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Familie

Rollenspiele: heute darf ich mal die Mutter sein!

 „Ich bin die Tierärztin und Du bist das kranke Pferd!“ „Nein, ich will aber ein Hund sein!“ höre ich es aus dem Zimmer meiner Mädchen schallen. Kein seltenes Spiel hier, mit durchaus kreativen Variablen, auf beiden Seiten!

Rollenspiele sind wichtig, das lernen wir aus jedem noch so küchenpsychologischen Erziehungsratgeber. Sie tragen maßgeblich zu Empathie und Reflexionsvermögen bei, da sowohl das eigene als auch das Verhalten des anderen ein ständiges Agieren und Reagieren ist. Es geht um die Anwendung dessen, was man kennt und um das Erlernen der Dinge, die einem fremd und neu sind; die uns durch das Spiel in einer untypischen Situation herausfordern.

 Natürlich wissen wir die Kinder, dass sie keine Tierärztin, kein krankes Pferd und auch kein erkälteter Hund sind (wobei ich es wirklich erstaunlich finde, mit welcher Intensität und welchem Durchhaltevermögen sich Kinder in diesen Situationen befinden und ausharren!) und reagieren manchmal ziemlich entrüstet auf meine albernen „Na, wer bist Du denn?“-Fragen. Kinder haben einen erstaunlich gut funktionierenden, inneren Selbstanzeiger. Zumindest wahrscheinlich, so lange sie aus einem stabilen, emotionalen Umfeld kommen (wobei das jetzt auch Küchenpsychologie ist, denn ich weiß genau, dass das keine Garantie ist. Genauso wenig wie jedes Kind mit schwierigen Voraussetzungen automatisch an emotionaler Verwirrung leidet!).

Es ist ja nun keine bahnbrechende, wissenschaftliche Erkenntnis, dass all diejenigen, die erwachsen sind, selbst einmal Kinder waren (erstaunlich, nicht wahr?!). Wie kommt es also, dass wir als Erwachsene so oft nicht mehr wissen, wo genau unser innerer Anzeiger steht? Wie kommt es, dass wir nicht mehr zwischen Fiktion und Realität, zwischen Rolle und Sein unterscheiden können?

Vor allem, wenn es um die Frage der Elternschaft geht, könnte die Kluft nicht gravierender sein. Ganz ehrlich: wie oft habt Ihr schon den Terminus „Mutter-Rolle“ benutzt? Wie oft geht es in Blogposts, Artikeln, Zeitschriften, Netzwerken und Büchern darum, dass wir als Mütter die gleichen Rechte hätten wie Männer; wie wir als Frauen Selbstverwirklichung und Muttersein unter einen Hut bekommen; welches Modell nun das richtige ist: Hausfrau oder Karrierefrau; ob Frauen mit Kindern, die arbeiten gehen, Rabenmütter sind; wie oft werden Begriff wie Fulltime-Mom, Mompreneur, Hausfrau, Karrierefrau etc. gebraucht?

Die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen.

Die Frage nach der Gleichberechtigung mag angesichts der Schwierigkeiten, mit denen sich die feministischen Geschichte konfrontiert sah, berechtigt sein, aber dann doch nicht zwischen Mutter und Mann! Denn das sind keine gleichwertigen Parameter. Und gibt es eigentlich auch Bücher für Väter zum Thema Kinder haben und Selbstverwirklichung? Und bin ich, sobald ich Kinder bekommen habe, nicht mehr ich selbst? Offensichtlich nicht.

 Mutter zu sein scheint nach wie vor DAS beliebteste Rollenspiel unserer Gesellschaft zu sein. Denn nur so ist es für mich zu erklären, dass wir permanent versuchen zu ergründen, wie dieses Spiel funktioniert, wie eigentlich seine Regeln sind, wie man selbst und der andere zu agieren hat. Ist das jetzt richtig oder doch eher das andere? Welche Mami spielt ihre Rolle am besten, am überzeugendsten, am umfassendsten? Ja, genau spielt! Denn nichts von all dem, über was in diesem Konsens diskutiert wird, beschreibt doch das MutterSEIN.

