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Zuhause

Wie man sich bettet, so liegt man

Ihr erinnert Euch an meinen Post von letzter Woche? Da habe ich Euch erzählt, wie sehr mir das Thema Wohnen eigentlich am Herzen liegt und Euch von den Gründen berichtet. Heute möchte ich thematisch dort anknüpfen und Euch gleichzeitig vorstellen, was mich mittlerweile seit Monaten beschäftigt. Und vielleicht ist ja auch die ein oder andere Anregung für Euch dabei? Ich hätte da nämlich auch ein bis zwei DIY-Ideen zur Schlafzimmereinrichtung dabei. Aber der Reihe nach.

photo credit: Isabelle Wistuba

Vor einiger Zeit schrieb ich darüber, wie wir versuchen, uns und unser Leben neu bzw. wieder zu entdecken. Eine ganz schön große Herausforderung, das kann ich Euch sagen! Neben all dem, was persönlich und auf emotionaler Ebene geschieht, geht es auch um darum, den Alltag so zu gestalten, dass nicht nur Träume und Wünsche jedes einzelnen berücksichtigt werden können, sondern jeder – bildlich und buchstäblich gesprochen – genügend Platz und Raum hat und die richtigen Strukturen und Rahmen zur Verwirklichung gefunden werden. Mein bzw. unser Ziel ist ein bewusstes, vorsätzliches Leben und keins, was irgendwie an einem vorüber zieht, weil es sich gerade so ergeben hat.

Doch wo fängt man an? Für mich immer die schwierigste Frage, denn wenn ich mich hier so umsehe, dann fallen mir gleich drei Millionen Dinge gleichzeitig ins Auge, die nicht richtig/verbesserungswürdig/nicht vorzeigbar sind. Zudem ist ja das erklärte Ziel, Inneres und Äußeres miteinander so zu verbinden, dass wir das Maximum aus unseren Leben und unserem Tag heraus holen können. Ich habe also beschlossen, logisch vorzugehen. Und logisch heißt in dem Fall: am Anfang.

photo credit: Isabelle Wistuba

Vor zwei Tagen erschien die neue Ausgabe des digitalen Magazins sisterMAG, in dem ich neben zwei anderen Leserinnen Fragen zu meinem Schlafmangel beantwortet habe. Im Kommunikationsverlauf im Vorfeld kam die Frage auf, ob ich mir ein Porträt in meinem Schlafzimmer vorstellen könne, insofern ich mein Schlafzimmer denn überhaupt mögen würde. Eine interessante Frage, oder? Habt Ihr mal darüber nachgedacht, ob Ihr mögt, wo und wie Ihr schlaft? 

Es ist – so denke ich – eine unumstrittene Tatsache, dass der Verlauf eines Tages wesentlich vom Start geprägt ist. Dazu zählt für mich eine gute Morgenroutine (dazu jedoch ein anderes Mal mehr) genauso wie ein entspanntes und schönes Umfeld, in dem man zur Ruhe kommen, loslassen und in das man morgens mit einem Lächeln als erstes blickt (außer das zerknitterte Gesicht des Partners neben einem *haha*).

photo credit: Isabelle Wistuba

Wie man sich bettet, so liegt man – heißt es in der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Bertold Brecht. Keiner würde wohl bestreiten, dass ein qualitativ hochwertiges Bett (oder eher die Matratze) und schöne Bettwaren den Schlaf wesentlich verbessern (Dinge, die im übrigen bei uns absolut ausbaufähig sind – ich erzähl mal lieber nicht, wie lange wir unsere Matratze schon haben…). Ich leide ja durch den jahrelangen Schlafmangel mittlerweile an echten Schlafstörungen – etwas, was mein Leben auf sehr negative Weise beeinflusst. Ein bequemes Bett und eine gemütliche Decke reichen da leider nicht mehr aus, um mich gut durch die Nacht zu bringen. Und trotzdem habe ich mich gefragt: wie muss der Ort sein, an dem ich absolut zur Ruhe kommen und mich entspannen kann?

