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Nachgedacht und aufgeschrieben

Nomen est omen! oder: die wortwörtliche Freiheit zu heißen, wie man ist!

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Fremdwörter sind was Feines und ich gebe zu, ich werfe ja auch gern hier und da mit Fachtermini um mich – manchmal allein wegen des Klanges ist es faszinierend. Und man lernt ja nie aus. Namenskunde heißt beispielsweise Onomastik, die Erforschung von Namen Onomatologie. Wusste ich bis heute morgen nicht. Habe ich aber nachgeschlagen, weil es nämlich genau darum heute geht – um Namen.

Mit der Namensgebung ist das ja so eine Sache. Spätestens dann, wenn man selbst Kinder bekommt und sich überlegt, wie der kleine Zwerg, den man ja noch nicht mal kennt, sein Leben lang gerufen werden soll, muss man onomastische Farbe bekennen. Ist der Name von Mutter, Vater, Großonkel, Patentante etc. Tradition oder hat man es lieber modern und unkonventionell? Klassisch und landessprachlich oder lieber kosmopolitisch? Individuell und einzigartig oder lieber dem Trend folgend? Und dann die große Frage: spielt die Bedeutung eine Rolle oder ist das vollkommen egal? 
Am Geschmack der Namensgebung scheiden sich ja wirklich die Geister, gleichzeitig fasziniert es mich ungemein, wie stark dadurch eine Gesellschaft widergespiegelt wird! Aber soziologische Studien stehen dann heute doch nicht auf meinem Programm, ich bleib mal hübsch bei mir selber. Und meinem eigenen Namen. Carolin.

Kommt von Karla und das wiederum von Karl. Und das wieder-wiederum ist, aus oben genannter, onomastischer Sichtweise alles mehr als spannend, finde ich. Aus folgenden Gründen:

1. Karl kommt aus dem althochdeutschen (was ich im übrigen tatsächlich mal studiert habe) und bedeutet erst einmal so viel wie (Ehe)mann und Geliebter. Diese Bedeutung gibt es auch in einigen anderen Sprachen. Wenn Karla also die weibliche Form ist – Geliebte und Ehefrau – wäre mein Name schon mal Programm. Nicht nur, dass ich die verheiratetete Geliebte meines Mannes bin, für mich war tatsächlich schon immer klar, dass ich nur so und nicht anders eine Beziehung haben kann. Und auch, wenn man sich im Laufe seines Lebens verändert: die grundlegende Einstellung, die mich veranlasst hat, bereits mit 21 das Ja-Wort zu geben, ist die Gleiche geblieben.
2. Dieser unter 1. erwähnte Karl lässt sich auf Karl den Großen und seinen Stamm der Karolinger  zurück führen. In unserer Familie ist Ahnenforschung eine sehr beliebte (nicht nur Freizeit)beschäftigung. Es existiert daher unter anderem eine Ahnentafel, die eine unserer Linien bis zum großen Karl zurück verfolgt. Wie genau und vertrauenswürdig diese Forschungen sind, weiß ich nicht. Ein Schloss oder wenigstens einen goldschätzigen, monitären Nachlass hat uns bisher keiner angeboten… Bleibt uns oder wenigstens mir nur der Name – besser als nichts, würde ich sagen.
3. Dieser Grund ist mein allerliebster. Karl heißt, neben Mann und Geliebter, auch der Freie, Carolin also die Freie. Soweit ich weiß, hat das für meine Eltern keine Rolle gespielt, aber sie hätten es nicht besser treffen können. Tatsächlich war und bin ich schon immer ein Mensch, der nichts weniger aushalten kann, als in irgendeiner Weise „eingesperrt“ zu sein. Zwang führt bei mir beinahe automatisch dazu, dass ich das genaue Gegenteil tue :-D. 

Na gut, wer mag schon tun, was er nicht will? (Und es ist völlig klar, dass ich in dieser Weise, wie ich es tue, über Freiheit schreiben kann, weil ich weder verfolgt werde, noch im Krieg lebe oder in einem Gefängnis sitzen muss! Die Freiheit in diesem Land – bei all seinen Problemen – ist etwas, wofür ich jeden Tag dankbar bin!)

