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DIY

Der Charme einer Kittelschürze

Es gibt ja sogenannte Klassiker, eigentlich in jedem Bereich: Design, Musik, Mode, Witze. Ja, auch da. Besonders bei (nicht)lustigen Sprüchen und Liedern, die die eigenen Kinder ganz aufgeregt aus der Schule oder dem Kindergarten mit nach Hause bringen und sich, noch während sie es erzählen, vor lachen fast in die Hose… naja, Ihr wisst schon.

Jedenfalls erzähl ich Euch heute mal etwas über einen Klassiker, der zu meiner Kindheit dazu gehört wie selbst gemachte Nudelsuppe, Geigenunterricht und laaaaaaaaaange Spaziergänge im Grünefelder Park (Anmerkung der Autorin: über eben diese Spaziergänge sollte ich dringend eine Freitagskolumne schreiben!): die Kittelschürze meiner Oma! 
Seit ich denken kann, habe ich Urlaub bei meiner Oma gemacht. Beinahe jede Ferien verbrachten wir – erst ich allein, dann später mit meinem Bruder und noch viel später mit meiner Schwester – in dem kleinen idyllischen Dorf in der Oberlausitz. Es sind Kindheitserinnerungen, wie sie im Buche stehen: gegessen wurde, was uns schmeckte – es gab immer (okay, beinahe immer) Wunschessen; morgens haben mein Bruder und ich aus den Federnbetten, in denen wir geschlafen haben, hohe Türme gebaut und sind hinein gesprungen; der alte Schuppen meines Opas war faszinierend und gruselig zugleich; eine alte Zinkwanne im Garten war unser Pool; die Hasen, die meine Oma besaß, durften wir unser eigen nennen und ihnen Namen geben (mein Bruder nannte einen dieser Hasen übrigens „Vati“ – „er“ warf kurze Zeit später ungefähr 8 Junge…); im Spätsommer haben wir Heu „gemacht“, ich erinnere mich sogar noch, dass wir – als ich noch sehr klein war – auf die Felder zum Stroh sammeln gegangen sind. Meine Oma hat endlose Male mit uns die immer gleichen Gesellschaftsspiele gespielt und ebenso endlos versucht, mir das Handarbeiten beizubringen (ich erwähnte es, glaube ich, schon mal…) ;-). Bei allem, was sie wochentags machte, trug meine Oma stets eine Kittelschürze – sonntags blieb sie hängen (außer zum Essen kochen).
Ich liebe meine Oma sehr und es stimmt mich oft traurig, dass wir uns mittlerweile kaum noch sehen, weil die Entfernung zwischen uns so groß ist. Deswegen wollte ich etwas machen, was meine Oma und die besondere Beziehung zwischen ihr und mir (beziehungsweise ihren Enkeln) ehrt. In Anlehnung an den Kittel habe ich eine Nähschürze genäht und für Euch ein Freebook daraus erstellt. 
Die Schürze ist in vielerlei Hinsicht „omas kittel„: denn auch, wenn ich als Kind sehr handarbeitsresistent war, haben die Gene meiner Schneider-Oma doch irgendwann zugeschlagen ;-). Die Schürze besteht aus altem Mangelleinen und einer festen Webware, die mindestens 30 Jahre alt sein muss – ein wahrer Vintageschatz, den ich von meiner Oma vermacht bekommen habe.

