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Familie

Willst Du mein Freund sein?

Es gibt ein Thema, das mich beschäftigt, seit ich Mutter bin – noch mehr, seit ich nicht nur eins, sondern drei Kinder habe. Und das ist das Thema Freundschaft unter Kindern.

Wenn ich so an meine eigene Kindheit zurück denke, dann hatte ich immer irgendwen zum spielen. Mit anderen in Kontakt zu kommen, fiel mir nicht schwer und ich hatte tatsächlich noch das große Glück der Unbeschwertheit, einfach nur auf die Straße gehen zu müssen – es war immer wer zu finden, mit dem man sich die Zeit vertreiben konnte. Nun sind die Zeiten heute anders, finde ich und Aufrufe à la „früher ging es schließlich auch“ sind angesichts von vermehrten Vermisstenanzeigen kleiner Kinder wenig hilfreich. Und doch: nichts würde ich meinen Kindern mehr wünschen, als diese unbeschwerten Tage, an denen man sich mit Freunden in Büschen und Hecken Wohnungen baute, auf den Rädern durch die ganze Stadt düste, bis zum Abendessen im Stadtbad abhing (ich hatte im Übrigen nie auch nur irgendein Schwimmabzeichen, nicht mal das Seepferdchen!) – und das alles mit Kindern, mit denen man nicht mal zwingend befreundet sein, ja, die man nichtmal unbedingt leiden können musste.

Seit der Minute, seit ich mich selbst Mutter nenne, werde ich nun den Verdacht nicht los, dass meine Kinder genau das nie erleben werden. Ja, dass das Thema Freundschaft generell ein wirklich schwieriges ist. Wir wohnen im Norden einer Kleinstadt mit ca. 50.000 Einwohnern, unsere Straße ist eine Sackgasse mit altem Haus- und Baumbestand, in der viele Familien wohnen. Meine Kinder gehen in Schule und Kindergarten und mein Sohn spielt seit Neuestem Fußball in einem Verein. Die Voraussetzungen scheinen doch nicht die Schlechtesten zu sein, sollte man meinen. Und doch – Verabredungen sind hier eine Besonderheit mit Seltenheitswert. Nun frage ich mich natürlich, woran das liegen mag.

Ich habe lange Jahre gedacht, dass es an uns als Personen liegt, dass mit uns etwas nicht stimmt. Als wir uns noch im Studium befanden, gab es um uns herum keine Familien, jedenfalls keine, die sich in unserem Alter oder in unserer Situation befanden. Ich redete mir ein, dass das nur eine Phase sei, aber rechnete nicht damit, dass es dafür keine festgelegte Zeitspanne gibt. Ich hab mich immer und immer wieder gefragt: sind wir nicht gesellschaftskompatibel? Irgendwie nicht familien-freundschafts-artgerecht? Nicht interessant genug?
Mein Traum war und ist es immer noch! ein offenes Haus für andere zu haben, anderen für die Zeit, in der sie bei uns sind, Freundschaft und ein Zuhause anzubieten – auch in Bezug auf andere Kinder! Es gab immer wieder Zeiten, in denen wir das so leben konnten. Während des Studiums hatten wir oft Kommilitonen bei uns, die im Studienstress ein bisschen Familientrubel brauchten (und im Gegenzug unser Kind hüteten :-D) und unsere Zeit in Dresden verbrachten wir mit einer engen Freundin, die zwar eine eigene Wohnung hatte, jedoch auch einen Schlüssel zu unserer besaß und dort ein und aus gehen konnte, wie sie es brauchte. Zugegeben, Kinder waren nicht dabei, aber was nicht ist…

Meine Erfahrungen der letzten Jahre konnten diesen Satz jedoch nicht positiv vervollständigen. Vielleicht klingt das nun so, als ob ich einfach eine Runde jammern möchte, tatsächlich bin ich aber ratlos. Verabredungen unter Kindern scheinen mit solch einem logistischen und terminlichen Aufwand verbunden zu sein, dass die Realität, in der ich mich als Mutter befinde, Galaxien von dem entfernt zu sein scheint, was ich oben beschrieben habe. „Mal eben rumkommen“ is da irgendwie nicht. Sind die Kinder so anspruchsvoll geworden? Oder werden sie so verplant? Oder sind es die Familien, die ein unvoreingenommenes Zusammensein verhindern? Ich habe auf all diese Fragen keine Antworten. Vielleicht ein paar Vermutungen, die mir vielleicht ein wenig die Welt erklären, sie aber nicht verändern.

