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Das Leben als solches

Das Leben als solches #27 [Haushalts-Origami]

Ich glaube ja an die unbedingte Aufgabenteilung in einer Partnerschaft, auch im Haushalt. Zum Beispiel Bad putzen. Eindeutig Aufgabe des Mannes hier! Staubsaugen auch, obwohl der Arme eine Hausstauballergie hat und das deswegen wahrscheinlich nicht die sinnvollste Verteilung ist. (Aber ich hasse unseren Staubsauger. Und so lange hier kein neuer steht, muss er da durch. So.)

Apropos sinnvolle Verteilungen: es gibt ja gemeinhin das Klischee, dass Männer für den Haushalt nicht unbedingt zu gebrauchen seien. Kann ich bestätigen (Bad putzen und staubsaugen ausgenommen). Nehmen wir beispielsweise mal die Geschirrspülmaschine. Wenn mein Mann für die Küche zuständig ist, muss ich mich regelmäßig fragen, ob ich tatsächlich die Küche betrete, BEVOR ich die Spülmaschine rauschen höre. Weil es nämlich sonst ebenso regelmäßig dazu kommt, dass ich das ganze Ding KOMPLETT wieder ausräumen muss! ich ertrage das Durcheinander darin einfach nicht. Nicht der Unordnung wegen, sondern ob des offensichtlich mangelnden Systems dahinter! Absolute und totale Platzverschwendung – und wenn ich das mal in aller Bescheidenheit so anmerken darf: wenn ICH die Spülmaschine einräume, passen auch die angeblich über gebliebenen Teller und Schüsseln noch hinein.

Mal ehrlich, es gibt doch hinlänglich bekannte und gut belegte Studien, die zeigen, dass die Gehirne  von Frauen und Männern tatsächlich unterschiedlich funktionieren. Demzufolge haben Männer ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen als Frauen. Das bezieht sich vor allem darauf, Gegenstände auch rotiert in ihrer ursprünglichen Form erkennen und zuordnen zu können, also einen Raum auch abstrahiert zu erfassen. Die Folge davon ist, dass Männer sich in der Regel besser in fremden Umgebungen orientieren können oder tatsächlich oft besser einparken. Wäre es denn dann nicht nur logisch, dass ein Mann, der über eben diese Eigenschaften verfügt, im abstrahierten Rotationsverfahren Teller, Tassen, Töpfe und Tupperschüsseln platzsparend in die dafür vorgesehenen Ritzen und Halterungen befördern kann?

Ich bin versucht zu glauben, dass bei uns in der geschlechtsspezifischen Entwicklung irgendetwas schief gegangen sein muss, wenn ich in unseren Geschirrspüler schaue. Ich recherchiere, was für Auswirkungen das haben könnte – so im speziellen und ganz global gesehen. Eine amerikanische Studien, die zwei Naturvölker in Namibia studierte, kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Ausprägung einer solchen Vorstellungskraft etwas damit zu tun hat, wie viel und wie weit Männer gewandert oder gereist seien. Denn die Männer, die nachweisliche das größte Gebiet bewanderten, hatten auch die meisten Kinder (zugegeben: mit mehreren Frauen, aber diesen Aspekt der Theorie lassen wir jetzt mal unbeachtet). Eine andere Studie belegt, dass die räumliche Vorstellungskraft etwas ist, was trainiert werden kann und durch soziale Rollengefüge über- oder unterentwickelt ist. Da Jungs in der Regel mehr mit Bausteinen, Lego etc. spielen als Mädchen, trainieren sie schon früh den Zusammenhang von Raum und Gegenstand.

Ich komme ins Grübeln. Wenn wir mal alle Kilometer zusammen zählen, die mein Mann und ich so „gewandert“ sind (keine Reisen, sondern zwischen den Orten, an denen wir uns zeitweise niedergelassen haben), dann kommt da schon eine beachtliche Zahl zusammen. Und da wir mit drei Kindern immerhin weit über dem deutschen Durchschnitt liegen (2013 war das eine zusammengefasste Geburtenziffer von 1,4 Kind pro Frau), scheint der Zusammenhang von Wanderung und Fortpflanzung nicht allzu weit hergeholt. Rechne ich hinzu, dass mein Mann als Kind ein fanatischer Legobaumeister war und diese Faszination ganz eindeutig an unsere Kinder weitergegeben hat (ja, auch die Mädchen besitzen Lego, aber nur unser Sohn ist tatsächlich ein wirklich echter Fan!) – dann haben die Wissenschaftlicher einfach nicht gründlich genug recherchiert und wir sind die berühmte Ausnahme. Oder… Oder aber, ich habe mich geirrt.

