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Das Leben eben

Eine Ode an die Foodblogger

Um es gleich mal vorn weg zu nehmen: es gibt Gründe. Gute Gründe. Gewichtige Gründe. Echte Gründe, warum ich kein Foodblogger sein kann. Oder sein werde. Also, nicht, dass wir uns falsch verstehen: der kleine, aber immer präsente Nervenzwerg, der stets auf meiner Schulter sitzt und mir permanent ins Ohr flüstert (ich nenne ihn liebevoll meinen Hausfrauengeist), sieht das anders. Ganz anders. Ich KANN nämlich backen. Und KOCHEN kann ich auch. Wirklich! Was der Hausfrauengeist allerdings nicht weiß: das alleine reicht ja schon mal gar nicht aus. Aber ich, jahaaaaa, ich weiß das. Deswegen gibt es also Gründe. Gute Gründe. Gewichtige Gründe. Echte Gründe, warum ich kein Foodblogger sein kann. Oder sein werde.

1. Da ein Blog ja immer nur so interessant ist wie seine Inhalte, habe ich schon mal ganz schlechte Karten. Ihr erinnert Euch vielleicht an mein Essensdilemma, über das ich Euch HIER berichtete? Damals habe ich es schon angedeutet: ein Foodblog, der nichts anderes als Nudeln mit Parmesan, Reis ohne Beilage, Kartoffeln mit Butter und rohes, in Streifen geschnittenes Gemüse zu zeigen weiß, kann so kreativ gar nicht sein, als dass nicht spätestens beim 5. Trockenreis-Foto alle bis dahin zumindest noch willigen Leser laut schreiend das Weite suchen. 
2. Ich bin ein verantwortungsbewusster, sozial-ökonomisch denkender Mensch. Aus oben genannten Gründen müsste ich also all die Spezialitäten, die ich – der erwähnten abwechslungsreichen und interessanten Inhalte wegen – einkaufen und zubereiten würde, entweder
a) alle alleine essen. Evtl. würde sich noch Herr S. erbarmen, mein Schicksal zu teilen. Leider sind hier die (nicht! sprichwörtlichen) Gewichtsverteilungen ungleich geregelt, so dass ich über kurz oder lang völlig unökonomisch stetig neue Kleidung kaufen müsste. Oder nähen. Um darüber wieder zu bloggen. Zumindest für die Stoffproduzenten dieser Welt wäre das eindeutig ein Vorteil. Oder
b) wegschmeißen. Und DAS kann ich auf keinen Fall. Zu tief sitzen die frühkindlich geprägten Ängste darüber, was passiert, wenn man sein Essen nicht aufisst.
3. Ich besitze nichts, was auch nur annähernd das Fachwort Food-Props (für alle die, die auch keine Foodblogger sein können wie ich: Props sind Requisiten) verdient. Seit der Kobold sich auf zwei Beinen bewegt, hat sich unser Geschirrbestand stetig verringert – proportional zu unseren Möglichkeiten, diese Verluste auszugleichen. Salz ist bei uns fein gemahlen, ich besitze keine alten Löffel, keine grob abgeschliffenen Bretter, kein altes Tischleinen,  keine stylische Küchenmaschine, die ich ins rechte Licht rücken könnte und – dank der eben erwähnten Umstände – Geschirr, was sich beispielsweise aus drei Osterhasentassen und angeschlagenen Tellern für 5-10 Personen (je nachdem, welche Größe verlangt wird) zusammen setzt. Das einzig in Frage gekommene Requisit wären vielleicht noch die sechs Ittala-Trinkgläser, die ich hüte wie einen Augapfel.  Aber seien wir mal ehrlich: wie viele Gerichte lassen sich schon in einem 11 cm hohen Glas servieren? 

Gestern nun bekamen wir Besuch. Der Hausfrauengeist war hartnäckig – geradezu obszön penetrant. Und weil ich meine Schwächen habe – man sehe es mir nach – musste ich es tun. Ich habe gebacken. Und fotografiert. Und dabei eine höchst erstaunliche Entdeckung gemacht! So erstaunlich, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, auf dem nächsten Flohmarkt nach alten Löffeln und Backformen Ausschau zu halten.
Das Fotoobjekt (in diesem Fall eine Sachertorte), das, was vor die Linse soll und was man so verzweifelt versucht, ins rechte Licht zu rücken mit all dem Schnörkeldingenskrams ringsherum (wie zum Beispiel ganz zufällig um das Marmeladenglas gewickeltes Bäckergarn…), hält still. ES HÄLT STILL! Es zupft sich nicht die Frisur kaputt, haut der Schwester nicht die Bausteine auf den Kopf (anstatt kompositorisch ansprechend damit zu spielen), es hüpft nicht, wackelt nicht mit dem Kopf, tanzt nicht auf einem Bein, obwohl es das gar nicht soll (oder umgekehrt) – kurz und gut: es bleibt da, ansprechend hin drapiert, lässt sich geduldig und liebevoll von rechts nach links und wieder nach rechts rücken und sieht dabei gleich bleibend schön aus.