In solchen Zeiten bin ich  froh, das sich nicht nur ein Kind habe. Dass jemand zum spielen daheim ist und unsere Familie mehr als nur zwei Personen umfasst. Ich mag uns und unsere Familie und ich weiß, dass wir uns genug sein können. Aber manchmal, ganz heimlich und leise, frage ich mich dann, ob nicht genau darin das Problem liegt?

Ich bin auf Eure Gedanken gespannt und was Ihr zu diesem Thema zu sagen habt!
Eure Carolin

Stoff: Rob Rosie (zur Verfügung gestellt), Ringel rot-weiß und grau-weiß – alles über lillestoff
Schnitt: minikrea 50220 (T-Shirt) und 30003 (T-Shirtkleid) 

Das passt dazu...

22 Comments

  • Reply
    maira
    29. April 2015 at 13:48

    Ein wirklich tiefgründiger Beitrag, gefällt mir und auch deine Gedanken. Ich habe das so wie du es erzählst noch nicht mitbekommen, ich bin selbst noch jung und habe keine Kinder. Aber dennoch finde ich es auch sehr traurig das es heute anscheinend nicht mehr so leicht ist einfach draußen bis zum abendessen mit den Nachbarskindern zu spielen. Bei meinen kleinen Gastschwestern sehe ich auch immer wieder wie viel sie vor dem i Pad hängen und finde es jedes mal doch etwas traurig. Neben der Schule haben hier jedoch auch nicht viele Zeit und ich bin auch jemand der sich doch dann gerne auch mit sich selbst beschäftigt, obwohl ich es mir doch manchmal gerne anders wünschen würde….
    Ganz liebe Grüße Maira

    • Reply
      Carolin Schubert
      2. Mai 2015 at 10:16

      Ja, es ist wohl auch so, dass der Tag heute viel voller ist als früher, das glaube ich schon. Da braucht man mehr Auszeiten für sich, das gilt natürlich auch für die Kinder, die sich dann selbst auch mal genug sind.

  • Reply
    nähfabrik
    29. April 2015 at 13:54

    Liebe Carolin,
    bei uns ist es nicht ganz so wie es früher bei mir war – (und zwar ähnlich wie bei Dir – draussen sein, immer jemanden da haben zum spielen, ob Nachbarskind oder Schulfreundin) aber fast. Die Kinder sind in der Regel immer verabredet. Und mittlerweile organisieren sie sich fast alleine. Das kann mitunter auch anstrengend sein, denn manchmal wünsche ich mir, mal niemanden irgendwohin bringen und wieder abholen zu müssen.. 😉 Wir wohnen an der Stadtgrenze von Köln, mitten im Grünen. Immer noch Stadt, aber eben auch etwas dörflich. Mal eben rumkommen ist mit den Nachbarskindern möglich. Da wird dann im Park und am Bach gespielt, der glücklicherweise direkt an unser Grundstück grenzt. Und verabredet wird sich hier auch wild. Aber das muss tatsächlich mit Vorlauf terminlich abgesprochen werden, da immer ein Kind an einem Tag irgendeine "Verpflichtung" wie beispielsweise Fussball, Zirkus etc hat. Aber auch das ist immer öfter spontan möglich.
    Mir sagte mal eine Freundin, die in eine Kleinstadt gezogen ist, das Sie nie richtig Anschluss gefunden hat. Die anderen Kinder waren nie draussen auf dem Spielplatz oder auf der Strasse zum spielen. Ihre Kindergärtnerin sagte ihr daraufhin, das die meisten Familien ihren Spielplatz und ihr Tobeparadies ja im eigenen Garten haben (Klettergerüst, Trampolin etc) und nicht mehr die Notwendigkeit haben, raus zu müssen. Vielleicht liegt es daran? Das der Großteil vielleicht sich gar nicht mehr rausbewegen möchte? Lieber in den eigenen vier Wänden, die Kinder im Blick und trotzdem sind alle zufrieden? Und natürlich bestimmt der akute Freizeitstress; Ballett, Fussball, Flöte und Chor. Ich weiß es nicht. Ich bin sehr froh, das meine Kinder im Wald rumbutschern, Freunde treffen und neue Kinder kennenlernen. Vielleicht etwas anders als wir früher, aber ähnlich. Und das auch oft ohne mein Zutun. Ich kann gut verstehen, das Dir das fehlt. Ich drück die Daumen, das sich das ändert 🙂 Allerliebste Grüße Sabine

