the blogbook.
Nachgedacht und aufgeschrieben

Drive in-Kunst oder: warum ich wie die Japaner bin (oder waren es die Amerikaner?)

Es ist ein absolutes Klischee, wahrscheinlich wenig politisch korrekt und doch kommt es einem immer und immer wieder unter die Augen: blitzlichtgewitternde Menschenhorden, die – bei oberflächlicher Recherche – entweder aus Japan oder den Weiten der US-amerikanischen Städte und Landschaften stammen und Sehenswürdigkeiten, für die andere eine mehrwöchige Reise brauchen, in wenigen Stunden abarbeiten. Fast-art sozusagen – ein Phänomen, welches wir Europäer als Geburtshelfer der intellektuellen Aufklärung nur zu gern mit hochgezogener Augenbraue kommentieren. Wie kann man schon mit ein paar schnöden Fotos, bekleidet mit Sonnenhut und Shorts dem kultur-geschichtlichen Erbe der Menschheitsgeschichte ansatzweise gerecht werden? Der einen Augenbraue würde ein verächtliches Schnauben folgen: so etwas passiert uns nicht! Niemals!

Gut, ich darf mich dann mal vorstellen. Mein Name ist Carolin, ich habe sechs Jahre Kunstgeschichte studiert und war auch ziemlich gut, darf ich mal so anmerken. Ich habe mit einem Magister  und einer eins vorm Komma abgeschlossen und sogar eine Doktorarbeit angefangen. 
Am Wochenende bin ich mit meiner Familie nach Braunschweig gefahren, um Fotos zu schießen. Weil es so imposant wirkt und richtig Eindruck auf den Fotos macht, habe ich mich vor die Magni-Kirche positioniert, die ich in den mehr als drei Jahren, seit wir hier wohnen, kein einziges Mal angeschaut oder besucht habe. Übrigens genauso wenig wie das Schlossmuseum (weder in Braunschweig noch in Wolfenbüttel), die Herzog-August-Bibliothek mit ihrem Evangeliar Heinrich des Löwen, das Herzog-Anton-Ulrich-Museum (für diese beiden Institutionen habe ich immerhin schon mal gearbeitet – zählt das?) oder andere wichtige Museen; ich bin in den Bürgerpark spazieren gegangen – oder um dort Fotos schießen. Ohne etwas über seine Geschichte gelesen zu haben. Die Liste ließe sich noch mit weiteren schmählichen Beispielen eine ganze Weile fortführen. Die hochgezogenen Augenbrauen hätte ich genauso verdient wie besagtes, kräftiges Schnauben. Aber keine Sorge – das habe ich schon zur Genüge für mich selbst getan. Als aufgeklärter Mitteleuropäer weiß ich schließlich um die Kunst der Selbstreflexion. (Und Wortspiele…)
Ja, es ist tatsächlich so: mit jedem Semester nahm die Leidenschaft für mein Fach, welches ich damals nur aus Verlegenheit wählte, zu. Aber ich war schon immer ein miserabler Museumsbesucher. Und das Ende vom Lied sind Fotos (auch, wenn ich sie sehr schön finde) mit Shorts und Wintermütze (für einen Sonnenhut fehlte das grundlegende Element) VOR einem (kunst)historischen Gebäude, welches man mit wenig Aufwand und für gar kein Geld ruhig auch hätte mal von innen besichtigen können. Was bin ich nur für ein schreckliches Klischee!
