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Geschichten erzählen

Die dicke Katze.

In einem an den Wegesrand geduckten Häuschen mit großen Fenstern, einer roten Tür und sieben Schornsteinen wohnte eine dicke Katze, die für ihr Leben gern Tee trank. In ihrer heimeligen Küche gab es hunderte und aberhunderte Dosen und Töpfchen voll mit Früchten und Kräutern, an denen sie nur allzu gern schnupperte. Die dicke Katze hatte natürlich auch eine Vorliebe für schönes Teegeschirr und sammelte es in so großen Mengen, dass es – zu schiefen Türmen aufgeschichtet – einen ganzen Schrank füllte. Oft stand sie davor und freute sich an dem farbenfrohen Bild, welches all die Tassen, Teller und Kännchen zusammen ergab.

theblogbook.eu | Die dicke Katze

Jeden Morgen, jeden Nachmittag und jeden Abend ging die dicke Katze in ihre heimelige Küche, setzte den Kessel mit dem angeschlagenen Schnäuzchen auf den großen alten Herd, ließ das Wasser aufkochen und suchte sich – passend zur Halskette – einen Tee heraus. Anschließend nahm sie das alte Silbertablett, welches schon ihre Oma benutzte und auf das sie Kanne, Tasse und Zuckerdöschen stellte, mit auf ihre Fensterbank, wo sie, in ein flauschiges Kissen gekuschelt, entweder den Tag begrüßte, ihm zuschaute oder ihn verabschiedete.

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Die dicke Katze war eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben. Sie hatte ein schönes Häuschen, das sie liebte. Sie besaß 100 Halsketten, aus denen sie jeden Tag eine heraussuchen konnte. Und wenn sie alle getragen hatte, konnte sie wieder von vorn beginnen und es wurde nie langweilig. Sie hatte die größte Teesammlung des ganzen Weges, an dem sie wohnte. Und darauf war sie zurecht stolz. Aber eine Sache fehlte ihr doch hin und wieder – eine Freundin, mit der sie gemeinsam auf den Tag geschaut und aus einer Tasse Tee geschlürft hätte.

Einmal hatte die dicke Katze überlegt, für ihre Nachbarn eine Teeparty zu veranstalten. Doch begann sie, sich zu sorgen: was, wenn den anderen der Tee nicht schmeckte oder sie gar ihre Nase rümpften? Was, wenn ihnen das Teegeschirr nicht gefiele oder sie gar eine ihrer liebsten Tassen aus Unachtsamkeit zerbrechen würden? Der Gedanke daran machte sie so traurig, dass sie sich schließlich nicht getraute, jemanden einzuladen.

Manchmal öffnete sie ihr Fenster und hoffte, der Duft ihres wunderbaren Tees würde Neugierige an das geduckte Häuschen am Wegesrand mit der roten Tür und den sieben Schornsteinen locken. Sie stellte sich vor, wie sie anklopften und fragten: „Dicke Katze, was ist das für ein wunderbarer Duft, der da aus Deinem Häuschen strömt?“ Und die dicke Katze würde voller Freude ihre Dosen und Töpfchen und schiefen Tassentürme im Schrank zeigen.

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Mittlerweile war es Winter geworden und vor dem Fenster des geduckten Häuschens am Wegesrand, mit der roten Tür und den sieben Schornsteinen schneite es kugelrunde Flocken, die aussahen, als hätte der Himmel sich ein gepunktetes Kleid übergezogen. Die dicke Katze saß, mit einem besonders dicken Schal um den Hals und einer besonders dicken Tasse Tee in ihren Pfoten auf der Fensterbank und schaute sich das Gestöber an. Plötzlich klopfte es zaghaft an der Tür. Davor stand ein sehr dünner und sehr zerzauster Kater. Die dicke Katze fragte verwundert: „Wo kommst Du denn her? Und warum sitzt Du nicht im Warmen?“ Der Kater klapperte mächtig mit den Zähnen, so kalt war ihm. „Ich habe eine weite Reise hinter mir. Leider brach der Winter herein, bevor ich mein Zuhause erreichen konnte und nun weiß ich nicht, wo ich unterkommen soll. Darf ich mich bei Dir ein bisschen aufwärmen?“ Die dicke Katze war sich nicht ganz sicher, was sie davon halten sollte, aber da ihr an der offenen Tür nun selbst entschieden zu kalt wurde, nickte sie und ließ den sehr dünnen und sehr zerzausten Kater herein.

