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Das Leben als solches

Das Leben als solches #7 [Ganz schön voll hier!]

Szene 1:

Familie S. steht im Geschäft, der Prinz probiert Sandalen an. Totale Begeisterung beim Kind, Mama und Papa sind zufrieden, die Schuhe werden gleich anbehalten. Dann stellt die – bisher wirklich sehr freundliche – Verkäuferin DIE Frage! Die, vor der mir immer graut, vor allem, wenn mein Erstgeborener dabei ist: wollen Sie die Schachtel mitnehmen?

Mein Mann und ich schütteln vehement den Kopf, das Kind schreit laut und mit noch mehr Euphorie als über die neuen Schuhe „JAAAAAAAA!“ Auf meine sehr bestimmte Ansage, dass wir nicht NOCH einen Karton brauchen, untergräbt die bis dahin so freundliche Verkäuferin gänzlich meine Autorität  und wird ad hoc zum Staatsfeind no.1. Sie lehnt sich über die Ladentheke und zwinkert dem Prinzen verschwörerisch zu: die braucht man zum Sammeln, stimmt’s?

Heißt es nicht, Männer wären Jäger und die FRAUEN Sammler? Nun, mein Sohn beweist das Gegenteil. Er sammelt. Alles. Steine; falsch gedruckte Schnittmusterpapiere; Bonbonverpackungen; Stöcke; Federn; Fähnchen, die man zur Verzierung in die Torte steckt; Gummis; Schnipsel; Bänderreste; Verpackungsfolie; Luftballons; leere Klopapierrollen – die Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Jetzt könnte man anführen, dass er da ganz nach der Mama kommt. Wenn ich mich hier so in meinem Arbeitszimmer umsehe, sind wohl gewisse Tendenzen einer Sammlerin erkennbar… Aber das ist jetzt nicht der Punkt (wirklich nicht! Auch nicht der, dass ich nahezu alles in Kisten, Kartons und Boxen packe…).

Meine Erfolge, das Konzept der Trennung von überflüssigen Dingen gewinnbringend zu vermitteln, sind nicht wirklich vorzeigbar (von nicht existent sprechen wir jetzt mal lieber nicht, dass verkraften meine Nerven nicht so gut). Es scheint, als ob wir diesbezüglich auf zwei verschiedenen Planeten leben (war da nicht auch irgend so eine Geschichte mit Männern und Frauen und Mars und Venus?). Was für mich Krimskrams ist, überflüssiger Krempel, Müll, wenn ich meine ganz schlecht gelaunten Tage habe, das ist für den Prinzen ein wertvoller Schatz. Etwas, woraus man bestimmt noch irgend etwas machen kann. Ein Geschenk, dass er liebevoll für seinen Kindergartenfreund verpackt.

Szene 2:

Während ich auf dem Boden hocke und Schnittmuster zusammen klebe, kommt Herr S. mit dem Prinzen um die Ecke gebogen. Sie unterhalten sich. Es geht um Taschengeld, Top Agents-Playmo, Star Wars-Lego. Ob teuer gleich wertvoll ist. Herr S. erklärt – ganz der Pädagoge – dass Dinge unterschiedlichen Wert besitzen können, fernab von Geld. Dann werde ich hellhörig. Der Prinz meint fröhlich: das ist toll, dann kann ich mir ja selber aussuchen, was für mich wertvoll ist. Gelb zum Beispiel, das mag ich gern. Oder mein Häschen. Oder Mama und Papa.

Das passt dazu...

11 Comments

  • Reply
    Pamela {enemenemeins}
    23. Mai 2014 at 12:30

    Du warst heute in meinem Kopf, oder? Beim Machen der Kinderbetten hab ich nämlich auch ungläubig das Sammelchaos der Jungs begutachtet und mich gefragt, warum sie nicht meine Liebe zu freien Flächen und Reduktion teilen und ob das irgendwann doch noch einsetzt.