Ich geb’s zu, wenn ich so durch die Weiten des Netzes und Seiten verschiedener Wohnmagazine blättere, dann fange ich an von weiten Räumen mit irgendwelchen special Features zu träumen (sowas wie dicke alte Balken oder besondere Fenster oder außerordentlich kunstvoll verlegte Parkett-Intarsien oder …). Die Realität ist: unser Schlafzimmer umfasst gerade mal einen halben Raum, in Quadratmetern vielleicht 4,5. Unsere Features sind alte Doppelfenster aus Holz, ein seltsamer Wandvorsprung, den wir einem kreativen Handwerker zu verdanken haben, als die Wand auf einmal nass war, aber immerhin Holzdielen. In 4,5 Quadratmeter bekommt man ein Bett und einen Schrank, die Kommode steht schon auf der anderen Hälfte des Raumes.

Da unsere Wohnung nur 4,5 Zimmer umfasst (Ihr seht schon 4,5 ist unsere Zahl!), wir aber Räume für fünf Personen plus Arbeitsplatz zu Hause brauchen, muss man um die Ecke denken. Oder eben in Hälften. Wir mein Mann hat also einen Raumteiler gebaut. Dafür braucht es gar nicht viel und es kostet nur ein paar Euro. Die Paletten stammen von einer Baustelle, die wir auf Nachfrage einfach so haben konnten. Den Balken, einen Balkenschuh und Multiplex-Platten in verschiedenen Stärken bekommt man im Baumarkt. Die obere Seite der Paletten bildet sozusagen die Rückwand für das Bett, auf der anderen Seite haben wir die mittleren Balken entfernt und ein Regal gebaut (welches mit Trivialliteratur gefüllt ist, ich gebe es unumwunden zu :-D). Das Ganze dauert (ohne Abschleifen der Paletten) ca. 4-5 Stunden.

photo credit: Isabelle Wistuba

Der obere Abschluss bildet gleichzeitig unseren Nachttisch, denn dafür ist kein Platz. Auf der einen Seite kommt die Wand, auf der andere gibt es nur einen schmalen Gang bis zum Kleiderschrank, in den quasi jede Nacht eine Matratze gelegt wird, wenn der Kobold beschließt, zu Mama und Papa ins Bett gekrochen zu kommen.

Eine wirklich schnell und effektvolle Idee, einen Raum optisch zu trennen, ist das, was wir mit der oberen Hälfte des Balkens gemacht haben. Dafür haben wir hat mein Mann Löcher in den Balken gebohrt und dann gebogene und geweißte Weidenzweige hinein gesteckt (die sind von Ikea, aber das kann man natürlich auch einfach selbst machen). Das sieht pur genauso gut aus wie hier mit Wabenbällen geschmückt.

Unseren Schrank haben wir vom virtuellen Flohmarkt. Für umsonst (aus einer Haushaltsauflösung. Einzige Bedingung war, die zwei dazu gehörigen Betten ebenfalls abzuholen). Ein wunderschönes altes Stück, das mein Mann komplett weiß gestrichen und das ein Monstrum aus dem blau-gelben Möbelhaus ersetzt hat.

Womit wir wieder bei der Frage wären, was ich zur Entspannung und zum loslassen brauche. Ich würde es zum einen mit weniger umschreiben. Es ist tatsächlich mehr als entspannend, wenn man nur einen halben statt einen ganzen Raum putzen muss. Und es ist gemütlich in einem Bett zu liegen, von dem aus man nicht in die restlichen Räume schauen kann. Man fühlt sich irgendwie abgeschottet (im positiven Sinn), wie in einer Koje. Wenn ich morgens die Augen aufschlage, kann ich direkt aus dem Fenster schauen und abends bei gemütlichem Licht meiner drei weißen Herrnhuter Sterne lesen.

