Comments

  • Reply
    Sanni
    9. Februar 2016 at 14:18

    Ich mag es wirklich sehr wie du schreibst. Und ich finds klasse, mit welchem kritischen Auge du deine Werke betrachtest. Ich bin gespannt, was zukünftig weiterhin auf deinem Blog passieren wird.

    Liebe Grüße

    Sandra

  • Reply
    19nullsieben
    9. Februar 2016 at 14:52

    Liebe Carolin,
    ich stimme dir da voll und ganz zu! Vor allem in dem Punkt, dass man, wenn man mal seine Labels gefunden hat, dabei bleiben soll. Ich habe in den letzten Monaten auch festgestellt, dass ich am liebsten bewährte Schnitte nähe, da weiß ich, dass mir die Stücke gefallen und auch passen. Und langweilig wird's trotzdem nicht, finde ich!

    Hier habe ich kürzlich darüber geschrieben: http://19nullsieben.blogspot.co.at/2016/01/2015.html

    Und zu den Stoffen: Ja, da teile ich deine Meinung auch! Ich vernähe für mich am häufigsten unifarbene oder geringelte (weiß mit einer Farbe) Stoffe. Mein Kleiderschrank enthält auch nicht wahnsinnig viele Farben, dafür aber solche, die mir stehen (Danke an meine Farbberaterin 😉 Und ich bemühe mich auch, in Outfits zu denken und zu nähen. Also gleich Hose/Rock, Shirt und Pulli oder Tuch oder Haube dazu! Und so entstehen dann auch oft gleich mehrere Stücke in einer Farbe, denn wenn ich einen blauen Rock habe, zu dem nur eines meiner Shirts passt, dann ist das unpraktisch. Also am besten gleich 2,3 passende Shirts und ein Pulli oder eine Weste dazu.

    Ich könnte noch ewig weiter schreiben! 😀

    Also danke für eine Inputs und Anregungen! Das ist ein spannendes Thema, das mich sicher noch länger beschäftigen wird!

    Liebe Grüße, Selina

    • Reply
      Carolin Schubert
      11. Februar 2016 at 9:38

      Liebe Selina,

      vielen Dank für Deine Gedanken zu dem Thema und die Tipps, die Du noch parat hattest! Deinen Post schaue ich mir nachher gleich mal an!

      Liebe Grüße,
      Carolin

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