    • Reply
      Carolin Schubert
      2. Mai 2015 at 10:30

      Danke für Deine lieben Worte! Bach und Wald am Haus angrenzend klingt ja wirklich fantastisch – ein Traum für die Kinder! Den Gedanken mit den eigenen Grundstücken finde ich echt gut, da habe ich drüber nachdenken müssen und würde Dir Recht geben, dass das in der Kleinstadt viel mehr der Fall ist (auf unserer Straße allemal, aber auch ringsherum), generell finde ich eine Kleinstadt teilweise anonymer als die Großstadt, seltsam, oder?

  • Reply
    Naebutikk
    29. April 2015 at 14:47

    Hach, Caro – diese Gedanken kann ich gut verstehen und nachvollziehen. Mir ging und geht es zweitweise ähnlich und ich hatte auch eine Phase von "warum will sich keiner mit mir/uns treffen/verabreden". Ich glaube es liegt zum großen Teil einfach daran, dass sich unsere Gesellschaft stark verändert hat. Jeder ist doch irgendwie mehr beschäftigt, hat mehr zu tun, will mehr erleben und will auch mehr Ruhe haben, von allem Mehr und da bleibt eben was anderes auf der Strecke. Die Kids haben häufig volle Terminkalender, die Eltern sind durch Doppelbelastungen (Job & Familie) gestresst und wollen aber selbst auch nicht zu kurz kommen. Mir geht es auch immer wieder so, dass ich gerne mehr mit anderen Menschen zusammen wäre, da sind aber eben auch die hausfräulichen und ehrenamtlichen Verpflichtungen und noch so dies und das und jenes – doch genau durch das Zusammensein mit anderen Menschen kann man auch sogut auftanken und einfach das Leben miteinander teilen. Inzwischen hatte ich schon so ein paar Begegnungen bei denen ich dachte: Ja, davon bitte mehr, um das zu Leben, was man offenes Haus nennt.
    Die größte Antwort für mich liegt bei dieser Frage in der Zeit – es dauert einfach um an einem Ort anzukommen und sich richtig einzuleben. Wir wohnen jetzt seid 5,5 Jahren hier im Ort und ich habe mich von Anfang an hier wohl und willkommen gefühlt, dann gab es aber auch immer wieder Phase, in denen ich mich alleine gefühlt habe und jetzt merke ich, dass wir jetzt anfangen so voll und ganz anzukommen – jetzt vernetzen wir uns immer mehr, jetzt kommen Freunde zum Spielen, jetzt nimmt man das eine (fremde) Kind mal mit dahin, oder das eigene wird abgeholt und mit wo hingenommen usw. Wir stehen da auch noch in den Startlöchern, aber es liegen ja noch eine Kinderjahre vor uns und vor euch ja auch. Ich glaube es dauert einfach und leider ist gerade das geduldig sein oft so schwer.

    • Reply
      Naebutikk
      29. April 2015 at 14:47

      Liebe Grüße, Katharina

    • Reply
      Carolin Schubert
      2. Mai 2015 at 10:32

      Ja, Du hast schon Recht, man muss sich Zeit geben (wobei ich 3,5 Jahre nicht eben wenig finde), aber auch Zeit finden. Ich merke ja auch oft, wie schnell so eine Woche rum ist…

