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Das Leben als solches

Das Leben als solches #28 [Das is so!]

Es ist neulich abends, ich liege in der Badewanne, während mein Mann die Kinder ins Bett bringt (Das is so!). Als alle dorthin verladen sind, wo sie ab halb acht hingehören, bekomme ich sogar noch – umgeben von jeder Menge wohlriechenden Badeschaumes – eine Fußmassage (Echt!). Plötzlich schreit der Kobold. „Papa, komm mal“! „Nein, jetzt nicht“, schreit der Mann zurück. Daraufhin der Kobold „Doch, jetzt komm mal!“ Während mein Mann zurück brüllt „Ich will jetzt aber nicht!“, versuche ich zu vermitteln (ich sehe sowohl die erholsame Wirkung meines Schaumbades als auch das Andauern meiner Fußmassage in akuter Gefahr!) und rufe etwas gemäßigter zurück: „Wieso sollen wir denn kommen?“ Daraufhin der Kobold: „Weil das eben so ist!“

Als ich in die Familie meines Mannes eingeheiratet habe, habe ich gleich zu Beginn verschiedene Dinge gelernt, die mein bis dahin bekanntes Weltbild in seinen Grundfesten verändert haben. Beispielsweise, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig Hefeextrakt aufs Brot schmieren. Oder dass es tatsächlich Leute gibt, die keine Schokolade mögen. Und wenn ich sage keine, dann meine ich K.E.I.N.E. Für mich bis dahin unvorstellbar! Und ich lernte einen Satz; man könnte ihn wohlwollend als Familienmantra bezeichnen. Der Satz lautet: Das is so.

Vor anderthalb Jahren gab es einen Song von Revolverheld, den ich ja nie so richtig verstanden habe. Da gab es diese seltsame Textzeile „Hinter Hamburg, Berlin oder Köln, hör’n die Menschen auf, Fragen zu stell’n.“ Mal abgesehen davon, dass mir das nach dem Gebrauch eines Dichtungs-Generators klang, habe ich nie ganz verstanden, wo genau hinter Köln, Berlin und Hamburg liegt. Und warum ausgerechnet dort die Menschen keine Fragen mehr stellen. Seit neulich abends habe ich auf beides eine, nein, DIE Antwort! Das ist keine geografische, sondern eine soziodemographisches Angabe, man versteht das nur nicht gleich (Das is so. Echt!). In diesem besungenen hinterstädtischen Utopia leben nämlich nur Menschen, die verstanden haben, dass die Aneinanderreihung dieser drei Worte das Genialste seit Erfindung der Sprache ist! Absolute und totale Entspannung und keine nervigen Fragen mehr! Das is so!

Ich will da hin, dringend, sofort! Stellt Euch ein „Land“ vor, auf dem Ihr der Supermarktkassiererin, die darauf besteht, dass noch drei Cent fehlen, einfach sagen könnt: das is so, Euch umdreht und mit Euren Einkäufen nach Hause geht! Oder wenn Euch einer darauf hinweist, dass die Socken nicht zur Hose passen oder der Pullover einen Fleck hat und Ihr gelassen antworten könnt: Das is so! Oder meine allerliebste Vorstellung: wenn die Kinder über das gekochte Essen mosern und genervt schreien, warum es schon wieder Gemüse gibt und Ihr einfach sagen könnt: Das is so! Beam me up, Scotty! JETZT!

Leider wurde das Beamen noch nicht erfunden und Utopia heißt wohl nicht umsonst so. Denn das Dumme an Sätzen wie „Das is so“ ist die relative Verhandlungs- und Kommunikationsunfähigkeit. Heißt: für die Kassiererin geht die ganze 3 Cent-Geschichte bei weitem nicht so positiv aus wie für einen selbst (und rechnet man Polizei und unerfreute Supermarktleitung hinzu, wahrscheinlich nicht mal das) und natürlich war es neulich Abend dann vorbei mit der Fußmassage. Das Geheimnis ist nämlich, dass man die drei Worte zuerst sagen und schneller als sein Kind sein muss. Sonst hast Du verloren. Oder bist zumindest um Deine Entspannung gebracht worden. Das is so!

Das passt dazu...

10 Comments

  • Reply
    piepeundsnutz
    22. Januar 2016 at 11:41

    Super geschrieben und ein Grinsen auf's Gesicht gezaubert 🙂 Das is' so !

  • Reply
    Petra.......die sticklady
    22. Januar 2016 at 12:48

    Tja wenn es so is, dann is das eben so, kann man sich alles davor auch schenken…is so 😉 Schmunzelgrüße Petra

  • Reply
    Katarina
    22. Januar 2016 at 15:42

    Liebe Carolin,

    wie wundervoll deine Zeilen wieder klingen! Du ziehst mich mit deinen Texten immer wieder mitten in das Geschehen hinein, so toll, das is wohl so!
    Bei diesen drei Wörtchen kam mir unser Familien-Mantra in den Sinn 😉 Hier hört man schon mal öfter "das gehört so" 😉

    Hab es fein, du Liebe ♥

    Herzliche Grüße
    Katarina

    • Reply
      Carolin Schubert
      23. Januar 2016 at 13:05

      Na, das freut mich aber sehr, das höre ich immer gern!

  • Reply
    Stange and ich
    22. Januar 2016 at 16:55

    👍🏻👍🏻👍🏻 mehr kann ich dazu nicht sagen.

  • Reply
    Fee ist mein Name
    22. Januar 2016 at 18:32

    Prinzipiell ist "das ist so" ja Ausdruck argumentativer Unfähigkeit oder auch des hintergründigen Wissens eigentlich nichts zu sagen zu haben. Deine Variante ist abe auch irgendwie nett. Führt nur auch in eine kommunikative Sackgasse leider ;)!

    • Reply
      Carolin Schubert
      23. Januar 2016 at 13:06

      Oder das ist so dermaßen genial, dass man damit quasi alles, was es nicht zu sagen gibt, gesagt hat. Ha! (Ich fürchte aber, in Deinen Worten steckt mehr Wahrheit. :-D)

  • Reply
    Dörte Drangmeister
    24. Januar 2016 at 16:55

    Endlich mal jemand, der öffentlich über die Wunderlichkeit von Hefeextrakt schreibt. Da hilft bei mir auch kein "das is so", ich find es auch einfach unvorstellbar, dass man sich das freiwillig aufs Brot schmiert. Und genau wie du kenn ich das durch meinen (West- 🙂 ) Freund, vorher dachte ich nämlich, dass man Hefeextrakt in Essen lieber umgeht.

    Ansonsten ist "das is so" natürlich unschlagbar. Mein Freund wird sich freuen über meine 'Neuentdeckung'. Dafür darf er auch weiterhin Hefeextrakt essen.. und ich verdrehe nur heimlich meine Augen (und meinen Magen).

    Eine schöne neue Woche!

    Und ein Hoch auf Fußmassagen. (Hej…ich weiß, was ich meinem Freund nachher mitteile…ich brauche mal wieder eine Fußmassage, denn das is so…)

    Dörte

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