Ich denke also bin ich, stellte Descartes einmal fest. Ich habe ein Kind, also bin ich Mutter. Ich habe ein Kind, also bin ich Vater. Was daran ist eigentlich eine Rolle? Was daran kann man spielen? Ist das Kind weg, wenn ich arbeite? Hört mein Muttersein auf, wenn ich Unternehmerin bin? Bin ich als Mutter nicht mehr 32, dunkelblond, und heiße Carolin? Mag ich deswegen keine Schokolade mehr oder bin ein Morgenmuffel oder heule bei Liebesfilmen wie ein Baby?

Der Text heute ist nicht fertig, nicht zu Ende gedacht. Er ist kein lang recherchierter Artikel (der kommt noch; hoffe ich…), sondern erst einmal eine Feststellung, eine Verortung. Vielleicht ein Anfang für ein gemeinsames Gespräch. Nach dem Motto: Ich bin eine Mutter. Und was spielen wir heute?

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Eure Carolin


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Bluse: Schnitt: Mina von ki-ba-doo*; Stoff über Nähwahna

Stiefel: Bisgaard

Strumpfhose: Tchibo

Jacke: über TK Maxx

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3 Comments

  • Reply
    blaugelbgemischtes
    26. Januar 2016 at 20:48

    Interessant! Ja, es ist tatsächlich ein vielfach diskutiertes Thema. Vielleicht vor allem, weil es kein richtig und falsch gibt? Sondern ganz viele verschiedene Wege, aber grad bei unseren Kindern und vor allem mit unseren Kindern wollen wir doch DEN richtigen Weg gehen.
    Für mich ist das Thema momentan hochaktuell, denn ich bin im letzten Jahr Mama (mag mich selbst nicht als Mutter bezeichnen) geworden. Das hat so einiges verändert! Aber ganz schnell ist mir zum Beispiel klar geworden, dass ich Mama bin, aber auch weiterhin ich selbst. Ich mag mich nicht nur über mein Kind definieren. Das weiterhin viel über Gleichberechtigung in der Elternschaft diskutiert wird, finde ich total wichtig! Da ist weiterhin noch überhaupt nicht genug passiert. Schon allein, wenn man sich anschaut wie die Elternzeit in Deutschland organisiert ist.. Ja, das Thema Muttersein/ Elternschaft ist ein weites Feld. Ich bin gespannt auf weitere Beiträge von dir in diese Richtung. Ich werde demnächst einen Beitrag zu meinen Erfahrungen im schwedischen System schreiben.

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    Ani Lorak
    29. Januar 2016 at 9:07

    Interessant. Bin auf weitere Ausführungen gespannt. In den letzten Mutter-Kind-Spielen war die Mutterrolle nicht so gefragt. Weder unsere Tochter noch Ihre Freundin wollte Mutter sein, also waren beide Schwestern und die Mutter tot. Ich lass das unkommentiert. Wer bin ich und wieviele? Als Frau mit Kind doch mindestens Frau, Mutter und bei Partnerschaft: Geliebte, Freundin, Berufstätige oder nicht… Feauen selbst sind sich nicht grün in Ihren Rollen: Rabenmutter vs Vollzeitmami… Hach, Du merkst auch ich habe dazu viel zu sagen…

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    Tanya
    29. Januar 2016 at 12:36

    Ja, was spielen wir den heute?
    Die Kinder wechseln ihre Rolle im Stundentakt oder können die gleiche Spielrolle über Tage beibehalten. Wobei wir unsere Rolle dauernd ändern. He nach dem wo wir sind und mit wem. Frau macht sich so ihre Gedanken wie sie ihr Leben leben will und was sie ihren Kindern vermitteln will. Und kaum ist das Kind da wird alles anders als man denkt. Für mich wurden öffentliche Spielplätze zum Horror. Mit dem 2 ten der Job gekündigt. …und ich denke auch mit dem 4ten Kind steh ich noch nicht drüber. Dass man, egal wo man ist oder was man tut, beäugt wird, begutachtet, sortiert, eingeordnet und kommentiert. Und man dann selber automatisch in diese Rolle verfällt oder sich aus einemBauchgefühl genau diametral dagegenstellt und verdrehte Augen kassiert … Ich glaube wir können tun oder lassen was wir wollen. Das Wichtigste ist wieder zu lernen unsere eigene Rolle zu finden, oder zu wissen wann wir eine Rolle spielen und wann nicht. Wie war es denn dann als wir noch keine Mamas waren?

    Liebe Carolin, danke dir für deine wundervollen Texte und Gedankengänge – du hast mich gerade dazu angeregt meine Gedankengänge etwas auszuformulieren…😉

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