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Geschichten erzählen

Es war einmal vor langer, langer Zeit…

ein kleines Mädchen, das jeden Tag und jede Nacht davon träumte, eine echte Prinzessin zu sein. Sie träumte von Tanzschuhen und sich drehenden und im Wind wehenden Kleidern, von Bällen, fröhlicher Musik und Freundinnen, mit denen sie sich auf einer Blumenwiese zum Picknick traf. Sie wünschte sich ein echtes Schloss, in dem sie wohnen würde, zusammen mit Mama und Papa, ihren Schwestern und eines Tages mit ihrem Prinzen. Sie hatte noch keine genaue Vorstellung, warum wahre Prinzessinnen unbedingt einen Prinzen brauchten, aber die vielen, vielen Bücher, die ihr Regal in allen Farben bevölkerten, konnten sich schließlich nicht irren.

Jeden Tag befragte sie ihre Mutter und ihren Vater wann und wie sie denn endlich eine echte Prinzessin werden könne, doch die Eltern schüttelten jedes Mal bedauernd den Kopf. „Echte Prinzessinnen, mein Kind, gibt es nur im Märchen. Und Märchen gibt es nur in Büchern.“ Das kleine Mädchen zog jedes Mal schmollend und zugleich ungläubig von dannen, verkroch sich bis zum Nachmittagstee in ihrem Baumhaus und grübelte über die Erfüllung ihres Herzenswunsches nach. 
Das Mädchen wollte ihren Eltern einfach nicht glauben. Es musste doch irgendetwas geben, was sie tun könnte! Sagte ihre Mutter nicht immer selbst, dass man seine Wüsche nur dann erfüllen könne, wenn man aufsteht und losgeht, anstatt nur auf seinem Stuhl sitzen zu bleiben? 
Also verließ sie an einem sonnigen Tag das Haus ihrer Eltern, um im nahegelegenen Wald in einem ihrer Bücher zu lesen. Zu ihrem Teddy, der sie zu ihrer Gesellschaft auf dem Ausflug begleitete, sagte sie: „Um eine Prinzessin zu sein, muss ich Dinge tun, die Prinzessinnen eben so tun.“
Irgendwo zwischen all den Seiten und Bildern müsste sich doch die zündende Idee finden lassen! Sie las von Erbsen und Zaubersprüchen, von Äpfeln und Prinzen, die die Prinzessin wach küssten, von Fröschen und goldenen Kugeln. Matratzen würden sich im Wald wohl schwerlich auftreiben lassen, ebenso Erbsen, Äpfel und böse Stiefmuttern, die sie mit einem Bann belegten. Aber einen Frosch?
Sie blickte auf einen kleinen See, der sich direkt im Wald befand. Ob sich hier wohl ein passender Frosch finden ließe?
Es wehte ein laues Lüftchen auf der Lichtung, auf der sie am Ufer des Sees stand. Sie staunte über die Farben und Formen, sie lauschte dem Sirren und Brummen der Schmetterlinge und Bienen und roch den süßlichen und würzigen Duft der Blumen und Wildkräuter um sie herum. Sie suchte sich eine besonders moosige und damit weiche Stelle, legte sich nieder und schloss die Augen. Mit geschlossenen Augen dachte es sich einfach besser, fand sie. Dann kamen ihr stets die besten Ideen!
Plötzlich hörte sie entferntes Pferdegetrappel, das langsam näher zu kommen schien. Sie hörte auch einen Hund bellen und lauschte den noch ungenauen Worten, die jemand sprach. Sie hörte leise Musik und klingendes Lachen. Neugierig und zugleich mit pochendem Herzen sprang sie auf, lief zum Rand der Lichtung und versteckte sich hinter einem Baumstamm, der beinahe so groß war wie sie selbst. Inmitten des Waldes kam auf dem Weg, den sie zuvor gegangen war, eine reich geschmückte Kutsche, aus der eine zauberhafte Melodie ertönte. Der Kutsche entstiegen drei wunderschöne Mädchen: sie sangen und drehten sich dabei immer schneller und schneller im Kreis. Ihre ebenso wunderschönen Kleider schwangen hin und her, in ihren Haaren glitzernden kleine Diademe und sie trugen die schönsten Tanzschuhe, die das kleine Mädchen jemals gesehen hatte. Das mussten echte Prinzessinnen sein, es bestand kein Zweifel!
Eine der Prinzessinnen entdeckte das kleine Mädchen und winkte sie heran. „Komm, tanz mit uns!“ Das ließ sie sich nicht zweimal sagen! Sie kam hinter ihrem Baumstamm hervor und nach anfänglichem Zögern drehte und hüpfte sie ausgelassen im Kreis. Als sie eine Pause machten und kleine, köstliche Kuchen zusammen aßen, sagte das kleine Mädchen: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher auf dieser Welt als eine echte Prinzessin zu sein. Was muss ich dafür tun?“ Das älteste der drei Mädchen fragte sie: „Was macht eine echte Prinzessin denn aus?“ Das kleine Mädchen musste nicht lang überlegen und antwortete:“ Sie tanzt. Und trägt wunderschöne Kleider und Tanzschuhe. Sie wohnt in einem Schloss und eines Tages trifft sie einen Prinzen.“ Die Prinzessin hatte ein glockenhelles Lachen, als sie nickte und auf das kleine Mädchen zeigte.“ Du liebst das Tanzen, richtig?“ Das kleine Mädchen nickte. „Und Du liebst wunderschöne Kleider, die Du – soweit ich das sehen kann – auch trägst.“ Das Mädchen nickte wieder. „Ich nehme an, Du hast ein Baumhaus in Deinem Garten, was nur ganz allein Dir gehört?“ Und wieder nickte das Mädchen und schaute die Prinzessin mit großen Augen an. „Siehst Du: alles, was eine Prinzessin ausmacht, hast und bist Du bereits. Denn weiß Du, woran man eine wahre Prinzessin erkennt? Eine wahre Prinzessin erkennt man daran, dass sie die Dinge, die sie tut, stets mit Liebe verrichtet.“
Das kleine Mädchen wollte fragen, was das zu bedeuten hätte und wie sich außerdem die Sache mit dem Prinzen verhielte. Doch die Prinzessin stieg bereits wieder in die Kutsche und rief ihr mit wehendem Haar zu „Vergiss nie, was ich Dir gesagt habe!“ Dann setzten sich die Pferde in Bewegung, der Hund lief mit fröhlichem Gebell nebenher und so schnell und unvermutet, wie sie gekommen waren, verschwanden die Prinzessinnen und das kleine Mädchen war wieder allein auf der Lichtung und lag im weichen Moos.
Das kleine Mädchen rieb sich über die Augen. Mittlerweile war es später Nachmittag geworden und es wurde Zeit, zurück zu gehen, ihre Mama wartetete sicherlich schon auf sie. Sie hatte tatsächlich gefunden, wonach sie so lang gesucht hatte: einen Frosch, der zwar weder so aussah noch quaken konnte, sie aber zu einer waschechten Prinzessin gemacht hatte. Fröhlich hüpfend klemmte sie sich ihren Teddy und das Buch unter den Arm und freute sich auf Zitronentee und noch warme Schokoladenkekse. Und erinnerte sich ihr Leben lang daran, dass eine echte Prinzessin tat, was sie liebte und liebte, was sie tat.
Dieser Text entstand als spontane Inter-Aktion bei Instagram und Facebook. Mitgemacht haben und textlich verarbeitet wurden: mitlinksundohneplan, karabinchen, eulenfamilie, schoengut, zwirnguin, kreamino (über Instagram) und Charlotte Pusteblume, Sabrina Fras (über Facebook). Vielen Dank dafür! Alles originalen Beiträge können auf meinem Instagram-Account bzw. meiner theblogbook-Facebook-Seite nachgelesen werden.
Der Stoff pea and stars wurde mir von lillestoff zur Verfügung gestellt.