  • Reply
    Susanne K.
    29. April 2015 at 17:03

    Liebe Caro, das ist eine sehr interessante Frage und ich finde es auch schade das viele Kinder diese Unbeschwertheit aus unserer Kindheit – gerade die Kinder in der Stadt – nicht mehr erleben können. Wir wohnen zum Glück in einem kleinen Dorf direkt neben dem Spielplatz und in einer spielstraße ohne Durchgangsverkehr und es gibt reichlich Kinder im Alter meiner Tochter (4,5) die sie auch alle aus der kita kennt. Aber auch hier ist es so das man manche Kinder nie auf der Straße/auf dem Spielplatz antrifft und wenn dann nur in elterlicher Begleitung. Zum Glück gibt es eine Familie die ähnlich denkt wie ich und desses drittes kind im alter meiner Tochter ist und oft draußen rumzieht auf der suche nach jemandem zum spielen. Heute zum beispiel hat er uns quasi beim heimkommen abgefangen und die beiden sind gleich zusammen auf den Spielplatz. Wir haben das jetzt ein paar mal getestet und es klappt ganz gut. Aber wie gesagt das ist auch hier die Ausnahme. Mit den meisten anderen Kindern muss man sich verabreden.
    LG Susanne

    • Reply
      Carolin Schubert
      2. Mai 2015 at 10:34

      Gut, unsere Kinder gehen auch nicht allein auf den Spielplatz, das finde ich jetzt eher normal als merkwürdig und hängt sicherlich auch von der Umgebung und vom Alter ab (und ich gestehe: ich hasse es, auf den Spielplatz zu gehen, das muss immer mein Mann machen :-D). Was die Dorf-Stadt-Geschichte angeht, habe ich verschiedene Erfahrungen gemacht (siehe oben): da empfinde ich die Kleinstadt hier anonymer als teilweise die Großstadt nebenan.

  • Reply
    sungirl
    29. April 2015 at 18:25

    Oh Caro, ich weiß was du meinst. Wir leben in einem 317 Einwohnerdorf… dort kann ich meinen Sohn einfach rumsausen lassen. Selbst wenn er mal ohne meines Wissens ausgebüchst ist, konnte ich mir sicher sein, dass mind. 1 Einwohner sich bei mir meldet. Wir wohnten vor 3 Jahren noch in einer 100000 EW-Großstadt. Wenn ich jetzt immer mal in solchen Ausnahmesituationen daran denke, bin ich froh auf dem Land zu sein. Das wäre in der Stadt nie für ihn möglich gewesen. Wir haben das Glück viele gleichaltrige Kinder im Dorf zu haben. Alle sind in einer Kindergartengruppe… perfekt. Wir haben echt Glück gehabt. Und trotzdem weint mein Schatz manchmal wenn mal grad keiner auf seiner "Wollen wir zusammen spielen"-Runde Zeit für ihn hat. Da denke ich oft: zum Glück wohnen wir hier…. er wird nie erfahren was es für mein kontaktfreudiges Kind bedeuten würde in einer Großstadt leben zu müssen…

  • Reply
    ElinaEinhorn
    29. April 2015 at 19:17

    Mal wieder ein toller Beittrag von dir!
    Auch bei uns ist es so, dass die Verabredungen nicht mehr ganz so spontan ablaufen, obwohl wir in einem kleineren Ort wohnen (aber erst seit 4 Jahren). Unsere Große geht jedoch in den Kindergarten des anderen Ortes (bietet flexible Zeiten bis ganztags an), so dass sie im Ort nicht so die Kontakte hat. Vielleicht wird es aber auch in den nächsten 1-2 Jahren besser, wenn sie eher alleine unterwegs ist, was momentan noch nicht geht wegen einer stark befahrenen Straße vor dem Haus (sie wird im Somer 6).

    Außerdem habe ich durchaus auch das Gefühl, dass manche Mütter nicht gerade spontan sind, da wird dies und das geplant, muss jenes noch erledigt werden. Zum Glück hat die Große wenigstens 2 Freundinnen im Ort, bei denen es nicht so ist. Da kann man einfach anrufen und etwas ausmachen oder bekommt in der früh einen Anruf, ob das eigene Kind vorbeikommen möchte. Einfach unkomliziert eben!