Aber ich gedenke Abbitte zu leisten an meiner Zunft. Und da öffentliche Bekenntnisse ja immer etwas um einiges wirkungsvoller sind als die in der stillen Kammer gesprochenen habe ich mir Folgendes vorgestellt. Ab sofort wird es in meinem Blog eine völlig neue Kategorie geben, die sich Kunst und Wunst nennt. [Vielleicht hat ja der ein oder andere aufmerksame Blogbesucher schon vor einiger Zeit den schwarzen Balken auf der rechten Seite mit gleichnamigen Schriftzug entdeckt und sich immer gefragt, was es wohl damit auf sich haben mag?] Was das sein soll? Kunst erschließt sich wahrscheinlich von selbst (aber ich fasse es gern auch nochmal in einen Satz: „Ich werde über Kunst schreiben.“). Aber was soll Wunst sein? Der Philisoph Johann Gottfried Herder schrieb einmal in einer Abhandlung, dass Kunst sowohl von Können als auch Kennen käme. Berühmt wurde die daraus gebildete Persiflage, wie sie unter anderem der Künstler Karl Valentin formulierte – meine liebste Wortschöpfung überhaupt: „Kunst kommt von Können, nicht von Wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen.“ 
Die Kunst muss an den Mann und die Frau – mit Shorts, Sonnenhut und Fotos. Aber bitte auch von innen und mit Inhalt, denn ein Freund von nicht diskutiertem Halbwissen bin ich so gar nicht. Ihr könnt Euch sicher denken, warum. Genauso wenig will Euch jedoch die geisteswissenschaftliche Keule über den empfindlichen Schädel hauen und hoffe, ich bekomme den Spagat zwischen Können und Wollen hin. Der wer braucht schon Wunst, wenn es wahre und echte Kunst gibt?
Da mein Studium nun auch schon eine Weile zurück liegt und ich mir zwischenzeitlich sozusagen ein neues Metier angenäht habe, wird mich die Vorbereitung solcher Blogposts eine ganze Menge an Vorbereitung kosten. Was zur Folge hat, dass es nicht mehr als einen solchen Beitrag pro Monat geben wird. Zunächst. Wer weiß? Geplant habe ich dieses Vorhaben übrigens schon sehr, sehr lange. Aber wie es um meine Zeitplanung manchmal steht, nun ja, das ist ein alter SonnenHut. [übrigens arbeite ich auch diesbezüglich gerade an einem mehr als spannenden Projekt; ich weiß noch nicht, ob ich darüber schreiben werde, bisher denke ich, eher ja ;-). Ich halte Euch auf dem Laufenden!] 
Und jetzt seid Ihr dran. Ich hoffe, Ihr erteilt mir die Absolution und lasst mich den fehlgeschlagenen Weg korrigieren – mit Eurem Interesse, Euren Wünschen und Euren Anmerkungen! Ich stell mich derweil auf eine Bank (ist besser für die Figur) und warte mal ab…
Habt einen tollen Start in die Woche!
Eure Carolin
Wichtiger Nachtrag und Werbung: Die super tolle Leggings, die den Ausschlag für mein Outfit und den Anlass für die Fotos gab, sind aus dem Jersey black rose genäht, der ab Samstag bei lillestoff zu erwerben ist. 
Schnitt: Beinkleid von Das Milchmonster
Hose von S.Oliver
Schuhe: Kavat
Brille: nur Fake (aber sie passte besser zu den Fotos. Und sowieso und überhaupt will ich endlich eine schwarze haben!)

