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Familie

Schokokuchen und warum Bestechung außerordentlich gesund ist

Es trifft sich wirklich hervorragend, dass Constanze vom Blog Wieslotus mir vor einiger Zeit für einen dieser Blog-Awards folgende Frage stellte: Erziehen ohne Belohnen und Bestrafen – Traum oder mögliche Wirklichkeit? Denn: ich fühle mich seit wenigen Tagen in der Lage, diese Frage außerordentlich kompetent zu beantworten!

Und das kam so. Wie der geneigte Blogbook-Leser ja weiß, liebe ich meine drei Kinder außerordentlich und über alles – außer beim Essen. Denn da verwandeln sie sich in mäkelnde, beleidigende Motzmonster der übelsten Sorte. Ich habe ja schon hin und wieder mein Leid geklagt und auch darüber gesprochen, was ich so versucht habe, um dem unsäglichen Verhalten zu Tisch Einhalt zu gebieten. Von gar nicht Kochen bis hin zu „ich garstige Mutter zwinge Euch einfach“ war so ziemlich alles dabei. Der Erfolg war bisher eher mäßig, was entweder für mein mangelndes Talent als Erziehungsberechtigter spricht oder aber – und davon bin ich selbstverständlich felsenfest überzeugt: es war schlichtweg nicht der richtige Ansatz. Und der Erfolg der letzten Wochen untermauert meine These keksbodenfest!

Ich habe etwas getan, was man wahrscheinlich in keinem pädagogischen Standardwerk findet: ich habe meine Kinder bestochen. Mit Essen! Ganz nach der alten Schule. „Wenn Ihr die Rote Bete nicht wenigstens einmal probiert, gibt es keinen Nachtisch.“ Das Gemeine daran: der Nachtisch war in Form von Schokoladenkuchen schon im Ofen und es duftete in der ganzen Wohnung danach. Und was soll ich sagen? Es hat funktioniert! Der Kobold hat sogar ganze zwei Stücke in sich rein geschoben, um dann stolz zu verkünden, dass das überhaupt nicht schmeckt!