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„Was riecht denn bei Dir so wunderbar?“ fragte er und reckte seine Nase in die Luft. „Ich habe Tee gekocht!“ sagte die dicke Katze „mit Zimt und Orangen.“ Von Tee hatte der sehr dünne und sehr zerzauste Kater noch nie etwas gehört. Und so zeigte ihm die dicke Katze all ihre Dosen und Töpfchen, und mit Staunen stand der Kater vor den bunten schiefen Tassentürmen und legte zart seine Pfoten an das Glas des Schrankes. Die dicke Katze nahm eine ebenso dicke Tasse mit besonders dicken schwarzen Punkten heraus und stellte sie auf ihr Tablett. Sie goss Tee hinein und holte für die Fensterbank ein zweites, flauschiges Kissen heran.

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Gemeinsam saßen sie dort, die dicke Katze und der sehr dünne, sehr zerzauste Kater, tranken ihren Tee und verabschiedeten den Tag. Wie schön das Leben sein konnte, dachte die dicke Katze zufrieden.


*Dieser Post enthält Werbung.*

Stoff: tekatten nach einem Design von kluntjebunt über lillestoff* (dort nicht mehr direkt erhältlich, aber bei einigen Einzelhändlern; einfach in der Suchmaschine eingeben)

Schnitt: Basic Winterkleid von ki-ba-doo

Das passt dazu...

13 Comments

  • Reply
    SunGirl
    24. November 2015 at 8:28

    Ach Caro, ich beneide dich um dein Schreibtalent! Mach doch mal ein eBook mit Kurzgeschichten! Das wäre doch mal was! LG Sandra

    PS: Die Bilder und deine genähten Werke so grau mit dem roten Backstein im Hintergrund sind einfach genauso bezaubernd!

  • Reply
    petitmariette
    24. November 2015 at 8:35

    Was ein süße Geschichte. Zusammen macht doch alles viel mehr Freude. LG Alex

  • Reply
    Anonym
    24. November 2015 at 9:18

    Du bist einfach der Hammer! 🙂

  • Reply
    Alice
    24. November 2015 at 9:35

    Eine süße Geschichte mit wunderbaren Fotos. Von Deinem talentierten Model ganz zu schweigen.
    Danke, dass Du uns das zeigst!

  • Reply
    Caro
    24. November 2015 at 10:48

    Was für eine wunderschöne Geschichte – da schmeckt mein Tee doch gleich nochmal so gut, wenn ich dabei Deine Zeilen lese!
    Herzlichen Dank!!

  • Reply
    Petra.......die sticklady
    24. November 2015 at 11:09

    Ist das schön! So voller Liebe in Szene gesetzt, ja ein entsprechendes E-Book könnte ich mir auch sehr gut vorstellen!
    LG Petra

  • Reply
    LieseLotteFriedrich
    24. November 2015 at 16:47

    hach..auch wenn du es schon weißt..ich liebe deine posts!!Danke dafür!Liebe Grüße Tanja

  • Reply
    susalabim
    24. November 2015 at 17:44

    schöööööön!!!
    liebe grüße von susa

  • Reply
    Villa Sepia
    25. November 2015 at 12:22

    Schön die Geschichte, schön das Kleid, schön die Bilder. Das Fushia/Pink an Schuhe und Brillengestell machen die eher grauen Bilder ganz spannend.
    LG,
    Frau Sepia

  • Reply
    Ani Lorak
    26. November 2015 at 12:46

    Reihe mich ein. Wunderbare Geschichte. Schönes Kleid und tolles Kissen. Könnte jetzt aber statt Tee Kaffee gebrauchen. Lese sehr gerne bei Dir!!!

  • Reply
    Corinna
    1. März 2017 at 12:08

    So eine schön erzählt!
    Ich finde im Netz Geschichten schreiben übrigens auch viel cooler als promovieren 😉

    • Reply
      Corinna
      1. März 2017 at 12:09

      Und Sätze zu Ende schreiben noch cooler …

      • Reply
        Carolin Schubert
        1. März 2017 at 12:28

        Haha, beides unterschreibe ich sofort :-p. Vielen Dank!

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