Für mich ist ein bewusstes Konzept für einen ruhigen Schlaf und einen guten Start vor allem schlicht, habe ich festgestellt. Luxus in Dingen wie hochwertige Bio-Bettwäsche, gute Bettwaren und eine neue Matratze wünsch ich mir zwar wie gesagt schon, aber ansonsten ist weniger hier mehr. Ich glaube, weil mein Leben halt auch sonst aus eher mehr als weniger besteht. Gut, hier und da fehlen definitiv noch Dinge. Ich hätte gern noch einen schönen Läufer vorm Bett, Körbe für auf den Schrank, selbst genähte Decken und Quilts und einen neuen Bettüberwurf, den ich entweder häkeln oder stricken werde. Kreativität brauche ich in allen Räumen und allen Lebenslagen und genau das habe ich die letzten Jahre so sehr vernachlässigt, dass sich da sozusagen ein großes Vakuum aufgebaut hat, das es nun zu füllen gilt.

Jetzt bin ich gespannt, was Ihr zu all dem sagt und zu erzählen habt. Mögt Ihr Euer Schlafzimmer, habt Ihr ein Konzept oder wie sieht es bei Euch aus? Ich bin gespannt und neugierig! Und das nächste Mal erzähle ich Euch dann über unsere Versuche, eine entspannte Morgenroutine zu finden.

Liebe Grüße,
Eure Carolin

P.S.: Ihr habt schon bemerkt, dass einige Fotos nicht von mir, sondern von der wunderbaren Isabelle Wistuba stammen. Ich hatte sie schon einzeln auf anderen Kanälen gezeigt und in diesem Post eine Andeutung gemacht – die Fotos entstanden für das Interview im sistermag-Magazin und da musste ich sie natürlich in diesem Blogpost heute nochmal zeigen – sie sind einfach so wunderbar!

Das passt dazu...

1 Comment

  • Reply
    KreaMino
    24. April 2015 at 16:42

    Liebe Caro,
    vielen lieben Dank für den so privaten und ehrlichen Einblick in euer Schlafzimmer und dein Schlafverhalten. Euer Schlafzimmer sieht sehr gemütlich aus, in dem lässt es sich sobald man schläft bestimmt herrlich träumen. Hast du es eigentlich schonmal mit Hörbüchern zum Einschlafen probiert? Ich kann zum Beispiel am Besten mit den ??? einschlafen, zum Leidwesen meines Freundes… deswegen höre ich mittlerweile per Kopfhörer, dann wird er weniger gestört. Von manchen Folgen kenne ich glaube ich gerade mal die ersten 10 Minuten oder so. Mir hilft es sehr, gerade in neuen Umgebungen, wie zB Hotels, Flugzeugen, besonders wenn ich dienstlich unterwegs bin. In Hotelbetten schlafe ich grundsätzlich schlechter als zuhause, ich komme dann nicht so gut zur Ruhe und wache sehr sehr häufig auf. Wenn ich im Urlaub bin, geht es dagegen wieder. Ich befürchte es ist die Anspannung, wenn man beruflich unterwegs ist.
    Unser Schlafzimmer zuhause ist unter einer Dachschräge und da wir meist mit offenen Rollos schlafen, kann man abends in den Himmel schauen und wird von der Sonne, sobald sie denn mal scheint, geweckt. Gerade morgens ist das Schlafzimmer ein sehr beruhigender Ort, obwohl es sehr sehr klein. 😉 Es dominieren die Farben weiß und Birke, also alles in allem ein sehr helles Zimmer, der durch bunte Bettwäsche aufgelockert wird. Allerdings fehlen noch immer Bettvorleger (ähm… das Jerseygarn wartet auf seine Verarbeitung…) und einheitliche kuschelige Kissen, sowie ein Bettüberwurf (für den ich noch keinen geistesblitz hatte).
    Momentan bin ich unterwegs in Brasilien und freue mich tierisch auf mein Federbett und mein eigenes Kissen, die brasiliane Variante des Bettzeuges (erinnert sehr an Frankreich) sagt mir nicht so zu. Auch das Schlafen bei laufender Klimaanlage ist gewöhnungsbedürftig… das sorgt nicht gerade für den erholsamsten Schlaf. 😉

    GLG Dominique

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