Außer es schmilzt vielleicht. Oder wird vorher gegessen. Oder es soll dampfen, ist aber in der Zwischenzeit abgekühlt. Oder es verändert die Farbe – und sieht dann nicht mehr ganz so schön und appetitlich aus. Aber ich schätze, das passiert einem echten und versierten Foodblogger nicht, oder doch? Meinem Hausfrauengeist wäre das allerdings piep egal. Der ist nämlich der Meinung: Hauptsache, es schmeckt.

Einen leckeren Start in die Woche wünsch ich Euch!
Eure Carolin

P.S.: Falls Ihr auch auf den Geschmack gekommen seid, hier noch schnell das Rezept, nach der ich diese  wahnsinnig leckere Sachertorte gebacken habe. (aus dem Buch „Schokolade“, Verlag Zabert Sandmann, München, 2006).

Das Rezept ist für eine Springform mit 24cm Durchmesser.

Für den Biskuitteig:
Fett und gemahlene Mandeln für die Form
200g Zartbitterschokolade
8 Eier
100g Zucker
200g weiche Butter
150g Puderzucker
150g Mehl
50g gemahlene Mandeln
Für die Glasur:
200g Zartbitterschokolade
200g Zucker
Außerdem:
150g Aprikosenkonfitüre

Die Springform fetten und den Boden mit gemahlenen Mandeln bestäuben. Schokolade hacken und im Wasserbad schmelzen. Eier trennen und Eiweiß steif schlagen, dabei den Zucker langsam einrieseln lassen. Backofen auf 180°C vorheizen (Umluft).
Butter mit Puderzucker (sieben!) schaumig schlagen. Erst die Eigelbe, dann die geschmolzene Schokolade unterrühren. Eischnee unterheben. Mehl mit Mandeln vermischen und ebenfalls unterheben. Teig in die Form füllen und eine Stunde backen. Herausnehmen, kurz auskühlen lassen, anschließend aus der Form lösen und auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen.
Torte mit einem scharfen Messer halbieren, auf die untere Hälfte Aprikosenmarmelade streichen, obere Hälfte aufsetzen und diese ebenfalls mit Konfitüre bestreichen.
Die Schokolade mit 1/8l Wasser und dem Zucker im Topf schmelzen, aufkochen und 5 Minuten köcheln lassen (stetig rühren!) . Etwas abkühlen lassen und anschließend über der Torte verteilen. Alles fest werden lassen.

Übrigens: die Aprikosenkonfitüre, die ich für diese Torte verwendet habe, war eine Eigenproduktion aus dem letzten Jahr. Das hat das Ganze gleich noch ein bisschen leckerererererer gemacht.

Das passt dazu...

11 Comments

  • Reply
    Elke (pulsinchen)
    18. August 2014 at 9:49

    Das sind schon ganz schön gewichtige Gründe für das Foodbloggen:
    1. Die Objekte halten still
    2. Die Objekte halten still
    3. Die Objekte halten still

    Ich werde jetzt auch Foodblogger. Ach nee. Ich kann ja weder gut kochen noch fotografieren. Also nähe ich mal weiter.

    Dein Kuchen sieht aber schon ganz schön lecker aus.

    Liebe Grüße,
    Elke

  • Reply
    Annika
    18. August 2014 at 10:00

    Wieder mal ein ganz wunderbarer Post. Und die Fotos machen mich so hungrig, dass ich jeztt erst mal essen geh…

    LG Annika

  • Reply
    änni
    18. August 2014 at 10:45

    Mhmmm… Danke für das tolle Rezept und das erste Grinsen am Montag morgen 😉
    Liebe Grüße, Änni

  • Reply
    Claudia :)
    18. August 2014 at 11:37

    Und es war ganz schön lecker. 🙂 Danke, liebe Caro, für den leckeren Kuchen, den Einblick in dein Fotostudio und den netten Nachmittag. 🙂

  • Reply
    JOs Creativ
    18. August 2014 at 12:37

    Na, da hat dir dein Hausfrauengeist aber gezeigt, wie man mit seinen Aufgaben wächst was!? ;-). Also mir gefällt`s. Möge der Hausfrauengeist regelmäßig über dich kommen….
    LG Janine

  • Reply
    Nell b.colorido
    18. August 2014 at 19:28

    cool geschrieben, danke für die vielen schmunzler 🙂 und danke für's rezept! obwohl ich mir sicher bin, dass in eine sachertorte auf keinen fall "aprikosenkonfitüre" gehört! 1000% dass dort "marillenmarmelade" stehen müsste 🙂
    glg nelli

    • Reply
      Carolin Schubert
      19. August 2014 at 9:00

      Haha, da hast Du wohl definitiv recht, Asche auf mein Haupt ;-).

  • Reply
    Susi
    18. August 2014 at 21:00

    Fantastisch! Absolut fantastisch!! Vom Text über die Fotos bis zum Rezept!
    Und wer wischt jetzt den Sabbersee von meiner Tastatur??

    Liebste Grüße
    Susi

  • Reply
    Astrid Ka
    18. August 2014 at 21:24

    Das ist ein sehr gewichtiges Argument!
    LG
    Astrid

  • Reply
    pipa pocoloco
    19. August 2014 at 10:31

    love your pics!!!

    :-*
    gglG Paola

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