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Das Leben als solches

Das Leben als solches #3 [optimistische Rituale]

Wie in jeder anderen Familie auch gibt es bei uns Abläufe, die immer gleich vonstatten gehen. Man könnte sie im Grunde, optimistisch betrachtet, auch als Rituale bezeichnen.

Zum Beispiel das Ritual, dass mein Mann das Frühstück macht, weil ich morgens nicht aus dem Bett komme. Oder das Ritual, dass mein Mann immer das Bad putzen muss, weil ich das eklig finde. Oder das Ritual, dass mein Mann mir nachmittags einen Kaffee macht, wenn ich zu faul bin. (Erwähnte ich meine optimistische Sichtweise?)

Dann gibt es da aber noch diese eine Sache, die tatsächlich beinahe jeden Tag zu unserem morgendlichen Turnus dazu gehört und die mich – heute bin ich mal schonungslos ehrlich – in einem ganz schlechten Licht dastehen lässt. Mein Mann möchte die Kinder anziehen (ein optimistisch betrachtetes Ritual, Ihr habt es schon bemerkt) und ruft: Such mal was zum Anziehen raus. (Er ist ein Mann; so optimistisch kann kein Mensch sein!) Ich pilgere also zu den Kleiderschränken der Kinder, reiße euphorisch die Türen auf und dahinter…

…gähnende Leere! Nichts, nada, niente. Also schnell zum Wäschebhälter gerannt (jaaa, genau, dem für die Schmutzwäsche), hektisch gewühlt und nach irgendetwas gesucht, was noch einigermaßen tragbar ist (die kleinen Marmeladenflecken dahinten unten sieht bestimmt keiner).

Dem geneigten Leser meines Blogs wird sicher nicht entgangen sein, dass der wesentliche Bestandteil meines Schaffens etwas mit Nähen von Kleidung zu tun hat. Das Problem an der Sache ist aber folgende: ich bin eine Rabenmutter. Eine Näh-Rabenmutter. Ich nähe Kleidung (für mich), Taschen (für mich), Accessoires (für mich oder die Wohnung); und meine armen Kinder? Ich kann ja schon gar nicht mehr zählen, wie oft der Kobold vor meinem Stoffregal stand und mit großen, traurigen Augen meinte: Thea Boff? (heißt: Mama, wo zum Kuckuck nochmal ist der Stoff, aus dem Du mir einen Pyjama/einKleid/einT-Shirt/eine Hose nähen wolltest? Und warum liegt der schon seit drei Monaten im Regal??????)

Die gute Nachricht ist: ich bin lernfähig! Und so habe ich, pünktlich zum Frühlingsbeginn, endlich Kobolds noch etwas geräumige Winterjacke fertig gestellt. Optimistisch betrachtet heißt das: so rechtzeitig für die nächste kalte Saison war ich noch nie!

Das passt dazu...

10 Comments

  • Reply
    Life as Art
    28. März 2014 at 19:48

    haha, wie geil ^^

    mann das kind anziehen? böse, kann ich dir gern mal ein vild zeigen ^^ sei froh das da euer Schrank leer war …

    hihi, grüssle ..

  • Reply
    Zauberhafte
    28. März 2014 at 19:58

    Wie herzig geschrieben. Ich muss schmunzeln 😉 Kann mir wirklich alles bildlich vor meinem geistigen Auge sehen, wie es bei euch zugeht. Immer wieder schön, das es Dinge gibt, die nicht nur bei mir so sind.

    Ganz liebe Grüße, Stefanie

  • Reply
    Anna
    28. März 2014 at 19:59

    Schonungslos ehrlich. Gefällt mir sehr gut. Wenigstens weißt du, wo deine Fehler sind. Wären doch nur alle mal nur halb so ehrlich wie du.

    *thumbs up*

  • Reply
    Susi
    28. März 2014 at 20:00

    *lach* Wie absolut genial!!!! Das wahre Leben halt!!
    Vielen Dank für deine schonungslose Ehrlichkeit!! Sehr sympathisch!

    LG
    Susi

  • Reply
    maria
    28. März 2014 at 20:08

    haha, liebes ich liiiiiibe deine kolumne <3

    liebste grüße und küsse maria

  • Reply
    Astrid Ka
    28. März 2014 at 20:33

    Ooh! Bei mir ist's umgekehrt: Erst kommen die Enkel, die Enkel und noch mal die Enkel, dann die Tochter, die Nichten & Freundinnen, die Schwester, der Mann. Such mal in meinem Blog nach Sachen, die ich nur für mich gemacht habe…
    Schön geschrieben! 😀
    Herzlichst
    Astrid

  • Reply
    PamyLotta
    28. März 2014 at 20:49

    ich schmeiss mich weg…. ich dachte anfangs echt: "Oh man (äh frau), was für einen tollen Mann hat sie doch"…. und dann hab ichs kapiert…. und dachte dann eher wieder "doch alle gleich" … hihi

    absolut genial geschrieben

    GLG
    Pamy

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    lilleluett
    29. März 2014 at 8:05

    Herrlich ehrlich mit Wiedererkennungswert :D. Einer der wenigen Blogbeiträge die ich laut vorgelesen habe… am Frühstückstisch… gedeckt von meinem Mann :).

    Liebe Grüße
    Christiane

  • Reply
    tillaBox
    30. März 2014 at 20:18

    sehr schön, aber in diesme Falle darf man ruhig auch "Rabenmutter" sein, jedenfalls größtenteils, das finde ich völlig in Ordnung! LG Silke

  • Reply
    jor
    30. März 2014 at 20:30

    Ich liiiiebe deine Kolumne "Das Leben als solches" sehr! Immer wieder herrlich zu lesen, wie es hinter den Kulissen zugeht und das die meisten von uns doch ziemlich das gleiche Schicksal zu tragen haben 🙂
    Danke, dass du uns regelmäßig an deinem Leben und dem täglichen Wahnsinn (mit Kindern) teilhaben lässt!
    LG, Nicole

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