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8 Comments

  • Reply
    Anonym
    21. April 2015 at 9:38

    Das habt ihr super geschrieben. Und die kleine Prinzessin ist echt goldig!
    Sag mal, woher hast du den Sternenstab? So einen suche ich schon lange.
    Viele liebe Grüße,
    Catharina

  • Reply
    Constanze Sturm
    21. April 2015 at 9:59

    Wow, was für eine schöne Geschichte!! Ich bin ja eh ein Fan der Texte – du hast echt ein Talent zum Schreiben. Mal an ein Kinderbuch gedacht …
    Ich werde deine Geschichte auf jeden Fall mal meiner Prinzessin hier vorlesen.
    LG Constanze

  • Reply
    Katarina
    21. April 2015 at 10:54

    Carolin, was für eine süße Geschichte ♥
    Wenn man das so liest, bist also auch du eine Prinzessin 😉
    Hab einen schönen Tag ♥
    Liebste Grüße
    Katarina

  • Reply
    Jasmin G.
    21. April 2015 at 12:19

    So eine süße Geschichte ♡
    Die hast du echt toll umgesetzt. Hab ich gestern gar nicht mitbekommen auf FB.
    LG Jasmin

  • Reply
    filigarn
    21. April 2015 at 19:18

    Soooo eine schöne Geschichte liebe Carolin! Ganz wunderbar umgesetzt … Dankeschön dafür!

    Liebste Grüße
    Nadja

  • Reply
    Fabalino
    21. April 2015 at 20:23

    Welch hinreißend, süße Geschichte! Möge die kleine Prinzessin, wenn sie groß ist, ihren Prinzen finden.

    Märchenhafte Grüße
    Andrea

  • Reply
    Anonym
    22. April 2015 at 1:56

    Schmelzzzzz…..
    Liebste Grüsse, Nicole

  • Reply
    Villa Sepia
    22. April 2015 at 18:23

    Märchenhaft schön. Die Geschichte, das Kleid, die Bilder und nicht zuletzt die zuckersüsse Prinzessin!
    LG!

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