Frei sein bedeutet aber für mich noch viel mehr die Freiheit meines Denkens, Glaubens und Wollens. Nicht einfach etwas für selbstverständlich zu halten, nur, weil es dem allgemein gültigen Konsens entspricht; an Dinge zu glauben, auch, wenn ich sie nicht sehe oder rational erklären kann; meine Träume zu denken und nach ihnen zu streben, auch wenn die äußeren Anzeichen vielleicht auf Sturm stehen. Zwänge, denen ich mich, wie alle anderen Menschen auf dieser Welt auch, unterwerfen muss, kommen von ganz allein, die muss ich nicht (erst noch) suchen. Aber frei sein, frei denken, Freiheit wollen – das ist etwas, an was ich festhalten will – allein schon, um meinem Namen gerecht zu werden ;-).

Einen möglichst zwanglosen Start in die neue Woche wünsche ich Euch!
Carolin

Schnitt: Ottobre Woman 5/1013, Schnitt no.1
Material: Jersey „Free“ von enemenemeins über Lillestoff
Schal bereits HIER gezeigt
Jeans: GAS
Schuhe: duckfeet

Das passt dazu...

17 Comments

  • Reply
    Fräulein Mai
    22. September 2014 at 13:51

    Ich lese so gern bei dir mit. Nicht nur wegen deiner wundervollen Nähwerke sonder auch wegen solcher Themen. Was man nicht alles aus dem Namen ableiten kann. Ein toller Post.

    Liebste Grüße
    Fräulein Mai

    • Reply
      Carolin Schubert
      22. September 2014 at 14:26

      Vielen Dank für Deine lieben Worte, ich hab mich sehr über so ein Kompliment gefreut!

  • Reply
    martina
    22. September 2014 at 14:10

    Was für ein toller Post!!!!
    Sehr sehr schön! Danke dafür! Leider bin ich ja mit meinem Namen so unzufrieden, wie man nur sein kann. Das werfe ich meinen Eltern auch hin und wieder vor die Füße, um die Ohren. Wenn sie auch sonst alles richtig gemacht haben, da haben sie versagt…. ich müsste auch Carolin heißen, denn es gibt für mich nichts schlimmeres als Zwänge und Eingesperrt sein. Freiheit ist einfach das Schönste was man haben kann. Und ich glaube den meisten von uns ist gar nicht bewusst, was für einen wunderbaren Schatz wir alle haben. Ich glaube, wer einmal die deutsch-deutsche Grenze *als sie noch eine war* überschritten hat, der durfte spüren, was es heißt eingesperrt zu sein…
    Liebe Grüße
    Martina

    PS: und Geliebte zu sein ist wundervoll… Das macht das Großsein erst so richtig aus 😉

    • Reply
      Carolin Schubert
      22. September 2014 at 14:26

      Dein Kommentar berührt mich sehr, tausend Dank dafür! Passend dazu: mein Mann und ich haben jeweils auf der anderen Seite der Grenze gelebt/sind da aufgewachsen – unsere Kinder sind also Wiedervereinigungs-Freiheits-Kinder :-). Ganz liebe Grüße! <3

    • Reply
      martina
      22. September 2014 at 14:50

      ach echt? Ist ja witzig! ich bin ja ein Berliner Kind, aufgewachsen in Schwaben. Aber meine Mama hatte eine Künstleragentur für Künstler aus der DDR. Von daher weiß ich sehr gut, wie es sich angefühlt hat. Ich war das letzte Mal zwei Wochen vor dem Mauerfall drüben gewesen und als wir damals alle vor dem Fernseher abends saßen konnten wir es nicht glauben, was wir dort sahen… 24h später saß ich gequetscht mit 4 Freunden im Auto auf dem Weg nach Berlin… da mussten wir dabei sein 😉 War das aufregend!!! 😉 GLG zurück!!!

    • Reply
      Carolin Schubert
      22. September 2014 at 14:58

      Ich kann mich gar nicht daran erinnern, ich war auch erst 6, gerade eben. Wir waren bei meiner Oma, meine Eltern in Polen! Für mich war die DDR nicht mit negativen Erinnerungen verbunden, dafür war ich zu klein. Aber meine Eltern und generell meine Familie war sehr vielen Repressalien ausgesetzt, schrecklich! Aber wenn ich jetzt Bilder und Videos vom Mauerfall sehe, das berührt mich so tief – das ist trotz allem in mir verankert!

