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Nicht von der Stange

Stilblüten

Heute Morgen müssen wir uns mal über Stilfragen unterhalten. Vielleicht erinnert Ihr Euch daran, dass ich in meinem Blogpost, in dem ich darüber erzählte, was für ein Typ Mädchen ich bin, der Meinung war, ich hätte keinen Stil bzw. keinen Stil zu haben wäre eben genau meiner?! Tja, was soll ich sagen? Warum ich mich zu so einer unqualifizierten Aussage habe hinreißen lassen, weiß ich bis heute nicht. Deswegen müssen wir darüber noch mal reden, dringend! (Ihr wisst ja: Frauen müssen immer über alles reden ;-)).

Um es gleich mal vorn weg zu nehmen: Stil ist für mich, zumindest hier und heute, keine Frage des Allgemeingültigen. Sozio-, kultur- und kunsthistorisch mag das etwas anderes sein. Schließlich spricht man landläufig von einem Stil, wenn sich bestimmte äußere Charaktereigenschaften, Ausprägungen und Merkmale in einer gewissen Zeit, innerhalb einer bestimmten Personengruppe oder während einer Epoche immer wieder finden. Aber das lassen wir heute mal gepflegt außer acht und konzentrieren uns auf den persönlichen Stil – den unserer Kleidung, wohlgemerkt.
Ich bin kein Typ für mainstream, war ich noch nie. So cool das auf der einen Seite klingen mag, so anstrengend ist das manchmal auch. Nehmen wir zum Beispiel mal diese ganze Selbernäherei. Als ich so wirklich angefangen habe, Kleidung für mich zu nähen, war ich mehr als überwältigt von dem Angebot an Stoffen und Schnittmustern. Ich nähte, experimentierte, nähte weiter. Ich schaute mir bei anderen so ab, was die nähten, holte mir Inspirationen, Anregungen, war oft ganz hingerissen von all dem kunterbunten Ideenreichtum und mein Schrank füllte sich nach und nach mit lauter ebenso kunterbunten, manchmal etwas verspielten Kleidungsstücken (viele davon kennt Ihr, Ihr braucht Euch nur ein wenig durch meinen Blog zu klicken ;-)). Hinzu kam die Begeisterung, dass ich eine reelle Shopping-Alternative gefunden hatte, denn dafür fehlt mir zu oft einfach das nötige Kleingeld (an dieser Stelle eine Randbemerkung, weil ich das so oft gefragt werde: ja, selber nähen ist sehr oft günstiger als Kleidung einzukaufen!)
Irgendwann stand ich nun vor all dieser verspielten Farbenpracht und fragte mich: was um Himmels willen hast Du Dir nur dabei gedacht????? Bügel um Bügel wanderte vom Schrank auf mein Bett, das Kleidungsstück in eine Kiste und im letzten Monat habe ich den Großteil davon auf dem Flohmarkt verkauft. Das Ergebnis: eine sehr, sehr leerer Kleiderschrank und die große Frage, was ich eigentlich das letzte Jahr über gemacht habe?!
Mir ist aufgefallen, dass die verschiedenen Stile, die uns so in der Kleidungsindustrie, in Modezeitschriften, auf fashion-Blogs begegnen locker um einen weiteren ergänzt werden könnten: dem Selbermacher-Stil. Bunt, fröhlich, mit Stoffen und Schnitten, die es sonst so auf dem Markt nicht unbedingt zu finden gibt. Eigentlich ist das alles ja sehr schön. Ich mag Farben, ich mag fröhlich sein und was im Kleiderschrank zu finden, was es sonst so nicht gibt – oh ja, das mag ich erst recht! Dumm ist nur, wenn das, was man morgens so zur Auswahl hat, um den eigenen Körper zu verhüllen, so gar nicht dem eigenen Typ entspricht. 
Für mich war das letzte Näh-Jahr eine Reise, könnte man sagen. Zurück zu dem, was ich eigentlich toll, sexy und tragbar finde, was genau meiner Einstellung zum Leben entspricht, wie ich mich selbst sehe und sehen will. Das, was ich mir nähe, bleibt farbig, aber eben nicht bunt. Fröhlich bleibt es auch, weil das richtige Kleidungsstück zu tragen nun mal Glücksgefühle auslöst (ich denke, alle Frauen würden mir hier zustimmen ;-)). Ich experimentiere auch weiterhin, vor allem mit Schnitten und Ideen davon, was und auf welche Art ich es wirklich tragen möchte. Ich sag ja: es ist anstrengend ;-). Aber das bin ich nun mal; nicht unbedingt anstrengend, aber der Typ, der nicht immer den einfachen Weg sucht.
Das Kleid, was ich Euch heute zeige, ist eine Blüte meines Stils. Ein Strandkleid, was lässig und cool ist, genauso, wie ich – und jetzt bin ich mal ganz ehrlich – gern sein möchte. Alle nähtechnischen Infos findet Ihr übrigens auf dem BERNINA-Blog, auf dem ich das Kleid heute vorgestellt habe.
Und jetzt bin ich neugierig auf Eure Kommentare, Antworten, Überlegungen, alles, was Euch eben so einfällt.
Habt einen tollen Donnerstag,
Eure Carolin
P.S.: Eine kurze Anmerkung zu meiner letzten Kolumne: tausend Dank für all Eure lieben Kommentare, Aufmunterungen und Wünsche. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut! 
Dear international readers, this post will be available in German only. Thanks for your understanding!

