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Das Leben als solches

Das Leben als solches #24 [Alltagshelden]

Habt Ihr einen Kindheitshelden? Irgendeine Figur aus einem Märchen, Comic, einer Geschichte, die Ihr bewundert und Euch heimlich gewünscht habt, dass sie Realität wäre; dass Ihr sie durch irgendeine wundersame, aber im Traum oder in Eurer Vorstellung vollkommen logische Wendung des Schicksals trefft und Teil ihrer Geschichte werdet?

Habt Ihr Euch vielleicht schon mal gewünscht, berühmt zu sein? Vielleicht ein Schauspieler oder ein Entdecker, ein Forscher, Schriftsteller oder eine Prinzessin? Ein glamouröses Leben zu führen zwischen aufregenden Orten, interessanten Menschen und spannenden Abenteuern?

Ich kenne beides, das kann ich ohne Umschweife so zugeben. Gut, ich bin mit einer ziemlich ausschweifenden Fantasie gesegnet und Tagträume wie die beschriebenen fallen mir nicht nur leicht, sie sind ein ziemlich fester Bestandteil meiner Persönlichkeit, seit ich zurück denken kann. Als Kind kennen das sicherlich viele von Euch, denke ich mir. Mein Comic-Held war (und ist es immer noch – es gibt keinen besseren!) Spiderman, ich habe David Hasselhoff um sein super cooles schwarzes Auto beneidet, war schwer in Winnetou verliebt (und auch ein bisschen in Old Shatterhand) und habe mir später in aller Ausführlichkeit ausgemalt, wie es wäre, die Hauptrolle in einer Teenie-Schmonzette nicht nur zu spielen, sondern zu sein (und am Ende den attraktivsten Jungen der Schule zu küssen). Wehe, Ihr lacht – ich kann es genau hören!

Wenn ich ehrlich sein soll – die Träume nach einem aufregenden, abwechslungsreichen Leben haben nie aufgehört. Sie haben etwas ihren Inhalt geändert, sind mit mir erwachsen geworden; aber sie sind immer noch da. Ich hege immer noch den heimlichen Wunsch, entweder als überraschend talentierter Schauspielernachwuchs oder nobelpreisverdächtiger Autor entdeckt zu werden (Anfragen nehme ich SEHR gern entgegen, falls das hier irgendwer mit Einfluss lesen sollte!). Aber weil ich eben erwachsen bin – und nicht mehr ein romantisch verklärter Teenager – und mit den Jahren eine gewisse Erfahrung und Selbstsicherheit über mich gekommen ist, weiß ich zum einen, dass ich ein ziemlich miserabler Schauspieler wäre (dafür ein wirklich guter Regisseur, denke ich…), dass ich irgendwann ein Autor sein werde (wie nobelpreisverdächtig werden wir dann sehen) und ich weiß, warum ich diese Tagträume jenseits meiner überbordenden Fantasie habe: ich möchte etwas Besonderes sein. Ein Held, bei dem jeder Tag ein spannendes Abenteuer ist und selbst die stinknormale Langeweile zwischen Essen kochen, Bad putzen und abends halb ohnmächtig aufs Sofa fallen glamourös erscheint, dessen Bat-Höhle (jaaaaaaa, der schwarze Umhang ist eindeutig sexy) locker für eine Sonderausgabe von Schöner Wohnen reicht und der sich weder mit Wäschebergen, schreienden Kindern, unfähigen Behörden, kaputten Autos, körperlichen Unpässlichkeiten oder Kopfschmerzen herumschlagen muss. Und sehen wir der Wahrheit knallhart ins Auge: so ein Held bin ich nicht. In Folge dessen plage ich mich in aller Regelmäßigkeit mit wirklich ätzenden Durchhänger-Tagen (wie Anfang dieser Woche ganz aktuell geschehen) herum. Ich esse schlecht, sehe aus wie ein Zombie, mache nur die nötigsten Handgriffe, bin antriebslos und könnte mich am liebsten den ganzen Tag im Bett verkriechen, Schokolade essen und Filme kucken. Gut, das wirklich hohe Maß an Schlafmangel tut sicherlich sein Übriges, aber alles kann man eben auch nicht drauf schieben.