Ein paar kurze Worte zum Freebook: Ihr bekommt es – wie gewohnt – als pdf-Datei, die Ihr Euch herunterladen könnt (mit einem Klick auf das Cover oder ab sofort auch unter der Rubrik Ebooks/Freebooks). Darin enthalten ist eine Erklärung mit Bild und Text zum Nähen, Tipps und weitere Anregungen und die Schnittteile zum Ausdrucken. Wie immer würde ich mich über Bilder  von Euch freuen und werde auf pinterest eine Pinnwand für all die Nähschürzen, die Ihr zaubert, anlegen.
Ich fand es ja im Übrigen wunderbar passend, als Jasmin von Nähwahna neulich den Nähmaschinenstoff sew in love über Lillestoff herausbrachte. Da habe ich mir gleich noch einen zweiten „kittel“ draus genäht ;-).
Nun bin ich natürlich auf Eure Reaktion gespannt und wünsch Euch ganz viel Spaß beim Nähen!
Übrigens: als ich  meiner Oma erzählte, was ich vor habe, hat sie sich richtig gefreut. Und es mit den Worten quittiert: „Also an Ideen mangelt es Dir ja nicht.“ 😀
Eure Carolin
Schnitt: omas kittel; Bluse Mamina von FRAULiebstes über ki-ba-doo
Material: Mangelleinen und bedruckter Baumwollstoff, sew in love von nähwahna und roter uni-Jersey über lillestoff, Spitze über ebay, gepunktete Baumwoll-Webware von C.Pauli über nähwahna

Das passt dazu...

13 Comments

  • Reply
    Nadja
    21. Oktober 2014 at 11:21

    Liebe Carolin,

    vielen Dank für das tolle ebook. Kann es sein dass das Schnittmuster in der pdf nicht vollständig drauf ist?
    Oder spinnt mein pdf-Reader?

    LG
    Nadja

    • Reply
      Carolin Schubert
      21. Oktober 2014 at 12:00

      Mmh, ich habe es eben nochmals kontrolliert, es sind alle vier Teile so drin, wie sie sollen. Ich hatte es auch extra probe gedruckt… Falls es nicht funktioniert, melde Dich gern noch einmal per Mail bei mir!

  • Reply
    Simone Hesse
    21. Oktober 2014 at 11:36

    Wie süß – so Oldschool-Teile liebe ich!
    Danke für das freebook!

    LG Simone

  • Reply
    Fräulein Mai
    21. Oktober 2014 at 13:55

    Eine tolle Anleitung. Vielen Dank dafür. So viele Ideen die du da im Kopf hast. Besonders schön wenn sie an Kindheitserinnerungen geknüpft sind. Meine Oma trägt auch immer noch Kittelschürzen. Allerdings richtige Kittel, also wie geknöpfte Kleider nur ohne Ärmel. Einige alte sind auch schon in meine Stoffkiste gewandert. Vielleicht kann ich daraus jetzt so eine Nähschürze machen.

    Liebste Grüße
    Fräulein Mai

  • Reply
    Ulrike Balks
    21. Oktober 2014 at 14:03

    Eine super tolle Idee. Nun weiß ich, was ich mit meinen schönen alten Laken, zum Teil bestickt, anfangen kann. Herzlichen Dank für die Anleitung.
    Liebe Grüße
    Ulrike

  • Reply
    FrauAlberta
    21. Oktober 2014 at 14:24

    Kittelschürzen sind so Oma-like. Wunderbar.
    Schade, dass das (bestimmt) aussterben wird…
    Auf jeden Fall eine grandiose Idee für nen eBook!
    Liebe Grüße
    Anika

  • Reply
    Prülla
    21. Oktober 2014 at 17:51

    Ich danke dir. Nicht für das Ebook (das kommt später(-;), sondern für die Erinnerungen. Erinnerungen, die leider oft viel zu weit weggeschoben sind. Ganz ähnlich sahen auch meine Ferien und viele Wochenenden bei meiner Oma aus und auch heute noch -mit 91 Jahren- trägt sie zu Hause ihre Kittelschürze. Mit Mustern, die jeden Stoffdesigner entzückt jubeln lassen würden (-; Ich ziehe mich jetzt mal kurz zurück und denke an vergangene Zeiten…
    …puh, da kullerten doch ein paar Tränen und ich hoffe, das Omchen hat gemerkt,dass ich ganz fest an sie denke. (ich bring das Taschentuch jetzt weg!)
    Deine Nähschütze ist toll! Warum hast du das nicht anderthalb Jahre früher rausgebracht? Ich wollte mal so was in der Art als Klammerbeutel nähen und bin kläglich gescheitert… Aber jetzt mit Omas Kittel – yeah. Deine Fotos sind wieder wundervoll. dicken Knutscher Danie