    LG
    Corina

  • Reply
    Sandra Korf
    29. April 2015 at 19:34

    Liebe Caro, kann verstehen was du meinst. Bei uns war das früher auch so, man war einfach in der Nachbarschaft unterwegs. Im Sommer bis zum Abendessen draussen. Ab und zu haben meine Eltern mich abgeholt und auch noch kurz mit den Nachbarn geschnackt. Heute wohne ich mit meiner Familie in einen Ortsteil einer Kleinstadt. Seit meine Tochter in den Kiga vor Ort geht, kommen die Nachbarskinder auch öfter mal so vorbei. Allerdings in Begleitung der Eltern aber sie sind auch erst 3 oder 4 Jahre alt. Aber möchte meine Eule mit Kinder spielen die nicht um die Ecke wohnen wirds schwierig einen Termin zu finden. Da liegt, denke ich, das Problem – Kinder haben so viele Termine unf die Eltern arbeiten oft Vollzeit. Da bleiben dann spontane Verabredungen auf der Strecke und man kommt nicht mehr "gerade mal rum". Sehr schade..
    Ich hoffe, meine beiden Zwerge sind in zwei, drei Jahren soweit das sie mal eben zu ihren Freunden um die Ecke gehen können – einfach so
    Übrigens, habe ich deinen Blog gerade erst entdeckt und er gefällt mir sehr. Ich nähe auch und dein Stil ist meinem sehr ähnlich. Werde bei dir öfter "speckern". Lieben Gruss Sandra

  • Reply
    Sophie Gee
    29. April 2015 at 22:13

    Liebe Caro,
    deinen Beitrag hätte ich auch so verfassen können, wenn ich denn so gut formulieren könnte 😉 . Wirklich schade! Wir sind auch aus einer größeren Stadt aufs Dorf gezogen, weil wir dachten mehr Natur, mehr Ruhe, mehr Kinder, mehr Familien… ja mehr was eigentlich???
    Unsere Bilanz nach 2,5Jahren ist auch sehr ernüchternd und deprimierend.
    Zugegeben,eine Freundin plus Tochter habe ich gefunden und mit denen Treffen wir uns, soweit es deren Zeitplan mal zulässt. Aber ansonsten…Spielplatz?????? Gähnende Leere zu jeder Tageszeit, morgens, mittags, nachmittags abends sind wir meist alleine… Wirklich traurig! Denn jeder(mit Ausnahme von uns) scheint hier seinen EIGENEN Garten und seinen EIGENEN Sandkasten,seine EIGENE Schaukel, sein EIGENES Trampolin usw. zu haben.
    Und ja, Kinderfreundschaften scheinen nur noch über die Mütter zu laufen und unter deren Aufsicht!
    Schlecht für unsere Kinder, da wir auch einfach nicht hierher passen,
    – wir fahren keinen dicken Familien-Kombi oder SUV
    – wir haben nicht super-duper-schick neu gebaut
    – wir haben (noch 😉 ) keine Chefetagen-Posten
    – wir sind einfach beim ersten Kind 24 und 28 gewesen und somit vor allem ich gute 15!!!!! Jahre jünger als der Rest der Mütter hier!
    Nur blöd, dass wir vorher beide sehr aktive Mannschaftssportler, ehrenamtlich und beruflich gut eingebunden waren und viele Freunde und Bekannte hatten. Sogar vernünftige Menschen in unserem Alter mit Kindern, die teilweise auch studiert, bzw ihre Ausbildung zu Ende gemacht haben.
    Das macht uns wirklich sehr traurig und belastet auch unsere Ehe, da wir es einfach anders gewohnt waren… Nun stehen einige Entscheidungen an..Wo und wie wohnen? Was und wie arbeiten? Was passiert mit den Kindern?
    Wir hoffen ja immer noch, dass es hier irgendwann besser wird, wir dem ganzen noch mehr Zeit geben müssen und wir irgendwann gut integriert sind…aber die Zweifel werden immer lauter, ob das an so einem Ort je möglich wird… und ob die Kinder da nicht auch bald sehr drunter leiden werden…
    Bin gespannt, wie es bei euch weitergeht!

    • Reply
      Carolin Schubert
      2. Mai 2015 at 10:38

      Liebe Sophie, vielen Dank für Deinen offenen Kommentar und Deine ehrlichen Worte! Ja, ich kenne da zu gut, dass man weder alters- noch umständemäßig zu den anderen passt und ich hab mich schon oft gewundert, wie sehr solche Dinge trennen können (natürlich nicht zwangsläufig müssen). Und je kleiner das Umfeld ist (also begrenzt an der Anzahl der Menschen), umso mehr fällt das einfach auf. Die Fragen und die Entscheidungen, die vor Euch stehen, kenn ich, mit denen beschäftigen wir uns ständig und immer wieder schon seit Jahren. Ich wünsche Euch alles Liebe, viel Kraft und gute Nerven und auch für Eure Ehe die nötige Weisheit!