      So, und Deine Geschichte klingt so spannend, wenn ich mal in HH bin, dann bestehe ich auf einen gemeinsamen Kaffee! (bei der Gelegenheit kann ich dann auch gleich Deine Mütze bestaunen :-D) <3

    • Reply
      martina
      22. September 2014 at 17:17

      Jaaaaaaa. unbedingt, ich bestehe auch darauf, dass Du Dich meldest, wenn Du mal hier bist! 😉
      Ach ja meine Mütze, die ist wohl schon deutschlandweit berühmt, BEVOR ich sie das erste Mal auf dem Kopf habe!
      glg m.

  • Reply
    Pamela {enemenemeins}
    22. September 2014 at 14:18

    Liebe Caro,
    danke für diesen tollen Post!

    Herzliche Grüße
    Pamela

  • Reply
    FrauAlberta
    22. September 2014 at 14:41

    "meine Träume zu denken und nach ihnen zu streben, auch wenn die äußeren Anzeichen vielleicht auf Sturm stehen". Das ist meine Lieblingsstelle.
    Toller Text (und tolles Klamöttchen).
    Liebe Grüße,
    Anika, die gerade ganz fasziniert davon ist, wie du aus der Bedeutung deines Namens so einen inspirienden Beitrag gemacht hast…

  • Reply
    evchen
    22. September 2014 at 14:49

    Wie schön, dass ich das ein oder andere Thema unserer letzten Konversation erkennen konnte <3
    Du siehst toll aus im Free! Und deine Worte sind toll gewählt, wie immer!
    GLG Eva

  • Reply
    Steffi
    22. September 2014 at 14:59

    Ein interessanter Post mit super schönen Bildern! Die Tunika steht dir richtig gut und der Stoff ist wunderschön! Coole Herbst-Kombi!

    Lieber Gruß
    Steffi

  • Reply
    Astrid Ka
    22. September 2014 at 16:30

    Das war ja mal spannend zu lesen… Es gibt also doch auch noch andere (Näh-)Bloggerinnen, die auf Umwegen zu ihrem eigentlichen Thema kommen, nämlich einem neu genähten Teil. Ich habe manchmal schon den eindruck, damit etliche Leserinnen verprellt zu haben…
    Was den Namen anbelangt, so weißt mein Mädchenname auf eben jenen Karolus Magnus hin, und was den Zwang bzw. die Freiheit anbelangt, geht es mir wie dir: Zu viel davon führt bei mir zu gegenteiligem Verhalten. Wer intelligent damit umzugehen weiß, wird den treuesten, fleißigsten, loyalsten Partner/Mitarbeiter in mir gewinnen.
    Das genähte Teil ist sehr hübsch, übrigens! Könnte auch was für mich sein….
    Liebe Grüße
    Astrid ( =göttlich Schöne, aber auch: Sternenreiterin )

  • Reply
    Claudia Schwischwaschwupp
    22. September 2014 at 17:36

    Bei mir wäre das nun schwieriger geworden, etwas inspirierendes über meinen Namen zu schreiben… Claudia – Die Hinkende oder die Verschlossene…Nun ja. Nicht immer muss Name ja Programm sein. 😉

  • Reply
    Annamiarl
    23. September 2014 at 8:44

    Liebe Carolin,
    ein sehr schöner Post – richtig poetisch irgendwie!
    Feel free!
    Lass dich drücken
    Anna

  • Reply
    Hana Mond
    23. September 2014 at 10:27

    Ich fand Namen schon immer interessant, für mich wäre die Bedeutung des Namens immer wichtig, wenn ich für zukünftige Kinder darüber nachdenken werde. Aber selten wird der Name wohl tatsächlich dann zum Menschen passen – das ist ja die Krux: Wenn die Eltern ihr Kind benennen, kennen sie es noch gar nicht …

    Mein Name besteht aus zwei Bestandteilen, die "die Reine" und "die Gnade" bedeuten. Nichts, was jetzt total mich und mein Wesen erfüllend beschreiben würden, aber es ist an sich ein schöner Vorsatz fürs Leben, wenn möglich immer gnädig zu sein, statt hasserfüllt, strafend und nachtragend.

  • Reply
    pipa pocoloco
    25. September 2014 at 14:46

    Ein sehr schöner Post! Da steckt irre viel Material drin, hab ich gern gelesen 🙂 Danke dafür!
    Naja und zum Kleid muss ich ja nix sagen, ne?

    Knutsch
    Paola

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