Das passt dazu...

12 Comments

  • Reply
    sannimade
    26. Januar 2015 at 17:10

    Sehr sehr geil, liebe Caro! Ich mag Dein philosophisches Geschreibsel ja sehr! <3 😀 Das liegt sicher auch zum Teil daran, dass ich mit Wortergüssen dieser Art so gar nichts am Hut habe. Da bin ich ganz einfach unkreativ. Aber immerhin selbstreflektorisch, nech?! 😛 Das ist doch was.
    Dein Outfit ist mal wieder bombe! *ilike* Und auf Deine neue Kategorie bin ich mehr als gespannt. Ich glaube, da können wir alle noch viel lernen! 😀 *daumenhoch*

    In diesem Sinne, Absolution sei Dir von meiner Seite erteilt.

    Liebste Grüße!
    Sanni (c:

    • Reply
      Carolin Schubert
      26. Januar 2015 at 19:15

      Vielen, vielen Dank für das Kompliment – auch wenn ich jetzt die Augenbraue hochziehen muss – wegen des "Geschreibsels" *lach*. Ich glaube, ich lern erstmal selbst wieder – ich bin also mit Dir gespannt!

    • Reply
      sannimade
      27. Januar 2015 at 5:09

      LOOOOL!! 😀 Irgendwie hatte ich beim Schreiben schon befürchtet, dass 'Geschreibsel' nicht sehr korrekt klingen wird! *arrggh* Aber Du verzeihst mir das, ich weiß das! :-* 😀

      Liebe Grüße!
      Sanni (c:

  • Reply
    KreaMino
    26. Januar 2015 at 18:17

    Hach… ich musste gerade sehr schmunzeln bei deinem Text – Geht es uns nicht allen ein wenig so? Ich konnte mich zumindest wiederfinden, auch wenn ich lediglich Maschinenbau studiert habe. Ich freue mich auf deine Reihe Kunst und Wunst! Deine Texte sind aber auch jedes mal wieder soooooooooooooooooooooo unbeschreiblich gut! Weiter so!
    Dein Beinkleid lädt zum Nachmachen ein! Großes Lob an dein Outfit!
    GLG Dominique

    • Reply
      Carolin Schubert
      26. Januar 2015 at 19:16

      Oh okay, bei Maschinenbau würde mir aber jetzt auch grad kein Übergang einfallen – oder eine blogtechnische Wiedergutmachung :-D. Auf alle Falle danke!!!! für Deine Worte!

  • Reply
    Anonym
    26. Januar 2015 at 19:24

    Liebe Carolin,

    Kleiner Tipp von Brillenträgerin zu Brillenträgerin…wenn es dein Budget zulässt und du in der Nähe einen Optiker findest, der diese Marke vertreibt so möchte ich dir die Marke "REIZ" ans Herz legen. Bin selbst Trägerin und liebe die Haptik und die hochwertige Verarbeitung. Ich selbst trage das Modell Kamille. Geh doch mal online schauen, da findest du vielleicht was, was dir zusagt. Wenn ich noch nen bisschen spare, gibt es bald nen zweites Teil eben auch in schwarz (meine ist braun gesprenkelt).
    Und die Sache mit der Kunst find ich spannend, viel Freude bei der Recherche.
    Liebe Grüße Stephie

    • Reply
      Carolin Schubert
      27. Januar 2015 at 11:00

      Vielen Dank für den Tipp, ich musste gestern gleich mal schauen – die sind ja hammer cool!

  • Reply
    FrauAlberta
    26. Januar 2015 at 20:46

    Ui, ui, ui…was für eine Schande für eine studierte Kunsthistorikerin. Da muss ich wohl mal beide Augenbrauen sehr sehr weit hochziehen… :))
    Liebe Grüße
    Anika

  • Reply
    Anonym
    27. Januar 2015 at 8:00

    …was für ein tolles Outfit! Sooo schön! Das muss ich auch haben:-) Wo kann man denn die chice Hose kaufen? Die sieht echt klasse aus zu den coolen Leggins.
    Liebe Grüße von Tanja

    • Reply
      Carolin Schubert
      27. Januar 2015 at 11:01

      Vielen Dank! Ja, ich bin auch ganz begeistert. Die Hose hatte ich mal bei TK Maxx gekauft, allerdings bestimmt schon vor zwei Jahren…

  • Reply
    Mia Buntherz
    27. Januar 2015 at 11:13

    Hey Carolin,
    ich finde die Leggings ist ein echter Hingucker und in der Kombi wie Du sie trägst voll lässig.Blumenmuster sind ja immer etwas schwer, wie ich finde aber hier ist Dir eine super Balance gelungen.Gefällt mir richtig gut Dein Outfit.
    Alles liebe & viele Grüße
    Mia von miabuntherz.blogspot.de/

  • Reply
    jor
    28. Januar 2015 at 8:56

    Hallo Carolin,
    dass ich deine Art zu Schreiben total gerne mag, weißt du ja glaub ich mittlerweile. Aber auch an dieser Stelle sollte es einfach nochmal gesagt sein!
    Obwohl ich eigentlich mit Kunst ehrlich gesagt in den meisten Fällen nicht sooo viel anfangen kann (bin halt ein kleiner Kulturbanause), freue ich mich sehr auf deine neue Rubrik. Denn bei deinem Schreibstil werde ich wohl auch solche Posts gerne lesen und kann nebenbei vielleicht noch etwas lernen 🙂
    Lieben Gruß, Nicole

  • Leave a Reply