Ich las neulich einen Blog-Artikel, in dem es sinngemäß darum ging, dass man die Zeit seines Lebens immer jetzt verbringe. Und auch, wenn ich nicht alles so eins zu eins übernehmen würde, hat mir dieser Text doch zu denken gegeben. Ich hab mich gefragt, was einen wahren Helden ausmacht!

 Das dumme an der Heldenverehrung ist, dass man geneigt ist, immer nur auf das Ergebnis zu blicken: den besiegten Bösewicht, den erkämpften Reichtum, den gefundenen Schatz, den eroberten Jungen, das erlebte Abenteuer. Aber wird ein Held tatsächlich erst durch das Ergebnis zu genau dem? Oder nicht eher dadurch, dass er trotz aller Schmerzen, Rückschläge, Hindernisse, Gegner, Enttäuschungen und falschen Wege durchhält; das Ziel vor Augen hat und trotzdem im Hier und Jetzt lebt, ohne zu wissen, wie das Ende aussehen wird? Sich selbst treu bleibt und dabei über die eigene Person hinaus wachsen kann?

 An der Antwort arbeite ich noch!

 Kommt gut ins Wochenende,

Eure Carolin


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Die Fotos sind in Zusammenarbeit mit lillestoff* entstanden, für die ich den Stoff Superhelden aus der Feder von susalabim vernäht habe. Schnitt: Ottobre 1/2014, Schnitt no. 25

Das passt dazu...

10 Comments

  • Reply
    bunte freunde
    17. Juli 2015 at 11:51

    Freu mich, dass ich soeben deinen Blog entdeckt habe…du nähst wundervolle Sachen…habe gerade bemerkt, dass ich nun schon über eine Stunde begeistert deinen Blog lese 🙂
    Liebe Grüße
    Dagmar

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. Juli 2015 at 11:43

      Das freut mich außerordentlich zu hören! Herzlich Willkommen!

  • Reply
    susalabim
    17. Juli 2015 at 12:13

    hallo meine liebe,
    das ist -mal wieder- ein sehr schöner und wahrer text! ich mag deine art zu schreiben!
    und die superheldenkleider sind superklasse geworden, auch die farben, mal so und mal so, finde ich toll! und deine mädels sind ja eh sehr süß!
    hachz! mag ich! dicker drücker von
    susa

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. Juli 2015 at 11:44

      Danke, Susa! Du weißt ja, wie sehr ich Deine Arbeiten liebe! :-*

  • Reply
    Simone Scheiber
    17. Juli 2015 at 19:38

    Du bringst mich zum lachen, zum weinen und zum Nachdenken….
    Danke für deine besondere Art zu schreiben.
    Und deine Mäuse mit ihren bezaubernden Kleider sind zucker
    Ganz liebe Grüße von Simone

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. Juli 2015 at 11:45

      Vielen, vielen Dank! Es freut mich immer sehr, wenn ich lese, dass meine Texte andere so bewegen. Ganz liebe Grüße zurück!

  • Reply
    Astrid Ka
    17. Juli 2015 at 21:09

    Sehr schöne Fotos von deinen ausdrucksstarken Töchtern!
    LG
    Astrid

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. Juli 2015 at 11:45

      Vielen, vielen Dank – das ist ein wahnsinnig tolles Kompliment für meine Mädels!

  • Reply
    Kleines Rübchen
    18. Juli 2015 at 5:59

    Hallo Carolin

    Ich muss dir einfach mal sagen: deine Mädels sind soooo schön. Ich freue mich jedesmal wieder Bilder von ihnen zu sehen. Ich mag es auch wie du sie fotografierst. Da dürfen Kinder noch Kinder sein und keine lebendig gewordenen Schaufenster Püppchen.

    Bis bald
    Sabrina

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