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Nachgedacht und aufgeschrieben

Über das Segeln auf Pfaden und Kreisen

Es gibt ja so Tage, die möchte man am liebsten vergessen und aus dem Kalender streichen. Und dann gibt es so Tage, an denen passiert so viel, vor allem Großartiges, dass man Mühe hat, bei Verstand zu bleiben und alles fassen zu können. So einen Tag hatte ich gestern. Gestern hat sich nach 13 Jahren ein Kreis geschlossen, einer, von dem ich schon lange nicht mehr dachte, dass er überhaupt noch  existent ist!

Sicherlich kennt Ihr den Ausspruch „Wer weiß, wozu das noch gut ist!“ Ich stehe diesem Ausspruch oft zwiegespalten gegenüber, vor allem natürlich in Zeiten, in denen eben nichts gut ist und man auch überhaupt keine Ahnung davon hat, wann sich dieser Zustand jemals wieder ändern wird. Und auf der anderen Seite bewahrheitet er sich immer und immer wieder! So wie gestern.

Ich würde das Leben als eine Mischung aus Kreisen und Pfaden beschreiben. Ein bisschen ist es wie bei Vektorzeichnungen. Auf der obersten Ebene sieht man die ganze Figur, bestehend aus unterschiedlichen, einzelnen Elementen, die zusammen genommen das vollständige Bild ergeben. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass jede Figur aus einzelnen Pfaden besteht. Manche enden an einem Punkt und manche gehen miteinander eine Verbindung ein. Jeder Pfad wiederum besteht aus einzelnen Punkten, die sich in beliebiger Anzahl auf den Pfad legen oder von ihm entfernen lassen. Natürlich verändert die Menge der einzelnen Punkte den Pfad in seiner Form und Beschaffenheit, manchmal so sehr, dass man das Ziel – das Ende des Pfades – nicht mehr genau erkennen kann. Was nichts an der Existenz dieses Endpunktes ändert. Und auch nicht daran, ob der Pfad von vornherein offen oder geschlossen angelegt ist. Vielleicht als Kreis.

Je reduzierter so ein Pfad ist (also je weniger einzelne Punkte auf ihm liegen), umso geradliniger verläuft er. Anfang und Ziel sind ohne oder durch nur wenige Stolpersteine miteinander verbunden. Aber jeder einzelne Punkt, den es auf dem Pfad – dem Weg – zu bewältigen gilt, gibt uns eine Erfahrung, einen Wert, eine Facette unseres Selbst mit und steigert so den Wert des Pfades: seine Formbarkeit, seine Vielfältigkeit wird größer.

Es gab oft Momente, in denen ich nicht mehr konnte. In denen ich geweint und geflucht habe über jeden neuen Punkt auf dem Pfad, den ich eigentlich gern verlassen hätte. Ich wollte keine Vielfältigkeit, keine Formbarkeit – ich wollte ein klar erkennbares Ziel vor Augen und die Gewissheit, dass am Ende der Pfad eine sinnvolle Form ergeben wird. Gestern habe ich es sehen können. Den Kreis, der so lange angelegt war!

 


Die Fotos sind für meine Kooperationen mit lillestoff und Bernina entstanden. Die Kulisse haben wir gewählt, weil sie einfach da war und cool aussah. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass sie die perfekte Untermalung meines Textes sind, auch, wenn sie *Werbung* beinhalten.

Rock:

Stoff: free von enemenemeins über lillestoff, diesmal in der Farbe grau meliert/schwarz

Schnitt: einfach selbst geschnitten; Ihr könnt Euch dazu entweder mein Freebook der rock. herunterladen oder bei Anita von grinsestern die Anleitung für einen 5-Min-Rock anschauen!

Jacke:

Stoff: belgischer Jaquard aus Bio-Baumwolle über mirarostock

Schnitt: Shrug aus BURDA easy HW2013, einen Link zu einem Tutorial findet Ihr in meinem Post zu dieser Jacke auf dem BERNINA Blog

Bluse esprit

Schuhe Deichmann

Das passt dazu...

17 Comments

  • Reply
    Rebecca
    13. Oktober 2015 at 15:47

    Der Text ist schön, und vor allem denke ich, dass er wahr ist. Früher dachte ich immer, dass der Satz komplett sinnlos ist, jedoch hat er sich für mich auch schon öfter bewahrheitet. Seitdem kann ich positiver denken und nicht alles so tragisch nehmen 🙂

    Liebe Grüße, Rebecca

  • Reply
    Ephrata Conrad
    13. Oktober 2015 at 16:21

    Wunderschöne Fotos und wunderschöne Carolin und wie immer ein toller Text. Ich mög es einfach

  • Reply
    Anonym
    13. Oktober 2015 at 18:03

    Liebste Caro,

    Danke für diese Allegorie. Aber obwohl ich weiss, dass du deine Texte von allen Seiten her prüfst und dir ganz genau überlegst was du sagst und was eben nicht, so bin ich doch traurig darüber, das nahe Ende des Kreises nicht genau zu kennen!
    Aber natürlich habe ich Verständnis für deine Privatsphäre.