  • Reply
    Anonym
    21. Oktober 2014 at 18:33

    Hab mir neulich eine Klammerschürze genäht. Kittelschürzen kenn ich allerdings auch nur zu gut. Ebenso teile ich deine Erinnerungen an Omas Zeiten. Welcher Ort der Oberlausitz ist es denn? Bin selbst in einem Fast-Dorf in der Nähe von Bischofswerda groß geworden. Liebe ostdeutsche Grüße und danke für deinen Ein- bzw. Rückblick und die großartigen Fotos.
    Theresia

  • Reply
    Anonym
    21. Oktober 2014 at 20:16

    Hallo und vielen Dank für das tolle Freebook! Außerdem würde ich so gerne wissen, woher deine wunderschönen Pumps sind. Sie passen so toll zum Retro-Look. Verräts du mir die Marke? Liebe Grüße, Claudia

  • Reply
    jor
    22. Oktober 2014 at 6:24

    Liebe Carolin,
    vielen lieben Dank für deine tollen Worte. Leider kann ich nicht mit solchen Oma-Ferien-Erinnerungen (um die ich dich echt beneide) aufwarten. Aber meine Oma hat auch immer ne Kittel-Schürze getragen. Echt witzig, war halt die Zeit! Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
    Hat aber eine gewisse Gemütlichkeit und für uns Kinder ein Gefühl von Geborgenheit ausgestrahlt.

    LG, Nicole

  • Reply
    tillaBox
    22. Oktober 2014 at 6:28

    super ♥ super ♥ super
    eine Schürze steht auch bei mir ganz oben auf meiner todo-Liste. Deine Kreationen gefallen mir ausgesprochen gut, so altes Leinen liegt bei mir hier auch noch stapelweise herum (auch von meiner Oma, an die ich ähnliche Kindheitserrinnerungen habe, wie Du an Deine :))
    Und ich trage in der tat immer(!!) beim Kochen eine Schürze, weil es so wahnsinnig praktisch ist..
    Vielen Dank für diese Idee und Dein Freebook!
    Liebe Grüße
    Silke

  • Reply
    Der Rabe im Schlamm
    22. Oktober 2014 at 19:45

    Hach ja, die lieben Omas und die schönen Kindheitserinnerungen mit ihnen…
    Wir haben uns früher als Kinder immer ein bisschen darüber lustig gemacht, dass unsere Oma alle Möbel dick weiß lackiert hat und ihre Lieblingsfarbe rot war, und alles rot sein musste, von der Tischdecke bis zu den Blumentöpfen… Und jetzt sitze ich hier in meinem rot gestrichen Nähzimmer mit den weiß lackierten Möbeln 😉
    Deine Mamina gefällt mir übrigens ausgesprochen gut!
    Liebe Grüße,
    Katharina

  • Reply
    Rosa Rumpetrolls Rike - Leben und Nähen in Norwegen
    25. Oktober 2014 at 7:51

    hallo, liebe carolin 🙂 und glückwunsch+ein dickes dankeschön für diese tolle schürze, aber vor allen dingen für die schilderung dieser schönen kindheitserinnerungen. beim lesen deiner beiträge (die so "beängstigend" viele parallelen zu meinem leben haben…es ist ja schon verrückt: sachsen-"chemnitz-"ausgewanderte"-ossi-frau-mit-wessi-man-&-91jährige-schneidermeister-oma-…wer weiß, was da noch so ist :)) fühle ich mich jedesmal ganz heimat-duselig-melancholisch-glücklich-berührt und das schlimmste heimweh wandelt sich in bitter-süße heiterkeit. dafür danke ich dir!!! und daher klebe ich auch an deinem blog, wie ne schnecke am schwammerl 😉
    ganz herzliche grüße – sorry – GLÜCK AUF! liebe carolin, sendet dir katja

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