Um mal ein paar ernsthafte Töne anzuschlagen (und auf die Frage oben zurück zu kommen). Ich persönlich halte überhaupt nichts von einer Erziehung ohne Konsequenzen. Denn Belohnung oder auch Bestrafung – oder allgemeiner formuliert: die Tatsache, dass Handeln immer Konsequenzen hat, liegt in der Natur des Menschen. Anders herum gedacht, heißt das, dass die Annahme, der Mensch könnte nur aus sich selbst heraus bestehen, völliger Quatsch ist. Wir brauchen etwas, an dem wir uns messen können – sozusagen einen Kompass, der uns anzeigt, ob unser Verhalten richtig oder falsch ist. Ich weiß, dass es Leute gibt, die selbst mit diesen Worten nicht arbeiten wollen, aber wohin soll das führen? Ich kann meinem Kind sagen. „Ich möchte nicht, dass Du Deinen Bruder trittst.“ Tut es das doch, was ist dann die Konsequenz? Wenn das andere Kind sich wehrt, ist man noch aus dem Schneider und kann sagen, dass es ja nun am eigenen Leib erfahren hat, wohin solch ein Verhalten führt. Dabei hat es aber noch nicht verstanden, dass es hier ja nicht nur um das Zufügen körperlicher Schmerzen geht, sondern auch um die Art und Weise, wie man einen Konflikt lösen kann, warum körperliche Gewalt respektlos ist etc. Wenn das andere Kind sich nicht wehrt, hat man ein Problem. Denn nun lernt das eigene Kind bestenfalls, dass es Macht über andere hat, indem es seine körperliche Überlegenheit ausspielt – vor allem, wenn es auch sonst keine Konsequenzen von außen zu spüren bekommt (beispielweise, dass man als Elternteil nicht damit einverstanden ist).
Was ich mit diesem Beispiel nur sagen will: Belohnen und Bestrafen – so verallgemeinernd und sicherlich nicht ausreichend zutreffend diese Begriffe sind – sind in unserer Weltwahrnehmung nicht zwingend ein Zustand, den es zu überwinden gilt. Sondern den wir brauchen, um unser Potenzial auszuschöpfen. Wer bekommt auf seiner Arbeit nicht gern ein Lob für getane Arbeit oder sogar eine Gehaltserhöhung? Und wenn ein Kollege nicht die Konsequenzen spüren würde für ungebührliches Verhalten oder Schwänzen der Arbeit – wohin würde das einen Betrieb führen? Man kann Belohnen und Bestrafen gar nicht aus der Kindererziehung heraus lassen – denn sie werden schließlich alle zu Erwachsenen, die entscheiden sollen, was richtig und falsch ist – auch im Sinne eines Gemeinwohls. Dass Belohnen und Bestrafen selbstverständlich nie erniedrigend oder entwürdigend sein darf, dass es der Sache angemessen erscheinen muss, um tatsächlich Wirkung zu erzielen und dass es sich  nicht um ein Instrument der willkürlichen Machtausübung handelt, versteht sich für mich von selbst und ist natürlich eine Gradwanderung, bei der wir uns als Eltern immer und immer wieder selbst hinterfragen sollten!
Kommen wir mal zurück zum Kuchen. Ich habe meine Kinder also belohnt (ja, okay, bestochen. Aber belohnen klingt netter, oder?). Nur, um das vorn weg zu nehmen: ich würde meine Kinder nicht zwingen, etwas zu essen, was sie so wirklich überhaupt nicht mögen. Sie sollen schließlich ihr Essverhalten selbst bestimmen und auf die Signale ihres Körpers hören können. Meine Kinder sind allerdings auch nicht besonders experimentierfreudig und lehnen oft Speisen einzig und allein aus dem Grund ab, weil sie diese nicht kennen. Ich finde, da ist Bestechung definitiv erlaubt! (Rede ich mir jedenfalls ein; aber ich bin ja auch kein Pädagoge – hah!). Denn tatsächlich – ich kann es selbst kaum Glauben – haben wir realistische Erfolge zu verbuchen. Der Prinz hat beispielsweise gemerkt, dass man Paprika auch durchaus gekocht essen kann, ohne davon zu sterben. Etwas, woran ich nicht mehr geglaubt habe…
Um noch einmal kurz den ernsthaften Ton anzuschlagen: Belohnung kann also auch dazu führen, dass wir über uns hinaus wachsen und so eine Facette unserer Umwelt kennen lernen, die uns so verborgen geblieben wäre. Und wenn es nur der leckere Geschmack von geschmorter Paprika ist.
Eines hoffe ich allerdings. Und zwar, dass meine Kinder nicht allzu schnell heraus finden werden, dass ich es gar nicht übers Herz bringen würde, ihnen den Nachtisch zu verweigern. Im Bestrafen bin ich nämlich wirklich keine Leuchte!
So, und falls Ihr auch noch einen Bestechungs-Nachtisch-Kuchen braucht, der wirklich ratzfatz zusammen gerührt ist, dann habe ich hier noch das

Rezept

Zutaten (für eine Kastenform): 
200g weiche Butter
200 g Zucker (ein bisschen weniger reicht aber vollkommen aus)
5 Eier
200g Mehl
4 EL Kakao
1 TL Backpulver
Zartbitterschokolade
Zubereitung:
Backofen auf 180°C Umluft vorheizen
Butter, Zucker und Eier in einer Schüssel verrühren.
Mehl, Kakao und Backpulver vermischen – alles zusammen rühren, bis es einen cremigen Teig ergibt.
Schokolade grob hacken und unter heben.
Alles in die gefettet Kastenform geben und glatt streichen.
Auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten backen – fertig!
(Die Rezeptidee stammt aus dem Buch Schokolade, vom Zabert-Sandmann-Verlag, 2006. Ich habe es leicht abgewandelt.)
Ich wünsch Euch schon mal ein schönes Wochenende!

Eure Carolin

Das passt dazu...

8 Comments

  • Reply
    ElinaEinhorn
    20. November 2015 at 14:13

    Schön geschrieben und absolut wahr – und ich BIN Pädagogin und arbeite dazu noch in einer Erziehungshilfeschule. Ohne Konsequenzen und Belohnungen geht da gar nichts! Und so führe ich es auch daheim (auch ich habe ein immer größer werdenedes Motzmonster am Essenstisch, dem nahezu kein gekochtes Gemüse mehr schmeckt…). Manchmal durchaus mit schlechtem Gewissen (ich Rabenmutter), wenn es knallhart heißt, dass noch soundsoviel gegessen wird, sonst gäbe es keinen Nachtisch. Und das auch noch in einer bestimmten Zeit, sonst fallen die 20-30min Film schauen auch aus. Aber so langsam besser es sich, zumindest sitzt sie nicht mehr schimpfend und heulend am Esstisch, weil alle anderen schon fertig sind…

    LG
    Corina

  • Reply
    Anonym
    20. November 2015 at 15:57

    Gar nicht mein Ansatz 😉

    Wenn ein Kind ( ich habe auch drei) ein anderes tritt ( lange her, sie sind jetzt alle Teenies …), dann habe ich das getretene Kind getröstet.
    Und dem Treter dadurch signalisiert: schau mal her, hier ist jemand verletzt worden, der braucht jetzt Zuspruch, dem gilt jetzt erstmal meine volle Aufmerksamkeit und Empathie.