    Ganz herzliche Grüsse Stephie

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Oktober 2015 at 12:03

      Liebe Stephie,

      ich weiß, dass das manchmal doof ist als Leser, weil man einfach gern mehr wissen möchte. Zum einen dank ich Dir für Dein Verständnis, zum anderen kann ich Dir aber sagen, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem ich deutlich erklären werde, was es genau damit auf sich hat. Dauert nur noch ein bisschen :-).

      Liebe Grüße,
      Carolin

  • Reply
    Gabriele Terwolbeck
    13. Oktober 2015 at 18:36

    Das macht ja nachdenklich. Ich wünsche Dir, das sich der Kreis ganz bald schließen wird!
    Alles Liebe
    Gabi

  • Reply
    Anonym
    13. Oktober 2015 at 19:05

    Schöne Gedanken !

    Frei übersetzt: der Weg ist das Ziel *gg

    Heisst es für dich, wenn sich dein Kreis in einer langwierigen Geschichte nun schliesst, dass etwas gut ausgeht ?
    Dass etwas Sinn macht, was lange sinnlos oder problematisch schien ?

    Ich wünsche es dir !

    Lieber Gruss,
    Steffi

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Oktober 2015 at 12:04

      Danke! Ja, es ist etwas gut ausgegangen. So gut, wie ich es nicht gedacht hätte!

  • Reply
    Tag für Ideen
    13. Oktober 2015 at 19:06

    Das klingt gut. Richtig gut, Carolin.
    Mein Mann lebt quasi nach diesem Satz… Er ist so ausgeglichen, kann jede Ungerechtigkeit die mich schier wahnsinnig macht mit diesem Satz "abtun" oder "ertragen" und macht mich damit ab und zu noch wahnsinniger ;-).
    Aber er hatte schon so oft recht "Alles kommt einmal zurück" und "Alles hat seinen Sinn". Es ist so.

    Schon so oft dachte ich, wenn du hier von schweren Zeiten geschrieben hast was euch wohl so "fuxt" und umso mehr freut es mich jetzt, dass "alles seinen Sinn hatte/hat".
    Ich wünsche dir noch mehr solche Tage die dir "positive Mühe" machen!!!
    Alles Liebe
    Veronika

    • Reply
      Carolin Schubert
      14. Oktober 2015 at 12:06

      Alles vielleicht noch nicht, aber das muss es ja auch nicht. Dafür manches, was wir umso mehr schätzen können! Danke für Deine lieben Worte! <3

  • Reply
    Annika
    13. Oktober 2015 at 20:16

    Freu mich, dass du so einen tollen Tag hattest und die Dinge ihren Sinn bekommen. Und dass du zusätzlich noch so schöne Bilder zeigst, macht den Post gleich noch toller 😉

  • Reply
    FRAU Liebstes
    14. Oktober 2015 at 9:25

    hach… total schön geschrieben.. <3 und wie wahr!! 😉

    liebste grüße
    claudi

  • Reply
    Silke B.
    14. Oktober 2015 at 19:50

    Das Outfit sieht so toll aus. Der Rockstoff in Kombi mit dem karierten ist genial! Steht dir super.
    Und die Location ist der Hammer…wo steht denn mal einfach so ein altes Paddelboot rum!! ??
    Ist echt ein toller Post geworden!
    Liebe Grüße
    Silke

  • Reply
    Naebutikk
    16. Oktober 2015 at 7:31

    Liebe Caro,

    ich freu mich, dass dein Kreis sich geschlossen hat und sich alles zum Guten gewendet hat.
    Genau dieser Satz: "Wer weiß, wozu das noch gut ist!" begleitet auch mich seit einer ganze Weile und war besonders in den letzten Wochen wieder sehr präsent, so sehr, dass ich in manchen Momenten wirklich am (Ver(zweifeln) war und dann kommt esplötzlich wieder anders und man merkt, es war doch für etwas gut.
    Spannend finde ich, dass mit der Einstellung, dass "es" für was gut ist man sich selbst auch verändert, anpasst, umdenkt, weiterdenkt, nicht aufgibt und vertrauen lernt – manchmal fällt einem das leicht und manchmal auch nicht.
    Alle Kreise haben sich bei mir noch nicht wieder geschlossen und manche sind auch noch weit davon entfernt. Doch es gibt auch immer wieder kleine Momente, die den Kreis Stück für Stück schließen und ich erlebe, dass es doch alles gut wird und für etwas gut war.

    Danke für den tollen Text – deine Fotos sind wunderschön und dein Outfit auch!

    Liebste Grüße
    Katharina

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