Nur, um diese Unwahrscheinlichkeit auszuschließen, habe ich meine eigene Testreihe durchgeführt. Mein Mann gegen mich – die Königin des Spülmaschinenorigamis! Eindeutig: ich bekomme mehr hinein, es sieht ordentlicher und systematisch angeordnet aus und lässt sich demzufolge auch viel besser reinigen. Sieg für mich! Ebenso eindeutig: die Fuhre, die mein Mann eingeräumt hat, ist sauber. Kein einziger Fleck mehr, alles blitzblank. Bei mir kann eindeutig nur die Spülmaschine kaputt gewesen sein!

Das passt dazu...

6 Comments

  • Reply
    SunGirl
    16. Oktober 2015 at 17:03

    Ich hau mich weg! Auch er ist für Bad und Saugen verantwortlich, aber: Bei uns ist eindeutig der Mann der König des Spülmaschinenorigamis! Ich merk mir auch bei der 10. Einweisung nicht ob die tiefen Teller jetzt hinten oder vorne besser sauber werden weil da ja der Abstand der Stäbe so und so gross ist und die Teller viel gerader im Gerät stehen. Ich höre immer den Satz: "Das ist eine Spülmaschine, da kommen keine Zwerge und putzen dein Geschirr. Nur da wo Wasser hinkommt wirds auch sauber!" 😉

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    Benni
    16. Oktober 2015 at 19:29

    Hey Caro, na das wundert mich aber, dass Dein Mann keine Spülmaschine bedienen ähh einräumen kann. Denn bei uns bin ich der Chef des Einräumens, jawohl! Meine Gattin versucht sich zwar auch immer mal wieder, aber da hab ich doch häufig, wenn auch immer weniger, Einwände. Frau lernt also auch 😉
    Meine Eltern hingegen haben die Effizienzfrage wohl noch nie gestellt, so viel Platz ist da immer drin… 🙂

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    freuleinmimi
    17. Oktober 2015 at 6:36

    Ich lach dann mal Tränen …..herrlich beschrieben :-))) bei uns sind beide für alles mehr oder weniger zuständig, wobei er noch um einiges ordentlicher & genauer ist, ausser die Abwaschmaschine, sein System gefällt mir auch nicht.

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    Freu-Zeit
    17. Oktober 2015 at 7:45

    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Genau so sieht's aus: mein Mann durch viele Umzüge weit gereist, wir haben 4 Kinder (obwohl ICH nicht so viele Kilometer geschafft habe :-)), er ist im ersten Beruf Tischler – und trotzdem kann er einfach die Spülmaschine nicht einräumen … Und für mich ist es ein echter Liebesbeweis ihm gegenüber, wenn ich mich beherrschen kann und nichts umräume, obwohl es mich wahnsinnig wuschig macht. Sind wir Frauen komisch? Oder liegt es an den Männern? Ich neige ja zu letzterem 😉
    Ich geh jetzt mal die Spülmaschine einräumen, ehe jemand anderes auf die Idee kommt …
    Liebe Grüße von Doro

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    mirjam
    17. Oktober 2015 at 18:28

    Hihi, super!! Diese Spülmaschinenfrage beschäftigt mich schon lange! Ich frag mich immer wieder, warum das räumliche Vorstellungsvermögen meines Mannes da so versagt und warum da immer wieder so viel Platz verschwendet wird, dass nicht alles reinpasst….Also das kann ich definitiv besser.
    Dafür kann er vieles andere gut, z.B. saugen und Bad putzen (denn auch bei uns sind das seine Aufgaben) 🙂
    Liebe Grüße und Danke für deine tollen Texte immer wieder!
    Mirjam

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    Fee ist mein Name
    3. November 2015 at 11:10

    Ich gebe zu: Hier ist der Mann der Spülmaschinenmaster. Was ich einräume, wird immer wieder umsortiert. Ich habe es aufgegeben. Echt wahr…

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