  • Reply
    Frau Firlefanz
    1. Mai 2015 at 11:06

    Uns geht es nur bedingt ähnlich.
    Ich denke in den letzten Jahrzehnten hat es sich einfach geändert, weil einfach nicht mehr so viele Kinder geboren wurden.
    Wir hatten bis zum 2. Geburtstag unserer großen Tochter in einem Mehrfamilienhaus gewohnt. Da gab es in der Nachbarschaft keine Kinder. Unsere Freunde hatten noch lange nicht begonnen Kinder zu bekommen (wir waren 25).
    Wir haben dann mit Glück eine andere Wohnung gefunden am Stadtrand in einem Haus mit 3 anderen Familien (in DD *winke*).
    Die Kinder sind alle in einem ähnlichen Alter und wir fühlen uns jetzt ein wenig wie in Bullerbü.
    Die Kinder gehen gemeinsam raus und erkunden die Gegend (was bei uns problemlos geht, weil hier direkt hinterm Haus ein großer Park ist mit angeschlossenem Wald.
    Aber auch hier merkt man es. Gegenüber wohnen noch 2 Kinder und dann war es das erstmal in der näheren Nachbarschaft.
    Alleine will sie auch noch nicht weiter gehen und mir wäre es auch nichts, wegen der unübersichtlichen Straße vorm Haus. (Das ändert sich aber vielleicht dann, wenn sie in die Schule geht, mal schauen.)
    Wir stehen gerade vor dem Problem, dass unsere Wohnung uns zu klein ist zu viert oder vielleicht auch bald zu 5.
    Doch wo soll man hier in der Stadt hinziehen? Es gibt keine großen Freiflächen mehr, kein soziales Gefüge mehr wie auf dem Dorf. Man kennt niemanden mehr und lernt auch kaum jemanden neu kennen.
    In ein Einfamilienhaus wollen wir nicht, weil man dann wieder das Problem hat, dass die Kinder niemanden zum Spielen haben und nur einen begrenzten Radius.
    Wir suchen daher schon länger eine Baugemeinschaft mit Leuten, die auch gern so leben wollen wie wir.
    Es ist nämlich tatsächlich so, wie du es auch empfindest, dass es schwierig geworden ist, dass sich die Kinder verabreden.
    Spontan geht es schon mal gar nicht. Da ein Kurs und hier ein Kurs. Dann arbeiten die Eltern vielleicht auch lang und die Kinder gehen bis 5 in die KiTa oder entertainen ihre Kinder lieber allein (zumindest mein Eindruck…vielleicht auch aus schlechtem Gewissen, weil die Kinder so lange fremdbetreut werden müssen?).
    Wo die Ursache liegt, wissen wir auch nicht so genau. Es ist wohl ein Mix aus allen Gegebenheiten und der nicht so offenen deutschen Art?
    Es nervt auf jeden Fall…

    • Reply
      Carolin Schubert
      2. Mai 2015 at 10:40

      Wirklich spannend, was für Gedanken Du Dir zu diesem Thema machst, vielen Dank für Deinen Kommentar – ich habe ihn mit großem Interesse gelesen. Die Idee mit der Baugemeinschaft finde ich total spannend – wie sieht es da aus? Konntet Ihr da schon Fortschritte erzielen?