    Liebste Grüße
    Pamela

    • Reply
      The (B)Logbook
      23. Mai 2014 at 12:37

      😀 Weißt Du was? Ich glaube, es ist die ernüchternde Wahrheit, dass mehr als eine Person pro Familie und Haushalt mit unseren Vorlieben nicht ins Gesamtkonzept der Weltordnung passt *hahaha* :-*

  • Reply
    kristina
    23. Mai 2014 at 13:01

    Das hast du wieder sehr schön geschrieben.
    Bei uns wird auch alles gesammelt und aufgehoben, denn man weiß ja nie!!!
    NUR leider werden diese Sachen einfach auf dem Boden liegen gelassen, und nicht in irgendwelchen Kisten gelagert!!!
    Ich frage mich dann immer wieder, wie ein kleiner Mensch es immer in so kurzer Zeit schaffen kann, das es aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen….
    LG Kristina

  • Reply
    Sandra K.
    23. Mai 2014 at 15:02

    Hach, wie schön 🙂 "Mama und Papa" *schmelz* Toller sammelwütiger Räuber!
    Liebste Grüße
    Sandra

  • Reply
    Annika
    23. Mai 2014 at 15:40

    Unsere kleine Große ist auch eine wahnsinnssammlerin. Die 562 Regenbogenbilder, die sie heute im Kindergarten gemalt hat, braucht sie unbedingt, außerdem natürlich die zwanzig Schnipsel, die sie aus einem Katalog ausgeschnitten hat, Steine, usw usw. Aber Schätze sind halt einfach wichtig 😉

  • Reply
    Keks
    23. Mai 2014 at 16:57

    Aber die Dinge auf dem Foto sind doch auch wirklich richtig tolle Schätze!

    LG von Annika (die gerade von einem anderen Blog rübergehuscht kam)

  • Reply
    Anonym
    23. Mai 2014 at 20:07

    Jetzt bin ich voll beruhigt 🙂 dachte schon unser Sohn wird ein messi wenn er gross ist – und damit meine ich nicht den Fußballer hahaa!
    Liebe grüße
    Nico

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    Spunkynelda
    24. Mai 2014 at 17:22

    Hihi super Caro ! Hier auch. Ich habe keine Dosen mehr im Schrank, alle gemopst und befüllt. Webbänder und knöpfe kaufe ich schon gar nicht mehr, alle entfremdet . Heute waren wir auf einem Heuboden spielen, das Stroh aus den Taschen wurde nun auch in diversen Schachteln versteckt. Ich glaube mit dem Spunkzimmerinhalt kann man locker 6 Monate überleben. Heeeeeeul. Gruß Leene

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    luise d
    24. Mai 2014 at 21:32

    Hach ja….das erinnert mich doch sehr an meine Tochter….Ich hab da schon so viele Kämpfe beim Zimmerausmisten gehabt…dann und wann gehe ich mit einer grossen blauen Tüte durch ihr Zimmer- wenn sie nicht da ist- und sammle auch….nämlich alles ein, was echt zu viel ist…Sie merkt es zum Glück meistens nicht….Die Tüte muss ich dann ganz unten in der Mülltonne verstecken…..sie wäre sonst nicht vor ihr sicher!

    lg luise

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    freudenkind
    27. Mai 2014 at 9:11

    Mein Mann fragte mich neulich, ob ich vorhabe, ein Logistikunternehmen zu gründen angesichts der vielen Kartons … "Nein, Papa, die sind doch für mich!", intervenierte das große Freudenkind … Du bist nicht allein mit deinen Bonbonpapier-, Glitzerfolienresten-, Alles-was-die-Natur-hergibt-Sammelkindern – nein, hier wohnen auch drei. Aber wenn man das auf einem anderen Blog liest, ist es doch lustig 😉 Weniger lustig ist es, wenn ich in das Zimmer des Ältesten schaue …
    Danke für deine tollen Posts!

    Viele Grüße,
    Steffi

  • Reply
    CvS
    13. Juni 2014 at 8:00

    Ach, bin ich froh, dass wir nicht allein mit der Sammelleidenschaft sind und es anderen genau so geht. Schuhkartons werden bei uns auch bevorzugt, man kann daraus auch Wohnwagen, Häuser und alles mögliche bauen, was dann wiederum mit Nüssen, Steinen, Bonbonpapier, kaputten Luftballons, Papierschnipseln usw. bestückt wird…

    LG, Caro

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