    Ich habe auch die Gefühle des Getretenen laut erfragt: Bist du erschrocken ? Jetzt bist du traurig … Usw.

    SO lernt der Tretende, Empathie zu entwickeln, was Kindern nicht automatisch mit in die Wiege gelernt wird.

    Er lernt zu begreifen, dass Fehlverhalten zum ( kurzfristigen) Ausschluss meiner Zuneigung führt und dass er die Gefühle des anderen verletzt hat, ohne, dass er selbst degradiert wird oder verurteilt ( zu was auch immer) wird.

    Ohne, dass ich als Mutter Strafen, Belohnen oder urteilende Konsequenzen ziehen muss.

    Es geht darum, den Kindern ihre Gefühle zu entlocken und sie zu empathischen Menschen zu erziehen.

    Sie sollen lernen hinzuspüren woher ihre Wut kommt usw.

    Ich übrigens nicht Pädagogin sondern Medizinerin und möchte meinen Facharzt in Psychiatrie machen und ich kenne mittlerweile sehr viele Psychiater die belohnendes und strafendes Erziehen als sehr kritisch sehen.

    Ja, es gibt Konsequenzen auf unser Verhalten im Leben.
    Aber es müssen nicht WIR Eltern sein, die diese Konsequenzen ziehen.

    Wer mehr über emotionale Kommunikation mit seinen Kindern als Erziehungsgrundlage lesen will kann ich die Bücher von Gordon " Familienkonferenz " etc empfehlen.

    Sind alte Klassiker, aber eine gute Basis.

    Über das Essensthema hatte ich ja auch schonmal was geschrieben 😉

    Ich bleibe dabei: Kinder sollten sich frei entscheiden können, was sie essen wollen – innerhalb der von DIR offerierten Optionen.

    Wenn es Rotebeetegemüse gibt, gibt es Rotebeetegemüse und wer es nicht mag – Butterbrot.
    Ohne Wut, ohne Bestechung, ohne Vorwürfe.
    Einmal die Woche darf sich dann ein Kind reihum was wünschen.

    That's it.
    Ende des Dramas 😉

    Lieber Gruss,
    Steffi

    • Reply
      Naebutikk
      21. November 2015 at 19:03

      Ein sehr guter Ansatz, liebe Steffi – der gefällt mir sehr!

      Liebe Grüße
      Katharina

    • Reply
      Anna-Lena Walther
      22. November 2015 at 7:54

      Danke, jetzt muss ich meine Gedanken nicht in Worte fassen ;-). So handhabe ich das auch.
      Ich unterscheide zwischen "natürlichen" und "unnatürlichen" Konsequenzen. Und zurück getreten werden ist sicherlich keine natürliche Konsequenz, sondern einfach nicht in Ordnung.

  • Reply
    Anonym
    20. November 2015 at 16:01

    Und entschuldigung für die Tippfehler, mal wieder nicht Korrekturgelesen vorm Lossenden …

  • Reply
    Ani Lorak
    20. November 2015 at 21:20

    Ich freue mich, dass Du meine Meinung prima wiedergibst. Stimme vollen Herzens zu und es gibt Kinder, die keine Empathie entwickeln und egal, man könnte trefflich darüber streiten. Wenn ich die Mütter (wohne unmittelbar am Spielplatz) höre, die zum xten Mal sagen oder leiern:"NIcht hauen Du weisst es doch." Leider sind das fast immer die Kids, die eine Metallschippe mithaben. Meine Kinder emfinden Empathie und kämen nicht auf diese Idee. Haben andere Macken ;-))

    • Reply
      Ani Lorak
      21. November 2015 at 19:50

      Mein Kommentar galt Dir. Den anderen langen teile ich nicht!

  • Reply
    Anonym
    24. November 2015 at 8:31

    Liebe Carolin,
    danke für deinen guten Blog, deine nachdenklichen Beiträge.
    Heute bin ich zum Kaffee eingeladen und backe gerade deinen Kuchen für uns zwei Frauen und die Kinder.
    Es freut mich die Freundin damit überraschen zu können!!! (Ich liebe schnelle unkomplizierte Kuchen.)
    Liebe Grüße,
    Katja

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