Schnitt: Strandkleid aus BERNINA inspiration no.59
Material: Interlock und Bündchen von C.Pauli, alles über Nähwahna (dort in weiteren Farben erhältlich!)
Flip Flops: Reef, Hose: Roxy, Bikini: protest
verlinkt bei RUMS

Das passt dazu...

20 Comments

  • Reply
    liebste schwester
    14. August 2014 at 6:44

    Sieht super aus!

    Sonnige Grüße
    Katrin von
    liebste-schwester.blogspot.de
    Besuch uns doch mal, wenn du Zeit und Lust hast.

  • Reply
    Annika
    14. August 2014 at 6:55

    das kann ich wieder nur zu 100% unterschreiben. Der selbermacher-stil. das bringt's auf den punkt. so ein bißchen farbe ist ja toll, aber vieles ist mir dann doch viel zu bunt und auch ich hab in letzter zeit angefangen mir zu überlegen was ich denn eigentlich wirklich toll find und auch anziehe…

  • Reply
    JOs Creativ
    14. August 2014 at 7:30

    Wie wahr! Auch ich habe viele Kleidungsstücke aus dieser Nähhype für mich genäht mit dem Ergebnis, das sie ungetragen im Schrank hängen weil sie gar nicht meinem Stil entsprechen. Mittlerweile überlege ich dreimal ob mir ein Schnitt auch an mir gefallen würde bevor ich ihn kaufe, dies gilt natürlich auch für Stoffe. Was ich zwischenzeitlich auch gelernt habe – lieber Qualität statt Quantität.
    LG Janine

  • Reply
    Einfach Schnieke
    14. August 2014 at 7:43

    Liebe Carolin,

    mir geht es ganz ähnlich, daher spricht mir dein Post aus der Seele :). Ich finde den Selbermacher-Stil toll, aber vieles ist mir dann doch zu bunt und zu wild gemustert. Es passt einfach nicht zu mir. Ich lasse mich nach wie vor gerne von den ganzen Ideen inspirieren, aber versuche es dann eben meinem eigenen Typ anzupassen.

    Liebe Grüße
    Anika

  • Reply
    änni
    14. August 2014 at 7:48

    Wunderschöne Bilder! Ich guck mir sehr gerne bei anderen verspieltes "Tüddelzeug" an, greife aber bei der morgendlichen Kleiderfrage auch zum schlicht-lässigen Teilchen. Dein Satz "farbig aber nicht bunt" trifft es ganz wunderbar.
    Liebe Grüße, Änni

  • Reply
    frolleinLuSi
    14. August 2014 at 8:20

    Eine super tolles Kleid!So schön schlicht!Ich mag sowas!Ich habe das selbe Problem.In meinem regal, sind lauter bunte Stoffe…und da werden sie vermutlich liegen bleiben bis ich im nächsten Leben vielleicht eine Tochter bekomme!��
    Ich habe aus einigen gammelhosen genäht oder schlafhosen…aber noch nicht mal da ziehe ich sie an.
    Ich denke mir immer andere Leute können so schön mit Farben spielen und kombinieren und es sieht gut aus!Ich versuche es und bekomme es einfach nicht hin.Was letztendlich warscheinlich daran liegt, dass es einfach nicht mein Stil ist!Jeder sollte dem folgen, was er wirklich ist!Mein rums hat heute Farbe aber es ist nicht verspielt!Es sind meine Farben die mir stehen aber mehr brauche ich nicht!
    Nocheinmal ein super tolles cooles sexy strandkleid!!!
    Hut ab!
    liebe grüße
    Sina

  • Reply
    pipa pocoloco
    14. August 2014 at 8:30

    Du triffst es mal wieder auf den Punkt.
    Soooooooooo hübsch schaust du in deinem tollen Strandkleid aus ♥

    Die Bilder sind der Hammer, ich muss mir den Raffi unbedingt mal ausleihen 😉

    Füll deinen Kleiderschrank auf und zeig mehr davon!