    • Reply
      Frau Firlefanz
      2. Mai 2015 at 19:50

      Nein, leider sind wir da noch nicht weiter. Wir suchen noch.
      Wir hätten voriges Jahr gern bei einer mitgemacht (ideale Lage, die Leute hatten den gleichen Beweggrund wie wir, usw), da war aber unsere finanzielle Zukunft wegen befristetem Arbeitsvertrag noch zu ungewiss. (Nun ärgern wir uns natürlich…was Quatsch ist, denn es war einfach nur vernünftig.)
      Im Moment schießen hier die Immobilienpreise immer mehr in die Höhe und es ist auch nicht so leicht ein geeignetes Objekt zu finden. Kommt Zeit, kommt Rat…oder wie war das noch? 😉
      Es gibt aber auf jeden Fall einen Verein, der einen unterstützt wenn man eine Baugemeinschaft gründen möchte, ansonsten würden wir uns sowas nicht getrauen.
      (Falls du einen link zum weiterlesen möchtest, dann schick ich ihn dir gern. Es gibt hier in DD schon viele Beispiele.)
      Vielen Dank auch für deinen Blog. Ich bin erst vor kurzem drauf gestoßen, aber ich habe das Gefühl du tickst ähnlich in vielen Dingen und das macht es erst recht spannend. (Leider auch mit dem Schlafmangel…).
      Außerdem sind deine Kinder echt süße Dinger!
      Liebe Grüße

    • Reply
      Carolin Schubert
      4. Mai 2015 at 8:56

      Das würde mich tatsächlich sehr interessieren! Ich wünsch Euch auf alle Fälle alles Gute und dass Ihr noch das richtige findet!

  • Reply
    Anonym
    2. Mai 2015 at 22:50

    Hallol, ich lese seit kurzem Deinen Blog und Dein heutiger Post trifft zu fast 100% die Gedanken, die ich schon seit einiger Zeit habe. Ich habe zwei Mädchen (5 und 1 Jahr alt) und es macht mich total traurig, dass sie die Unbeschwertheit und das viele Draußensein meiner eigenen Kindheit wohl so nicht erleben werden. Leider haben wir auch keinen eigenen Garten und sind auf Spielplätze und die Gärten der Großeltern angewiesen. Solange die Kinder noch relativ klein sind, ist das noch o.k. aber bei unserer 5jährigen denke ich ständig, dass sie immer auf uns angewiesen ist, wenn sie an die frische Luft will. Einfach mal rausgehen ist einfach nicht. Ich denke die Kinder selber erleben das wahrscheinlich als gar nicht so schlimm, weil sie nichts anderes kennen, aber man selber hat den Vergleich.
    Letztens habe ich in einem Buch von Jesper Juul einen ähnlichen Gedanken gelesen, das Kinder dadurch, dass sie fast immer unter Aufsicht stehen, sei es Kindergarten oder Eltern, kaum soziale Interaktionen ohne Einmischung von Erwachsenen erleben. Auch das ist leider ein Zeichen unserer Zeit.
    Grüße

    • Reply
      Carolin Schubert
      4. Mai 2015 at 8:57

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ja, so ist das bei uns auch, mein Sohn mit seinen 7 Jahren wäre definitiv groß genug sich hier allein auf der Straße und ums Haus zu bewegen, aber er getraut sich nicht, weil er dieses "einfach allein rausgehen" bisher nicht kannte. Das macht mich traurig, aber ich seh auch, woher es kommt. Man sollte wohl einfach dran bleiben und es weiter versuchen! Jesper Juul finde ich im Übrigen auch sehr gut! 🙂

  • Reply
    Cati Basmati
    5. Mai 2015 at 10:13

    Liebe Caro,
    danke für die Gedanken! Wir sind gerade aus der Stadt aufs Land gezogen und stellen fest, dass hier tatsächlich die Spielplätze leer sind und man, wenn überhaupt, nur über die Kindergärten andere Eltern kennenlernen kann. Wir haben noch ein festes Kinderfreundegefüge aus der Stadt, aber ich hoffe, dass wir auch hier vor Ort Anschluss finden (vor allem auch einen Anschluss, der auch für mich passt, denn auf die bisherigen Eltern kann ich gut verzichten…).
    Aber ich denke auch, dass die Zeiten heute anders sind und dass wir unseren Traum vom offenen Haus vielleicht eben doch mit dem großen Parkplatz vor dem Haus kombinieren müssen, da die Kinder vielleicht nicht in der engen Nachbarschaft leben, sondern etwas weiter weg. Wir lesen ja auch Blogs von Menschen in anderen Städten und fühlen uns denen manchmal näher als den Leute vor Ort. Oder geht das nur mir so?
    Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen und hoffe, dass Eure Familie bald um viele Freunde erweitert wird, die bei Euch ein und aus gehen!
    Lieben Gruß
    Cati

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