    herzliche Grüße
    Paola

  • Reply
    Katharina
    14. August 2014 at 8:40

    Ich finde Deinen Stil absolut toll! 😉
    Und was Du da beschreibst kenne ich nur zu gut. Ich habe vor einiger Zeit meinen Stoffschrank ausgemistet. Als ich anfing habe ich mir glaube ich jeden neuen Stoff gekauft, vor allem die "must haves". Ich fragte mich dabei auch warum ich den ein oder anderen nur gekauft habe. Manchmal ist es einfach ein Sog, in den man reinrutscht. Dabei bin ich da eigentlich nicht so anfällig. Mode geht mehr oder minder an mir vorbei. Nur weil man angeblich diese und jene Farbe tragen sollte muß ich das nicht. Aber bei Stoff setzt das Hirn aus. Und immer mehr merke ich, daß ich auch zu meinen Wurzeln zurückkomme. Schlichte Muster, etwas verspielt, aber nicht knallig, schreiend.
    Ich freu mich auf die nächsten Stücke mit Deinem Stil! Weiter so! Und jetzt gehe ich eine Runde weinen, weil ich so ein Kleid nie und nimmer tragen kann 😉
    Gruß
    Katharina

  • Reply
    Susi
    14. August 2014 at 9:24

    Liebe Carolin,
    ein sehr schöner Post und absolut wahr. Man lässt sich oft viel zu leicht beeinflussen von den ganzen Sachen die man überall so sieht. Dein Stil gefällt mir sehr gut und passt wirklich super zu dir. Man merkt das bist DU!

    Falls ich es noch nie geschrieben hab, dein Blog gefällt mir sehr gut. Deine Art zu schreiben find ich klasse. Meist guck ich bei den Blogs nur die Bilder oder überfliege den Text höchstens. Bei dir les ich jedes Wort!! Danke, mach weiter so!!

    Liebste Grüße
    Susi

  • Reply
    FräuleinAn
    14. August 2014 at 9:51

    Wunderschöne Fotos, wunderschönes Kleid.
    Ich bin auch eher das Gegenteil von bunt, es sei denn es handelt sich um Taschen, denn die dürfen bunt sein 🙂
    Ich wünsche dir einen schönen Donnerstag.
    Liebe Grüße, Andrea

  • Reply
    Gartenwildwuchs
    14. August 2014 at 9:51

    Ich habe es getan, ich habe mir tatsächlich deine letzten Näh Werke angesehen 🙂 und Ich verstehe was du meinst. Gutes Beispiel für mich ist wohl das Leaves-Shirt (obwohl ich den stoff Liebe) ich finde gerade Oberteile in bunt oft schwierig, dafür Röcke und Kleider super 🙂 ich hoffe du hast nicht auch das wundervolle Blockstreifen-Kleid verkauft…. dein heute gezeigtes Teilchen steht dir einfach super… aber du kannst auch Farbe gut tragen 😉 lg stffi

  • Reply
    Anke Przybilla
    14. August 2014 at 10:31

    Also endlich mal jemand, der er ausspricht: der kunterbunte Selbermachstil. Obwohl ich inzwischen seit weit über 20 Jahren (mit vielen Pausen) nähe, war mein Wiedereinsteig letztes Jahr auch sehr bunt. Noch mag ich die meisten Sachen, doch eher daheim und auf dem Feld, beim Hundespaziergang. Bürotauglich und cool sind die wenigstens selbstgeschneiderten Dinge. Aber das soll sich ändern. Bereits im Sommer habe ich mir eine farbenfrohe (aber nicht bunte) aufeinander abgestimmte Kollektion genäht und im Winter wird es nun schwarz/weiß. http://cookreadsew.blogspot.de/2014/07/kurz-vor-der-sommerpause-meine-geplante.html
    Ich werde mich auf weniger Teile konzentrieren, mehr darauf achten, was ich mir wirklich im Laden kaufen würde und meinen eigentlichen lässigen Stil pflegen. Experementieren bleibt natürlich erlaubt und wenn mir ein toller Stoff in die Hände fällt, kann man ja über eine Homewear-Variante nachdenken ;-). LG ANke

  • Reply
    Loumai
    14. August 2014 at 11:16

    Wie wahr…. dennoch genieße ich die erste bunte Einstiegsphase momentan. Mal sehen, wann es mir zu bunt wird.
    Ich finde Dein Kleid steht Dir ausgezeichnet und geh gleich mal bei Bernina gucken.
    Liebe Grüße
    Tanja

  • Reply
    Naebutikk
    14. August 2014 at 11:51

    hach, das hast du aber fein geschrieben. Für deine Blogpost nehme ich mir extra immer ein Minütchen mehr Zeit zum Lesen 🙂

    Aus meinem Kleiderschrank wandern so nach und nach auch wieder einige bunt-gemusterte Teilchen raus und die neuen, die reinkommen sind eher einfarbig und schlicht und "langweilig".

    Dein Kleid ist toll und die Fotos noch viel toller!!

  • Reply
    Elke (pulsinchen)
    14. August 2014 at 12:07

    Liebe Carolin,

    ich habe mir jetzt extra mal deine Posts vom August 2013 angeschaut, um zu vergleichen. Ich habe schon damals deine Fotos angeschaut und oft gedacht, dass deine Sachen schön aussehen, aber nichts für mich wären, weil zu bunt und betüddelt. Das hat sich gerade geändert, denn dein Kleid von heute würde mir auch gefallen. Das wäre im Urlaub super gewesen. Auch mit den Farben hätte ich mich gleich angefreundet.

    Ob das Selbernähen wirklich günstiger ist als kaufen ist bestimmt relativ. Wieviel würde man sonst im Laden für eine Klamotte ausgeben? 9,90 Euro für ein Tshirt oder eher 59,90 Euro? Wenn ich mir den Wert meiner beiden Nähmaschinen und die Stoffkäufe, Schnittmuster, Bücher, Zeitschriften etc ansehe, weiß ich, dass ich noch ein Weilchen nähen muss, bis sich das amortisiert hat ;-). Bei mir steht da eher die Freude am Selbermachen im Vordergrund. Aber vielleicht rechne ich mir beim nächsten Shirt mal aus, ob es mich weniger kostet als eines, was ich mir gekauft hätte.

    Letztes Jahr habe ich bei dir nur Fotos angeschaut, nun lese ich auch, was du schreibst. Dein Stil gefällt mir.
    Herzliche Grüße,
    Elke

  • Reply
    by SaTe
    14. August 2014 at 12:38

    Toll geschrieben!! Und dein Kleid finde ich auch toll!! Siehst gut aus… 🙂
    Ich bin mal bunt und auch mal schlicht… Was ich mir für den Sommer genäht habe würde ich im Winter zB nicht anziehen!! Bei mir sind es Phasen…und damit komme ich gut klar und fühle mich wohl!
    Liebe Grüße
    Sandra

  • Reply
    Fräulein Mai
    14. August 2014 at 13:46

    Ein tolles Kleid, das dir noch dazu wundervoll steht.
    Ich glaube nicht, dass selbst nähen günstiger ist als kaufen. Oft denke ich über den kauf eines Schnittmusters nach, wenn ich dann aber mal zusammenrechne: Schnitt, Stoff, Garn, Strom und Zeit… Für manch ein Teil lohnt sich das einfach nicht. Außerdem ging es mir oft so, dass ich viel Mühe und Material in ein Kleidungsstück gelegt habe und dann hab ich mich einfach nicht wohl gefühlt. Ärgerlich, wenn das Stück dann im Kleiderschrank ein langweiliges, ungesehenes Dasein fristen muss.

    Liebste Grüße
    Fräulein Mai

  • Reply
    FrauAlberta
    14. August 2014 at 16:47

    Bevor ich hier meine Erkenntnisse bezüglich meines Kleiderschrankes niederschreibe, lade ich dich lieber ein hier mal bei mir nachzulesen
    http://fraualberta.blogspot.de/2014/06/mein-kleiderschrank-und-ich.html
    Liebe Grüße
    Frau Alberta

  • Reply
    Ein Quentchen Glück
    14. August 2014 at 20:25

    Klasse Bilder! Und ich kann deinen Text zu hundert Prozent nachempfinden! Ich habe zwar noch gar nicht so viel selbst genähtes und auch nicht so vieles in super bunt… aber ich bin sehr oft verführt, mir bunte (Kinder)Stoff zu schnappen und für mich zu vernähen. Was ich an anderen ganz süß finde, geht bei mir selbst aber dann doch in den seltensten Fällen…
    Liebste Grüße Karina

  • Reply
    Frölein Tilia
    15. August 2014 at 8:55

    Hach, du sprichst mir so was von aus der Seele! Vor einem Jahr sahen meine Kleidubgsstücke auch noch wesentlich bunter aus. Mir gefallen sie zwar immer noch gut, doch greife ich in der Regel zu den schlichteren, ja unifarbenen Stücken. Ich habe jedoch fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir simple uni Shirts nähe… Du hast mich mit deinem Post ermutigt weiter meinen Weg zu gehen, danke!!
    Und: supercooles Kleid!! Lieber Gruss Eveline

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